Die Mittelwerthe dieser Periode berechnen sich folgendermaassen: In je 24 Stunden wurden 1920 CC. Fluida genossen und 1440 CC. Urin mit 28,377 Grm. Harnstoff, 0,324 Grm. Harnsäure, 1,857 Grm. Schwefelsäure, 2,671 Grm. Phosphorsäure und 12,019 Grm. Chlor entleert; auf Morgen und übrige Tageszeit vertheilten sich diese Mengen dann so, dass in den 6-7 Morgenstunden 538 CC. Urin mit

8,674 Grm. Harnstoff
0,077Harnsäure
0,438Schwefelsäure
0,680Phosphorsäure und
4,891Chlor,
Nachmittags und Nachts dagegen: 902 CC. Urin mit
19,703 Grm. Harnstoff
0,247Harnsäure
1,418Schwefelsäure
1,990Phosphorsäure und
7,128Chlor

ausgeschieden wurden.—

Betrachten wir zuerst wieder die Resultate der 24stündigen Periode etwas näher, so war das Verhältniss von genossenen Fluidis zur Quantität des Urins fast durchaus dasselbe, wie während der badefreien Zeit auf Wangeroge (1894: 1469); gegen die erste Badezeit war die Urinmenge, trotz verringerter Einnahme an Fluidis, vermehrt. Es weist dies mit Bestimmtheit auf einen geringeren Wasserverlust durch die Haut hin und dass derselbe in der That auch geringer war, geht schon aus den Bemerkungen in den einzelnen Tagesberichten hervor. Die bedeutend niedrigere Lufttemperatur führte dies Verhältniss offenbar zum grossen Theil herbei; ob wir aber auch annehmen dürfen, dass das Bad in der letzten Zeit auf die Hautfunction einen geringern Einfluss ausübte, als in der erstern, lasse ich dahingestellt sein. Die klebrige Beschaffenheit der Schweisse wurde nach, wie vor, wahrgenommen; möglich also, dass nur in der Quantität des Wassergehaltes der Schweisse eine Differenz eintrat und dieses Wasser eben aus irgend welchen Gründen von den Nieren secernirt wurde. Die Vermehrung des Chlorgehaltes im Urin, welche meistens in Folge veränderter Diffusionsverhältnisse auch mit Vermehrung des Wassergehaltes des Urins einhergeht[16], möchte unter solchen Gründen hier namentlich in Betracht zu ziehen sein. Die einzelne Beobachtung vermag diese Frage nicht zur Entscheidung zu bringen.—

[16] Vgl. Falck: Deutsche Klinik. 1853. 8. Oct. „Beiträge zur Lehre von der einfachen Polyurie.“—

Die Darmentleerungen blieben bis zu Ende des Bades vermehrt, und um so mehr, als sofort mit dem Aufhören des Badens das frühere Verhalten in dieser Beziehung eintrat, muss ich glauben, dass das Bad selbst einen Einfluss darauf ausübte. Ich beschuldige nicht, wie Manche es thaten, das Trinkwasser, da dasselbe meiner Untersuchung zufolge um sehr wenig von dem Oldenburger Trinkwasser differirte. Die Beobachtung vermehrter Darmentleerungen beim Gebrauch des Seebades ist ausserdem zu oft gemacht, als dass man noch länger in Zweifel darüber sein könnte.—Da wo das Bad ohnedies einen fatiguirenden Einfluss ausübt, hüte man sich aber, wie schon erwähnt, diese Bade-Wirkung in zu starkem Maasse eintreten zu lassen; der Zustand der Fatigue ist allemal ein Gegner des wohlthätigen Einflusses, den das Seebad insonderheit auf die chemischen Verhältnisse des Organismus ausübt.—Darüber später noch ein Mehres.—

