hieselbst.
Euer Wohlgeboren
erlaube ich mir, beifolgend ein Exemplar eines von mir herausgegebenen Werkchens in niederdeutsch-westphälischer Mundart zu gefälliger Ansicht zu übersenden.
Dieses Werkchen, bei dessen Bearbeitung ich mir insbesondere die Aufgabe stellte, einen, von modernen Beimischungen und fremden Überläufern freien Beitrag zur Kenntniß der so biederkräftigen westphälischen Mundart zu liefern, verdankt seine Entstehung den Anregungen einiger, den Forschungen in den niederdeutschen Sprachformen zugewandter Gelehrten, namentlich des verdienten Herausgebers der Völkerstimmen Germaniens, daher die Bearbeitung zunächst im Interesse der Sprach-und Idiotismenforscher unternommen wurde, denen es gewidmet war, aus welchem Grunde denn auch mehr Rücksicht auf die Hervorhebung eigenthümlicher Ausdrücke und bereits veraltender Redensarten und Sprichwörter zu nehmen war, als auf zierliche, jetzt beliebige Gestaltung der meist aus dem Leben des Landmannes früherer Zeit gegriffenen und eben deshalb nur im ebenbürtigen, hausmachenen Gewande vorzuführenden Bildergruppen.
Gleichwohl habe ich dem Werkchen, welches anfangs nicht zum Drucke bestimmt war, eine solche Einrichtung zu geben gesucht, daß es zugleich auch eine erheiternde Unterhaltung für jeden unbefangenen Leser und Freund der plattdeutschen Sprache darbieten möge. Gestützt auf die beifälligen Aussprüche competenter Beurtheiler darf ich mir schmeicheln, bei der nicht unschwierigen Durchführung meines Unternehmens auch dieses Ziel erreicht zu haben. Ich hege deshalb die Hoffnung, daß meine Arbeit auch Ihren Beifall finden und Sie beigehendes Exemplar dieses Büchleins für Jedermann, das ich unterdessen für nichts mehr und nichts Besseres anzusehen bitte, als für eine kleine Ährenlese auf jenem erst wenig beackerten Sprachfelde, zu behalten belieben werden, welchen Falles ich mir den Preis von 12 Ggr. Courant dafür erbitte.
Da dies Werkchen sich insbesondere auch zu einem angemessenen Geschenke für die Jugend eignen dürfte, welche aus leicht zu erkennenden Gründen die Sprache ihrer Vorältern nicht so ganz vernachlässigen sollte, so bitte ich freundlichst, dasselbe in Ihren Kreisen als ein Solches wohlwollend empfehlen zu wollen.
Osnabrück,
im November 1845.
Gehorsamst
Lyra.
Den verehrlichen Subscribenten auf die von mir angekündigten
Plattdeutschen Briefe, Erzählungen,
Gedichte u. s. w.