30 Grm. finden, so mag das in dem durch sehr angestrengte Thätigkeit gesteigerten Stoffverbrauche, wie er in der That im September Statt hatte, seinen Grund haben, nicht aber den obigen Satz entkräften.—Während der letzten 3 Untersuchungstage, vom 12.-15. Septbr., hatte sogar täglich eine geringe Körpergewichtsabnahme (von 52 Grm.) Statt. Aber ich muss zur Erklärung dieser auf die während dieser 3 Tage aus unbekannten Gründen sehr gesteigerte Diurese aufmerksam machen. Bei nicht geringer Hauttranspiration und reichlichen Darmentleerungen wurden bei täglichem Genuss von 1977 CC. Fluidis 1655 CC. Urin entleert, ein Verhältniss, welches in Vergleich mit den frühern eine noch viel bedeutendere, momentane Gewichtsabnahme hätte erwarten lassen.—Bei Beurtheilung der Gewichtsverhältnisse des Körpers sind selbstverständlich stets alle Factoren der Stoffmetamorphose, die Einnahmen und gesammten Ausgaben zu berücksichtigen; ein Tag oder wenige aufeinanderfolgende Tage können durch gesteigerte Diurese, Hauttranspiration oder Darmentleerung sehr leicht einen Körpergewichtsverlust von einigen Pfunden bedingen, ohne dass man deshalb schon von einem beeinträchtigten oder sinkenden Ernährungsvorgang reden darf; der momentane Verlust gleicht sich rasch wieder aus. Nur wenn in Zeiträumen von 8, 14, 21 u. s. w. Tagen Veränderungen in den Körpergewichtsverhältnissen eintreten, ist ein Schluss auf die Energie des Ernährungsprocesses zulässig. Solches ist aber, mit Ausnahme der letzten 3 Untersuchungstage bei meinen Untersuchungen der Fall—und wenn das Körpergewicht vor Gebrauch des Bades am 9ten Juli 120
400 Grm. betrug, 14 Tage nach dem Bade, am 1sten Septbr., sich aber auf 127
175 Grm., und noch 14 Tage später, am 14. Septbr., auf 126
23 Grm. belief, so liegt darin mit aller Bestimmtheit der Beweis, dass das Seebad den Ernährungsprocess hebt, die Anbildung von Körpersubstanz befördert; und diese Wirkung zeigt sich sicher sowohl während des Aufenthaltes auf der Insel selbst, als auch noch in der der Badezeit zunächst folgenden Zeit[19].—
[19] Am Tage, wo mir diese Zeilen zur Correctur vorliegen, den 12. Decbr. 1854 Morgens 10 Uhr, beträgt das Körpergewicht: 126 Pfd. 422 Grm. Der Gewinn an Körpersubstanz ist also ein andauernd bleibender geworden, ohne dass die Lebensverhältnisse gegen die frühern im Januar und Februar verändert gewesen wären.—
Was endlich den Chlorgehalt des Urins in dieser dem Bade folgenden Zeit betrifft, so stand derselbe im Mittel eben so hoch, als während der letzten Badezeit.—Während dieser wurden täglich 12,019 Grm., in Oldenburg täglich 12,736 Grm. entleert. Im Vergleich zur Oldenburger Zeit vor dem Bade wurden jetzt täglich circa 2 Grm. Chlor mehr ausgeschieden. Ich glaube nicht, dass diese Vermehrung als Folge des Bades anzusehen ist. Ebenso wie ich oben die Vermehrung des Chlorgehaltes des Urins während der Badezeit nur als Folge gesteigerten Salzgenusses ansprach, so möchte ich es auch hier thun. In beiden letzten 3tägigen Untersuchungsperioden kam ein Tag vor, an welchem sehr salzreiche Speisen (Häring und gesalzener Schinken) genossen wurden; an jedem dieser Tage war der Chlorgehalt des Urins abnorm hoch; am 31sten Septbr. belief er sich auf 18,419 Grm.; am 14ten Septbr. auf 14,433 Grm. Es ist keinem Zweifel unterworfen, dass nur hierdurch die höhere Mittelzahl von 12,736 Grm. per Tag bedingt wurde. Die übrigen Tage geben ein Mittel, das ganz demjenigen gleich steht, welches in Oldenburg vor Gebrauch des Bades beobachtet wurde.—Dieses Verhältniss gesteigerten Salzgenusses muss ich auch zur Erklärung der bedeutenden Wasserausgabe durch die Nieren in der letzten 3tägigen Periode in Anschlag bringen; bei ziemlich beträchtlicher Hautfunction und geregelter Darmentleerung kam sonst ein Verhältniss von 1977 CC. Fluidis : 1655 CC. Urin nicht vor;—und dass reichlicher Salzgenuss das Wasserbedürfniss, wie die Urinsecretion steigert, ist eine bekannte Thatsache.—Andrerseits wollen wir aber auch nicht verkennen, dass nach Aufhören des Bades die gesteigerte Thätigkeit der Haut wieder nachliess und wenn in den ersten 3 Tagen der letzten Untersuchungen noch ein ähnliches Verhältniss zwischen genossenem Fluidum und entleertem Urin (1917 CC. : 1279 CC.) obwaltete, wie zur Badezeit, so mag die Veränderung desselben in den letzten 3 Tagen (1977 : 1655) zum Theil wenigstens von der allmälig nachlassenden Haut- und wieder gesteigerten Nierenthätigkeit bedingt gewesen sein.—