so wie meinen lieben Landsleuten in Westphalen
sammt und sonders gewidmet.

'n Afbeld längst vergaun'ner Titen
Un wat de Aulen seggt un daun'n,
Schall milnen leewen Landeslüüen
Liifhaftig hier vor Augen staun'n.

Kräftig und ungeschminkt, wie der Zögling der Natur, — der Landmann ehemaliger Zeit —, ist auch seine Sprache; wer ihm einen frac à la mode anlegt, der hat Beide nicht kennen gelernt und stellt ein ungenügendes Bild dar.

Dies zur Rechtfertigung mancher in diesen Darstellungen vorkommenden, dem heutigen Geschmacke vielleicht nicht mehr zusagenden Kraftausdrücke; die, wollte ich anders den Landmann älterer Zeit und seine Weisen richtig zeichnen, nicht zu vermeiden waren. Dann Platt is platt un mot platt bliiwen, süß is't nin Platt, un Bispriöke gahet in Holsken un niemet nin Blatt vor't Muul. — Darum trat ich in dieser kleinen Ährenlese auf einem urkräftigen, erst wenig beackerten Sprachfelde, die ich gleichwohl für nichts mehr und nichts Besseres ausgeben mag, als für einen, von allen im Laufe der Zeit eingeschwärzten Überläufern und modernen Beimischungen freien Beitrag zur Kenntniß unserer so kernhaften westphälischen Muttersprache, ohne Bedenken gerade heraus mit dem Volkstone und eben darum konnten auch die einfachen Skizzen, in denen ich die frühern Gewohnheiten und Sitten der Landleute darzustellen versucht habe, nur in naturgetreuen Umrissen und im entsprechenden hausmachenen Gewande gegeben werden.

Vorbericht.

Auf dem Lande geboren und erzogen, habe ich schon früh vielfache Gelegenheit gehabt, nicht allein die Sprache der Landleute Westphalens in allen ihren Eigenthümlichkeiten zu belauschen und genau kennen zu lernen, sondern auch das Thun und Treiben derselben zu beobachten, und da auch meine späteren Lebensverhältnisse vielen Verkehr mit den Landbewohnern herbeiführten, so sind mir ihre Weisen und die Veränderungen, welche selbige in neueren Zeiten durch Sitten- und Sprachverfeinerung — die stets gleichen Schritt halten — erlitten, nicht fremd geblieben, so daß ich mir getrauen darf, im Stande zu sein, sowohl die früheren Gewohnheiten des Landmannes, als auch die Eigenthümlichkeiten seiner Sprachweise zutreffend zu schildern. Ich habe damit einen Versuch gemacht, indem ich einige Erzählungen, Gedichte u. s. w. zusammengetragen, die ich dem Drucke übergebe. Ich glaube, daß die noch lebende ältere Generation, (ich meine damit die im vorigen Jahrhundert, oder doch vor der französischen Invasion, welche, im Zusammenhange mit den ihr nachgefolgten Zeitläuften und Ereignissen, so vielen Einfluß auf die Veränderung der alten deutschen Sitten und Gewohnheiten im Allgemeinen, und namentlich auch in Hinsicht auf die Bewohner des platten Landes ausgeübt hat, Geborenen und Herangewachsenen) mich überall verstehen werde; wogegen der Jüngeren wohl Manche in meinen Darstellungen vorkommende Ausdrücke und Redensarten schon nicht überall mehr verständlich sein mögten. Für diese habe ich erklärende Noten beigefügt. Jedes Wort habe ich absichtlich genau so geschrieben, wie es zuerst buchstabirt und nachher ausgesprochen werden muß, daher die vielen Doppelbuchstaben und Vorklänge, was nicht von Allen, die plattdeutsch schreiben, genugsam beobachtet wird.

Die plattdeutsche Sprache hat eine Menge ausdrucksvoller, scharf bezeichnender, witziger Redensarten, weshalb sie, anerkannt, zu humoristischen, aus dem Leben gegriffenen Darstellungen ganz vorzüglich geeignet ist, und diese Seite habe ich bei meinen Darstellungen besonders im Auge gehalten.

Man hat überall eingesehen, daß es eben noch Zeit sei, die immer mehr verhallenden Klänge der plattdeutschen Mundarten, soviel deren in ihrer ältern Eigenthümlichkeit noch vorhanden sind, zu sammeln und deshalb hat dieser Gegenstand der Wissenschaft, auch eben in unsern Tagen noch zu rechter Zeit, die Aufmerksamkeit der Gelehrten erregt, so daß sich ihrer Viele dem gewiß eben so verdienstlichen als patriotischen Geschäfte widmen, die Idiome der plattdeutschen Mundarten vor der Vergessenheit zu schützen. Unter solchen verdienen besonders der Herr Professor Dr. Rosegarten in Greifswalde und der Herr Dr. Firmenich in Berlin hervorgehoben zu werden, von denen der Erstere sich die verdienstvolle Aufgabe gestellt hat, ein allgemeines Wörterbuch der niedersächsischen oder plattdeutschen Sprache älterer und neuerer Zeit zu bearbeiten, während der Letztere der gesammten deutschen Nation in seinen »Völkerstimmen Germaniens« ein gediegenes und ächtes deutsches National-Werk übergeben wird. Beide haben mich mit dem Vertrauen beehrt, mein thätliches Interesse für ihre Unternehmungen in Anspruch zu nehmen und daraus ist die Veranlassung zu der Niederschreibung der Darstellungen hervorgegangen, durch deren Herausgabe ich den vielen Freunden der plattdeutschen Sprache um so mehr einen Dienst zu erweisen glaube, als es meine Aufgabe gewesen ist, eine möglichst große Menge solcher Sprichwörter und Redensarten zusammen zu bringen, die größtentheils schon jetzt nur selten mehr gehört werden, weil sie meistens nur noch in dem Munde abgängiger Großväter anzutreffen sind und von welchen eben dieserhalb zu vermuthen ist, daß sie bald ganz verschwinden, oder, wie ich mich ausdrücken mögte, aussterben werden.