Ausser Calamus bemerkte ich keine Palmen auf dem oberen Abhange, Baumfarne sehr häufig, und eine ausserordentliche Fülle von Orchideen. An einer Stelle waren alle Bäume in bequemer Höhe mit blühenden Aërides behangen, man hätte sie mühelos zu tausenden sammeln können, die schönste Pflanze war eine Medinella, von so weichem Gewebe, dass es nicht möglich war sie einzulegen.
Eine Viertelstunde NO. von Uacloy sprudelt eine starke kohlensaure Quelle (28° R.) aus dem Boden und setzt reichlich Kalksinter ab. Brennende Fackeln verlöschten schnell, und ein mit einer Zigarrenkiste zugedecktes Huhn starb in wenigen Minuten, beides zum grössten Erstaunen der Ygorroten, denen diese Erscheinungen bisher unbekannt geblieben waren.
Meine armen Gastfreunde, die mich nach Uacloy zurückbegleitet hatten, fühlten sich auch noch am zweiten Rasttage so müde, dass sie zu keiner Unternehmung tauglich waren. Mit nacktem Kopf und Oberleib hockten sie sich in die glühende Sonne, um dem Körper die Wärme wieder zuzuführen, die er durch das Biwuak auf dem Gipfel verloren hatte; Wein aber mochten sie nicht trinken. Als ich sie endlich am nächsten Tage verliess, waren wir so gute Freunde geworden, dass man mir ein gezähmtes Wildschwein zum Geschenk aufnöthigen wollte. Ein Trupp Männer und Frauen begleiteten mich, bis sie die Dächer von Maguíring schimmern sahen, worauf sie nach herzlichem Abschiede in ihre Wälder zurückkehrten.
Die aus Goa mitgenommenen Indier hatten sich bei der Expedition so faul und mürrisch gezeigt, dass fast die ganze Arbeit einen Pfad durch den Wald zu schlagen, den Ygorroten zugefallen war; selbst das Trinkwasser hatten die indischen Träger aus Faulheit fortgeschüttet, die Ygorroten mussten für unser Biwuak auf dem Gipfel aus ziemlicher Entfernung frisches holen. Bei allen beschwerlichen Märschen bin ich immer besser mit Cimarronen, als mit Indiern ausgekommen. Jene fand ich gefällig, zuverlässig, thätig, ortskundig, während diese gewöhnlich die entgegengesetzten Eigenschaften zeigten. Es wäre aber ungerecht daraus auf das beiderseitige Wesen schliessen zu wollen; denn die Wilden sind im Walde zu Hause, was sie thun, geschieht freiwillig, der Fremde wird, wenn er ihr Vertrauen besitzt, als Gast behandelt. Die Indier aber sind gezwungene Begleiter, Polistas, die selbst wenn man ihnen höheren Tagelohn giebt, von ihrem Standpunkte aus ganz richtig handeln, wenn sie so wenig als möglich thun. Es ist für sie durchaus kein Vergnügen, ihr Dorf zu verlassen, um als Gepäckträger oder Wegbahner anstrengende Märsche in unwegsame Gebiete zu machen, und unter Entbehrungen im Freien zu kampiren. Für sie, mehr noch als für den europäischen Bauer, ist Ruhe die angenehmste Erholung. Je weniger Bequemlichkeit Jemand zu Haus geniesst, um so schwerer verzichtet er darauf. In Europa kann man dieselbe Beobachtung machen.
Cuadrillero,
bewaffneter Begleiter in voller Ausrüstung (Hut, Hemd, Schwimmhose und Waffen).
Da die Ygorroten, um nicht das Monopol der Hacienda zu beeinträchtigen, keine Kokospalmen zur Bereitung von Wein, Essig und Branntwein haben durften, so überreichten sie mir eine Bittschrift, damit ich ihnen diese Gunst erwirken möchte. Das Dokument ist von einem indischen Schreiber so drollig konfus verfasst, dass ich es als Probe philippinischen Kanzleistils mittheile[10]: Es hatte übrigens den besten Erfolg, da den Bittstellern doppelt so viel bewilligt wurde als sie erbaten.
Der SW. Monsun dauert in dieser Gegend (Gebiet von Goa) von April bis Oktober. Der April ist sehr windstill (navegacion de señoras) am beständigsten sind die SW.-Winde von Juni bis August, am trockensten März, April, Mai. Der NO.-Monsun herrscht von Oktober bis Ende Februar. März und Anfang April Wechselwinde, Oktober bis Dezember ist die Zeit der Stürme: »San Francisco (4. Okt.) bringt schlechtes Wetter«. Der Reis wird im September gepflanzt, im Februar geerntet.