[13] Vrgl. L. Lehmann: Ueber die Wirkung 15-28° R. warmer Sitzbäder, im Archiv des Vereins für gemeinschaftl. Arbeiten. Bd. II. Heft 1.—L. fand, dass in 15-20 Min. nur circa 10 Grm. Wasser resorbirt wurden.—

[14] Cf. Lehmann: Handbuch d. physiol. Chemie. Leipzig 1854. pag. 121.

[15] C. Mühry l. c. pag. 17.

Diese sämmtlichen Schlüsse und Betrachtungen finden nun eine weitere Unterstützung, wenn wir die Ergebnisse der Untersuchungen des am Morgen nach dem Bade und des während der übrigen Tageszeit entleerten Urins näher betrachten. Zunächst wurde schon oben darauf hingewiesen, dass die Urinsecretion namentlich in den Morgenstunden im Verhältniss zu den frühern Perioden vermindert, die Hauttranspiration aber gerade in ihnen am stärksten war. Ich glaubte vor Beginn der Untersuchungen erwarten zu dürfen, dass namentlich in den unmittelbar auf das Bad folgenden Stunden eine Beschleunigung der Urinsecretion eintreten würde, entsprechend der Wirkung kalter Sitzbäder, kalter Begiessungen, anregender psychischer Bewegungen u. s. w.—Allein war das auch in den ersten drei Tagen der Fall, so war es in den letzten 4 Tagen ganz umgekehrt, und das Ergebniss jener hatte seinen Grund sehr wahrscheinlich in dem ausnahmsweise unmittelbar vor oder nach dem Bade genossenen Bier. Ein Vergleich der in den verschiedenen Stunden entleerten Quantitäten wird die Richtigkeit dieser Angaben leicht erkennen lassen. Nach wie vor wurden Morgens früh 600 CC. Fluida genossen, und in Oldenburg pflegte sich dann in der Regel in der 3ten oder 4ten Stunde nach dem Frühstück die reichlichere Urinsecretion einzustellen. Beim Baden war es anders, und einerlei, ob das Bad nach dem Genuss von Wasser oder vor demselben genommen wurde, die Harnmenge war in den nächsten Stunden nicht vermehrt, sondern vermindert. Es geht daraus und aus der gleichzeitigen stärkern Hauttranspiration hervor, dass sich unmittelbar nach den ersten Seebädern der Blutstrom mehr nach der Peripherie des Körpers, der Haut, als nach den innern Organen hinwendet, und eben dort einen vermehrten Secretionsakt bedingt.—Vergleichen wir ferner die einzelnen Bestandtheile des Urins der badefreien Zeit mit denen der letzten 4 Tage, so wurden während der 7 Morgenstunden entleert:

Harnstoff.Harnsäure.Schwefelsäure.Phosphorsäure.Chlor.
ohne Bad: 9,219 Grm. 0,025 Grm. 0,490 Grm. 0,786 Grm. 4,542 Grm.
mit Bad: 8,2570,0940,4760,7103,288

Diese Verhältnisse geben uns ebenfalls eine weitere Bestätigung der oben angestellten Betrachtungen. Der Harnstoff war im Verhältniss zur badefreien Zeit vermindert. Sollte aber nicht, der beträchtlichen Vermehrung der Harnsäure gegenüber, die Bildung von Harnstoff durch das Bad ebenfalls vermehrt gewesen und nur deshalb weniger im Urin erschienen sein, weil ein Theil desselben in der Form von kohlensaurem Ammoniak durch die Haut entwich? Ist eine solche Annahme nicht wieder unterstützt durch die verhältnissmässig bei Weitem geringere Abnahme der Schwefelsäure, in Betreff derer wir auch hier wieder daran erinnern müssen, dass in dieser Periode sicher ein grösserer Theil des Schwefels, als in der vorhergehenden, den Organismus mit den Faeces verliess? Muss nicht, wenn wir Nachmittags und Nachts 2 Grm. Harnstoff mehr ausgeschieden sehen als zur badefreien Zeit, ebenfalls für die Morgenstunden eine vermehrte Production von Harnstoff als wahrscheinlich statuirt werden? Die fast auf das 4fache gesteigerte Quantität der Harnsäure giebt einen Beweis für die beschleunigte Metamorphose stickstoffhaltiger Bestandtheile; ihre unverhältnissmässige Steigerung gerade in den Morgenstunden sehe ich als einen Beweis meiner Annahme an, dass das Bad eine absolute Steigerung der Harnsäureproduction bedinge; dass aber dennoch weniger Harnstoff im Urin zum Vorschein kam, als zur Zeit, wo nicht gebadet wurde, lässt mich, bei der offenbar gesteigerten Hautthätigkeit, schliessen, dass ein grösserer Theil desselben, als sonst, den Organismus in der bezeichneten Form verliess. Anders, als in dieser Weise, weiss ich mir die Thatsachen nicht zu deuten.—Der Chlorgehalt des Urins war nicht vermehrt, im Gegentheil vermindert. Auch darin finde ich eine Bestätigung des oben aus den 24stündigen Mittelwerthen gezogenen Resultates, dass nämlich eine Salzaufnahme in den Blutkreislauf im Bade nicht Statt habe; die absolute Verminderung mag aber in der vermehrten Hautausgabe sehr wohl ihre Begründung finden. Die Phosphorsäure endlich war um ein Geringes (0,076 Grm.) vermindert. Hatte ein lebhafterer Stoffwechsel (Oxydationsprocess) Statt, so kann uns dieses Factum nicht befremden; die absolut gesteigerte Harnsäureproduction steht demselben nicht entgegen, weil die Harnsäure als solche rasch aus dem Körper entfernt wurde.

Dem gegenüber waren in den Nachmittags- und Nachtstunden fast alle Verhältnisse der Art, dass der Beweis beschleunigter Metamorphose ohne Frage aus ihnen hergeleitet werden kann.

Harnstoff. Harnsäure. Schwefelsäure. Phosphorsäure. Chlor.
Ohne Bad: 18,2930,1891,1911,5936,057
Mit Bad: 20,3080,2311,4991,8525,146.

Der Harnstoff war vermehrt; die für die Morgenstunden statuirte Ausgabe von Harnstoff in Form von kohlensaurem Ammoniak, fand jetzt bei weniger intensiver Hautfunction nicht mehr Statt; es fand sich also auch die Vermehrung des Harnstoffs im Urin ausgesprochen. Die Schwefelsäure war, ihm entsprechend, ebenfalls vermehrt. Die Harnsäure war ebenfalls vermehrt, aber doch nicht in so beträchtlicher Weise, wie am Morgen. Wir dürfen vielleicht annehmen, dass ein grösserer Theil derselben, als am Morgen, einem weitern Zerfall im Organismus unterlag, demgemäss auch mehr Oxalsäure producirt wurde, und ist dieser Schluss nicht unrichtig, so findet damit auch das Verhältniss der Phosphorsäure, die jetzt in vermehrter Quantität ausgeschieden wurde, seine Erklärung.—

Man wird vielleicht einwenden, dass sich diese sämmtlichen Verhältnisse der einzelnen Stoffe auch durch die veränderten Quantitäten des Urins erklären lassen. Es wurden ausgeschieden