Besseren Verständnisses halber sind diese Sprichwörter in ein erzählendes Gewand gewebt und die besonderen Redensarten und Sprichwörter mit gesperrter Schrift gedruckt worden. Als Anhang habe ich noch einige, theils von mir, theils von Anderen herrührende Gedichte u. dgl. beigegeben und bemerke nur noch, daß ich mich überall streng des Osnabrücker Idioms bedient habe.
Osnabrück, im März 1844.
Lyra,
Canzlei-Registrator.
Der Herr Canzlei-Registrator Lyra ist mir bereits längst bei mehrfältigen Gelegenheiten als ein Mann bekannt geworden, der die plattdeutsche Sprache in allen ihren Eigenthümlichkeiten genau und vollkommen kennt. Es steht ihm dabei auch zugleich die Gabe zu Gebote, das, was er giebt, mit äußerst gemüthlicher Laune darzustellen. Ich habe die von ihm zum Druck bestimmten Briefe u. s. w. im Manuscript theilweise durchgesehen und kann aus vollster Überzeugung die Versicherung geben, daß sie Jedem, der sich für die plattdeutsche Mundart interessirt, gewiß gefallen werden. Ein größeres Verdienst aber besteht darin, daß namentlich in den Briefen eine Menge Sprichwörter und besonderer Redensarten, in ein humoristisches Gewand gekleidet, und dadurch zugleich leichter verständlich gemacht, niedergelegt sind; so daß das Werkchen, wie es daliegt, für sich allein schon fast ein vollständiges Idiotikon, besser wenigstens als das Strodtmannsche[A], ist.
Wenn der Herr Herausgeber mir an meinem Namenstage den 24. Februar 1842 sagte: »He begreipe nich, wo ick sau viele schäune Leeder to haupe kriegen harre un se vor saune Schnüüsterigge weggiewen mogte, un dat he'r wual wat ümme schüllig sien wolle, dat he't auck sau verstönne;« so kann ich nicht umhin, demselben jetzt das Zeugniß zu geben, »dat he se nau vüllig sau goot uut'r Mowwen schüdden kann, as icke un dat ick der Meenunge bin, he miöte den grauten Schatt, den he to'm Besten gift, nich sau spottwualfeil uutdoonen. — Man daarunner folget he mi, as't schint, daarmet'r Jeddereene, un auck de minneste Landmann, lichtferriger to kuomen kann. — Ick wünske van Hartensgrunde, dat'r en hauge uppackeden Miölenwaagen vull van na allen Kanten der Welt gaunen müüge, un segge met eenen Waarde: dat Book is aller Rekummedation mäutig[C] un unner Bröörs 12 Ggr. werth; dann Buur un Börgersmann, saugaar Edellüüe kiön't'r sick anne ergetzen un'r hen un wier na wual wat uut leeren.«
Seling,
Pfarr-Caplan zu St. Johann in Osnabrück.
[A] Zu bedauern würde es sein, wenn wirklich Jemand zu Forschungen und Arbeiten in unserer plattdeutschen Mundart etwa das Strodtmannsche Idiotikon von 1756 zu Rathe gezogen haben mögte, indem eine blos flüchtige Ansicht desselben Jedem, der mit dem hiesigen Dialekte nur einigermaßen bekannt geworden ist, sofort die Überzeugung gewähren muß, daß ein bedeutender Theil der darin vorkommenden Wörter unrichtig gegeben, geschrieben und interpretirt, die wenigen darin aufgenommenen Sprichwörter und besonderen Redensarten aber fast durchweg falsch und sinnwidrig erklärt sind; was auch schon der verstorbene Dr. Klöntrup, der mit vollem Rechte als bewährter Kenner und fleißiger Forscher in plattdeutschen Idiomen dasteht, in dem Vorberichte zu seinem im Manuscripte hinterlassenen, vor Kurzem in die Bibliothek des hiesigen Rathsgymnasii übergegangenen, überaus vollständigen und eben deshalb sehr schätzbaren Wörterbuche der niederdeutsch-westphälischen Mundart bemerkt, von welchem sehr zu beklagen ist, daß es bisher nicht zum Drucke gelangte[B].
Ich erachte es für angemessen die betreffende Stelle aus der Klöntrupschen Einleitung hier abdrucken zu lassen, so wie ich es auch nicht für überflüssig gehalten habe, von dem bei Strodtmann angetroffenen wenigen Guten, die in einem Anhange zu seinem Idiotikon beigebrachte, bei der Flachs- und Leinwandgewinnung in Westphalen gebräuchliche, mittheilungswerthe Nomenclatur am Schlusse dieses Büchleins berichtigt aufzunehmen, zumal das Strodtmannsche Idiotikon selbst sich nur in wenigen Händen befindet.