Morgens übrige Tageszeit
ohne Bad: 752 CC. 717 CC.
mit Bad: 436675

Allein wie würde damit die unverhältnissmässige Steigerung der Harnsäure im Morgenurin stimmen? wie ferner die Vermehrung fast sämmtlicher fester Bestandtheile in dem Urin der übrigen Tageszeit? Ich zweifle nicht, dass die vermehrte Hautfunction während des Bades auch auf die Quantität der festen Bestandtheile einen Einfluss hatte; einmal dadurch, dass sich der Blutstrom überhaupt mehr nach der Peripherie hinwandte, und andrerseits dadurch, dass mit den Schweissen allemal auch unorganische Verbindungen (Salze) den Körper verlassen. Allein diesem Umstande ist in den obigen Betrachtungen auch volle Rechnung getragen, und namentlich in Betreff des Kochsalzes, das ja hauptsächlich unter den unorganischen Stoffen im Schweisse vertreten ist, mag es hier wiederholt werden, dass seine Verminderung im Urin während der ersten Badezeit vielleicht durch eine vermehrte Ausgabe durch die Haut erklärt werden kann.—

Damit schliessen wir für jetzt diese Untersuchungsreihe ab.—Es folgte ihr die schon Eingangs erwähnte arbeitsfreie Zeit: die sich vom 24. Juli—4. August erstreckte.—In den ersten 6 Tagen derselben notirte ich noch täglich die Quantität genossener Fluida und Quantität, Reaction, specifisches Gewicht und Farbe des Urins; in den übrigen 5 Tagen geschah aber gar nichts; ich entzog mich absichtlich jeder Beachtung des eigenen Befindens und der Functionen meines Körpers und beobachtete ein den Patienten im Seebade durchaus ähnliches Verhalten. Am 30. und 31. Juli wurde eine Ausflucht zur See nach Norderney gemacht; mit Ausnahme dieser beiden Tage ward täglich gebadet.—

Das Befinden war in dieser Zeit frischer, als in der ersten Zeit der Bäder. In den einzelnen Verhältnissen zeigte sich jedoch gegen die erstere Zeit keine wesentliche Verschiedenheit. Ich unterlasse es die einzelnen Tagesberichte und Urinuntersuchungen dieser Periode mitzutheilen, da sie zu keinen wesentlichen Schlüssen führten. Nur die erhaltenen Mittelwerthe werde ich zum nähern Verständniss hinzufügen.—

Das wichtigste Resultat der ganzen Periode war zunächst das, dass das Körpergewicht in den 11 Tagen um 1048 Grm., also um mehr als 2

zunahm. Ich schliesse daraus, dass auch in dieser Zeit der Organismus einen Gewinn an Phosphorsäure erfuhr, da mir für alle Fälle der Satz festzustehen scheint, dass bleibende Körpergewichtszunahme nicht ohne Gewinn an Phosphorsäure (phosphorsauren Kalk) stattfinden kann.—Die Zunahme war aber um so auffallender, als der längere Gebrauch des Bades eine immer stärkere Einwirkung auf die Darmfunctionen ausübte, und täglich regelmässig 2-3 reichliche, fast an Diarrhoe gränzende Entleerungen Statt hatten.—Die Hautthätigkeit war dabei nicht so bedeutend gesteigert, wie in der letzten Untersuchungsperiode; zum Theil war das Folge einer weniger hohen Lufttemperatur. Immerhin war sie aber noch beträchtlicher, als in Oldenburg und dem entsprechend denn auch die Urinsecretion quantitativ geringer, als dort. Auch hier war es insonderheit wieder auffallend, dass das Bad nichts weniger, als einen beschleunigenden Einfluss auf die Urinsecretion ausübte. Trotzdem, dass nach wie vor Morgens 600 CC. Fluida genossen wurden, belief sich die während der Morgenstunden entleerte Quantität des Urins viel weniger hoch, als in Oldenburg und in Wangeroge zu der Zeit, wo kein Bad genommen wurde. In den 24stündigen Zeiträumen wurden im Mittel 1792 CC. Fluida genossen und 1251 CC. Urin entleert; davon fielen aber 411 CC. auf die 6-7 Vormittagsstunden und 840 CC. auf Nachmittag und Nacht. Wir schliessen daraus mit Recht auch hier auf eine durch das Bad gesteigerte Hautfunction; die Quantität des Wassers, welche die vermehrten Darmentleerungen in Anspruch nahmen, war nicht bedeutend genug, um das Deficit in der Urinmenge erklären zu können.—In dem specifischen Gewichts-Verhältnissen fand ich keinen wesentlichen Unterschied von den frühern Tagen; die Reaction blieb beständig sauer oder stark sauer, oder sehr stark sauer; während der ganzen Untersuchungszeit in Wangeroge war er auch nicht ein einziges Mal nur schwach sauer oder neutral. Seine Farbe wurde dagegen in der letzten Zeit offenbar etwas heller; die Nr. II. der Vogel’schen Farbentabelle (im Arch. des Vereins für gemeinschaftl. Arb.), fand sich oft vor, und der gesammte Urin von 24 St. hatte in der Regel eine Farbe von II‑III. Die vermehrten, gallereichen Darmentleerungen mochten dies Verhältniss zum grossen Theil bedingen.—In der Diät änderte ich in so fern etwas, als ich Morgens den Caffee mit Thee vertauschte und Abends statt Thee und Butterbrod mehrmals Fleischspeisen genoss. Des Morgens nach dem Bade wurde in der Regel ein Butterbrod mit Caviar oder Schinken und ein Glas Portwein (60 CC.) genossen.—

Am 4ten August kehrte ich jedoch ganz zu der frühern Lebensweise zurück und mit diesem Tage nahm ich auch die genauern Beobachtungen wieder auf. Es kam darauf an, die Wirkungen des Bades und des Aufenthaltes auf der Insel auch gegen den Schluss einer Curzeit kennen zu lernen, und dazu sollten mir die nächsten 8 Tage dienen.—Am 2ten Tage dieser Untersuchungsreihe war mein Befinden matter, als gewöhnlich. Ich setzte deshalb 2 Tage das Bad aus, und lernte somit auch die Wirkung eines solchen Verfahrens kennen. Die Mittelzahlen habe ich für diese Periode aber dennoch aus allen 8 Tagen der Untersuchung gezogen, da die Differenz der Resultate an den Tagen wo gebadet und wo nicht gebadet wurde so unbedeutend war, dass die Mittelwerthe doch richtige Anschauungen gewährten. Ich führe zunächst wieder die Resultate der einzelnen Tages-Beobachtungen vor: