O! und heute ist sie leidender, als ich sie je gesehen! bemerkte Meining, hätte sie nur den verdammten Ball aufgeschoben, wozu ich selbst vor ein paar Tagen rieth. Aber da war kein Halten, kein Abreden, der Ball mußte durchaus gegeben werden, weil die Arrangements einmal getroffen waren. Nun haben wir leider die Folgen.

As for the ball, damit hat es seine eigne Bewandtniß, und da hat Clementine Ihnen nicht die Wahrheit gesagt. Die Arrangements ließen sich wol abändern, aber der Ball galt Thalberg und noch Jemand, sonst hätte sie ihn gewiß aufgeschoben, da sie sich, wie sie mir selbst sagte, sehr unwohl fühlte.

Er galt Thalberg? Was soll das heißen?

Sehen Sie, lieber Geheimrath! das rathe ich so, denn bestimmt weiß ich es nicht – mais pas si bête qu'on voudrait me croire! Als ich neulich bei Clementinen vorfuhr, wurde ich abgewiesen; es hieß, sie hätte ein tête à tête mit der Staatsräthin Ringer – was kann sie mit der fremden Frau haben? Nachher des Abends, als zuletzt die Partie bei Ihnen war, kam Thalberg, der erwartet wurde, nicht. Clementine sagte uns, er sei vorher bei ihr gewesen, sie hätte eine Weile mit ihm geplaudert und gestand mir, en secrêt, es sei die Rede von einer Verheirathung Thalberg's gewesen. Dabei war sie in der glücklichsten Laune, also hatte er gewiß eingewilligt. Nun kommt ihr Ball. Die kleine Ringer mußte die Tochter vom Hause machen, ich sah selbst, wie Thalberg ihr von Clementinen vorgestellt wurde, und c'est une affaire finie!

Das eben nicht, beste Frau! denn Thalberg sagte mir vor einigen Tagen, daß er genöthigt sei, rasch nach Hochberg zu gehen, und er ist möglicher Weise schon fort, sagte Meining.

Comment donc! abgereist? I do'nt believe! rief Marianne.

Glauben Sie es immer, Sie werden bald seinen Abschiedsbesuch oder seine Karten empfangen; indeß wußte er selbst nicht, wie lange er fort bleiben würde. Dabei fällt mir ein, daß ich sehr lange hier bin und mich Ihnen empfehlen muß. Gehen Sie immer eine Stunde zu Clementinen, schöne Freundin; es wird ihr gut sein, und mir erzeigen Sie einen wahren Dienst damit; denn sie muß Zerstreuung haben. Adieu! und reden Sie ihr recht zu, bald in den Thiergarten zu ziehen; sie muß Ruhe haben, frische Luft und Bewegung, das wird das Beste für sie sein.

Diese Unterhaltung, bei der Marianne auch nicht im Entferntesten den Gedanken zu hegen schien, daß die Geheimräthin sich unglücklich oder nur unzufrieden fühle, beruhigte Meining bedeutend; er ging rüstig an seine Tagesgeschäfte und fand, als er Mittags nach Hause kam, seine Frau in zierlichem Negligée, heiter und freundlich seiner wartend. Sie hatte, weil Meining ihr die größte Stille empfohlen, in ihrer Stube serviren lassen, obgleich sie sich ziemlich wohl fühlte, und sie bemühte sich, den Schreck, den sie ihrem Manne am Morgen verursacht, so viel als möglich in den Hintergrund treten zu lassen; da sie von Mariannen erfahren, welch beunruhigenden Eindruck ihr Anfall auf ihn gemacht hätte.

Als von dem Plan die Rede war, das Landhaus sehr zeitig zu beziehen, machte Clementine den Vorschlag, gleich heute hinauszufahren, sich dort eine Weile zu ergehen und zu überlegen, wie man sich daselbst am behaglichsten einrichten werde, womit der Geheimrath sehr zufrieden war. Die Bewegung in frischer Luft that ihr sehr wohl und lohnte ihr den Zwang, den sie sich ihrem Manne gegenüber auferlegt hatte, als sie die Fahrt, ohne die geringste Neigung dazu, in Anregung brachte. Dann ließ sich Meining zu einem Freunde fahren, dem er den Abend zugesagt hatte, rieth seiner Frau sich zeitig zur Ruhe zu begeben, vor der Nacht noch eine Arzenei zu nehmen, die er ihr verordnet hatte, und so trennten sie sich für den Tag wieder auf die freundlichste Weise.

Vierzehntes Kapitel.