Der Harnstoff belief sich in der letzten Periode des Badens eben so hoch, als in der ersten; dort, wie hier, wurden täglich 28,3 Grm. ausgeschieden. Dürfen wir hier den Harnstoff als Maass des Stoffwechsels betrachten? Aus denselben Gründen, wie oben, glaube ich es auch hier nicht. Die noch zunehmende Quantität der Harnsäure, die uns also eher auf eine noch mehr beschleunigte, als auf eine retardirte Stoffmetamorphose hinweist, die, trotz der vermehrten Darmentleerungen, sich noch immer höher als zur badefreien und sehr nahezu gleich hoch wie zur ersten Badezeit belaufende Quantität der Schwefelsäure lassen mich annehmen, dass auch hier ein gewisser Theil des Harnstoffs in Folge des Badeeinflusses auf andern Wegen, als dem gewöhnlichen, den Körper verliess, und während wir in einer täglichen Quantität von etwa 30 Grm. (das Verhältniss der Schwefelsäure als maassgebend angenommen) sehr wohl ein Maass des Stoffwechsels erkennen könnten, glaube ich in der Quantität von 28,3 Grm. dieses Maass nicht annehmen zu dürfen.—Im Allgemeinen ist aber das Resultat eben von Wichtigkeit, dass gegen Ende der Curzeit der Einfluss des Bades keineswegs an Grösse gewinnt; er hat vielmehr zu Anfang, wie zu Ende eine gleiche Wirkung und im subjektiven Befinden der Patienten äussert sich nur deshalb eine Verschiedenheit des Einflusses, weil die Angriffspunkte, d. h. der Organismus selbst, zu Anfang und zu Ende verschieden sind. Dies Resultat der chemischen Untersuchung ist für den Arzt, wie für den Seebad-Patienten von hoher Wichtigkeit; die Maassnahme allmähliger Steigerung in der wöchentlichen Anzahl der Bäder bei schwächlichen Constitutionen, die Regel, namentlich im Anfange Alles zu vermeiden, was eine Fatigue herbeizuführen vermag, erhalten jetzt ihre rationelle Begründung.—Der beschleunigte Stoffverbrauch nimmt zu Anfang die disponibeln Kräfte (das Nervensystem) zu sehr in Anspruch, als dass ausser für Bad u. s. w. noch viele derselben für geistige und körperliche Thätigkeiten übrig blieben; die früher retardirte Metamorphose wird beschleunigt; allmählig tritt aber eine Periode ein, in der das Nervensystem an den raschern Stoffwechsel gewöhnt ist, durch Veränderung des Stoffwechsels und insonderheit durch die Hebung des Ernährungsprocesses selbst an Kraft gewinnt; jetzt fühlt sich der Patient auch subjectiv wohler und körperliche, wie geistige Anstrengungen werden leichter ertragen. Ich sage, der beschleunigte Stoffverbrauch nimmt zu Anfang die disponibeln Kräfte (das Nervensystem) fast sämmtlich in Anspruch—und das ist eine unläugbare Thatsache. Das Nervensystem hat unter allen Verhältnissen nur ein bestimmtes Quantum an Kraft zu verwenden; die vegetativen (Ernährungs-)Vorgänge erfordern ebensowohl einen Theil davon, als muskuläre oder geistige Anstrengungen. Ist es unter solchen Verhältnissen, wie im Seebade, nothwendig, dass mehr Nahrungsmaterial, als gewöhnlich, eingeführt wird, so muss dem Nervensystem für die damit gesteigerten vegetativen Functionen auch ein Plus an Kraft entzogen werden, für die muskulären und geistigen Anstrengungen aber nur ein Minus übrig bleiben; und erst dann tritt etwa das richtige Verhältniss wieder ein, wenn das Nervensystem effektiv an Leistungsfähigkeit gewonnen hat, d. h. der gesteigerte Ernährungsprocess sich auch in dieser Weise kund giebt; die vegetativen Vorgänge erfordern nach wie vor ihr Plus an Kraft des Nervensystems, aber die Summe dieser Kraft beläuft sich jetzt hoch genug, als dass sie ein Minus für andre körperliche und geistige Functionen bedingen sollte.—Stiege im Seebade und bei längerer Dauer desselben die anfängliche Einwirkung desselben noch immer fort, so würde ein solches Verhältniss nicht eintreten, und der Zustand der Fatigue bis zu Ende anhalten.—

Das Verhältniss der Schwefelsäure änderte sich in dieser Periode, wie das des Harnstoffs, sehr unbedeutend. Es differirt von der ersten Badezeit täglich nur um 0,035 Grm.—Diese Differenz kann sehr wohl durch eine geringe Verschiedenheit der Darmentleerungen bedingt sein.—Die Harnsäure hat dagegen noch um 0,016 Grm. in 24 Stunden zugenommen, ein Verhältniss in dem wir die frühere Angabe bestätigt finden, dass das Seebad auf die Production der Harnsäure einen absolut steigernden Einnuss ausübe.—Ihr entsprechend nimmt auch die Phosphorsäure täglich noch um ein Geringes (0,054 Grm.) zu, ein Verhältniss, welches nach meinen obigen Auseinandersetzungen und bei der festgehaltenen Erklärung des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Harnsäure und Phosphorsäure nicht auffallend erscheinen kann.—Vergleichen wir nun aber die Quantität der Phosphorsäure in den Oldenburger Juli-Tagen mit der hier in Frage stehenden und ziehen gleichzeitig die aufgefundenen Körpergewichtsverhältnisse in Betracht, so ergiebt sich, dass in Oldenburg täglich 2,893 Grm. Phosphorsäure entleert wurden und dabei ein Gewichtsverlust von täglich 135 Grm. statt hatte, dass dagegen in Wangeroge in der letzten Periode täglich 2,671 Grm. Phosphorsäure entleert wurden und dabei eine tägliche Gewichtszunahme von 15 Grm. Statt hatte. Bei der zweifellosen Beziehung, den die Phosphorsäure zum Ernährungsprocess hat, müssten wir demnach annehmen, dass bei einer Ausscheidung von täglich circa 2,75 Grm. Phosphorsäure im Sommer mein Körpergewicht sich gleich bleiben würde. In Wangeroge erfuhr somit der Körper in allen Perioden einen Gewinn an Phosphorsäure; und berechnet sich der absolute Gewinn an derselben für die letzten 8 Tage auf etwa 1,7 Grm., der relative (vermehrte Einnahme von Nahrungsstoffen) aber auf etwa 2-3 Grm., so würde sich der Gesammt-Gewinn in der letzten Periode etwa auf 4 Grm. belaufen.

Das 24stündige Mittel für die Phosphorsäure zu verschiedenen Jahreszeiten wurde für meinen Körper oben auf 2,5 berechnet; das der Harnsäure daneben auf 0,35 Grm.—Wenn wir jetzt in dem heissen Juli in Oldenburg 0,41 Grm. Harnsäure und 2,89 Grm. Phosphorsäure; in Wangeroge bei ausschliesslichem Luftgenuss:

0,21 Grm. Harnsäure und 2,37 Grm. Phosphorsäure;
bei durch das Bad absolut gesteigerter Harnsäureproduction, anfangs
0,30 Grm. Harnsäure und 2,61 Grm. Phosphorsäure
zu Ende aber: 0,32 und 2,67