[6] Zu Chamissos Zeit war es schlimmer: »Die Expeditionen auf bewaffneten Booten, die von Manila aus geschickt werden um gegen den Feind (die Seeräuber) zu kreuzen, ... fröhnen nur dem Schleichhandel und Christen und Mauren weichen dabei einander aus mit gleichem Fleiss (v. Ch. Bemerkungen und Ansichten S. 73). Mas (I. IV. 43) berichtet dasselbe nach Notizen aus dem General-Sekretariat in Manila und fügt hinzu, dass die Kreuzer sogar die ihnen anvertrauten königl. Waffen und Munitionen verkauften, wovon viel in die Hände der Mohren gelangte. Die Alkalden sollten die Befehlshaber der Kreuzer, diese die Alkalden überwachen, sie machten aber gewöhnlich gemeinschaftliche Sache. — Lapérouse erzählt sogar (II. S. 357), dass die Alkalden eine sehr grosse Anzahl der von den Seeräubern (in den Philippinen) gemachten Sklaven kauften, so dass diese nicht nach Batavia gebracht zu werden brauchten, wo sie viel weniger galten. [↑]

[7] Nach dem Diario de Manila 14. März 1866 hat die Seeräuberei zwar abgenommen, aber nicht aufgehört. Paragua, Calamiánes, Mindoro, Mindanao, die Bisayas, haben noch darunter zu leiden. Häufig werden auch Räubereien und Menschenraub von Handelsprauen ausgeführt, wenn die Gelegenheit günstig. Solche Gelegenheitspiraten sind am schwersten auszurotten. Nach meinen neuesten Berichten ist die Seeräuberei wieder im Zunehmen. [↑]

[8] Die Spanier versuchten die Eroberung der Suluinseln 1628, 1629, 1637, 1731, 1746. Später haben häufig Expeditionen stattgefunden, um Repressalien zu üben. Auch im Oktober 1871 wurde eine grosse Expedition gegen Sulu ausgesandt, um die in neuer Zeit wieder sehr überhand nehmende Seeräuberei zu bändigen, ein oder zwei Jahre vorher hatten sich die Piraten bis in die Nähe von Manila gewagt. Im April dieses Jahres (1872) kehrte die Flotte aber wiederum unverrichteter Sache nach Manila zurück. Die Spanier hatten zu dieser Unternehmung fast die ganze Seemacht der Kolonie, vierzehn Schiffe, meist Kanonendampfer, aufgeboten; sie bombardirten die Hauptstadt, ohne besonderen Schaden anzurichten, die Moros zogen sich in’s Innere zurück und erwarteten die Spanier, die indessen nicht zu landen wagten, mit einem wohl ausgerüsteten Heer von 5000 Mann. Nach monatelanger Unthätigkeit brannten die Spanier einen wehrlosen Küstenplatz nieder, verübten dabei viele Grausamkeiten, zogen sich aber zurück, als die Krieger zum Kampfe heranrückten. Die Häfen des Suluarchipels sind jetzt durch Dekret dem Handel verschlossen, doch ist es fraglich ob alle Schiffer dies berücksichtigen werden. Vor nicht langer Zeit hat der Sultan von Sulu dem Könige von Preussen die Oberherrschaft über sein Gebiet angetragen, sein Anerbieten ist abgelehnt worden. [↑]

[9] Das Diario de Manila vom 9. Juni 1866 berichtet: Gestern hat die durch Verordnung vom 3. August 1865 eingesetzte Militärkommission ihre Thätigkeit eingestellt. Es funktioniren wieder die ordentlichen Gerichte. Die zahlreichen Banden von 30, 40 und mehr, bis an die Zähne bewaffneten Individuen, die ihre Spuren von Blut und Feuer an den Thoren von Manila und an so vielen andern Orten zurückgelassen, sind vernichtet ... Mehr als 50 Räuber haben ihr Verbrechen am Galgen gebüsst, 140 sind zum Presidio (Zwangsarbeit) oder zu andern Strafen verurtheilt worden. [↑]

NEUNZEHNTES KAPITEL

REISEN IN SAMAR. — WETTER. — BEAMTENWAHL. — NORDKÜSTE. — CATBALOGAN. — FLATTERMAKIS. — SCHLANGENBÄNDIGER. — TERTIÄRVERSTEINERUNGEN. — STROMSCHNELLEN DES LOQUILOCUN. — GESPENSTERTHIER.

Die Insel Sámar, von beinahe rhombischem Umriss, mit wenig ausgezackten Rändern, erstreckt sich NW.—SO. von 12° 37′ bis 10° 54′ N., ist im Mittel 22 M. lang und halb so breit; ihr Flächenraum beträgt über 220 □M. Im Süden wird sie durch die schmale San Juanico-Strasse von der Insel Leyte getrennt, mit welcher sie früher zu einer Provinz vereinigt war. Jetzt steht jede Insel unter einem besondern Guvernör.

Von ältern Schriftstellern wird die Insel Tendaya, Ybabáo, auch Achan und Philippina genannt, später hiess die östliche Seite Ybabáo, die westliche Sámar, welches jetzt die amtliche Benennung für die ganze Insel ist; das östliche Gestade wird als die Contracosta unterschieden.[1]

Der NO. Monsun überwiegt hier, wie an den Ostküsten Luzon’s, an Dauer und Stärke den SW.-Monsun, dessen Gewalt durch die südwestlich liegenden Inseln gebrochen wird; während die NO. Winde mit ihrer ganzen Kraft und der Wucht ihrer im grossen Ozean aufgesogenen Wassermasse gegen die Küsten dieser östlichen Inseln anprallen. Im Oktober treten zwischen NW. und NO. schwankende, vorherrschend nördliche Winde ein, Mitte November wird der Nordost beständig und dauert, nur selten von Nord unterbrochen, bis zum April. Dies ist auch die Regenzeit; am nassesten sind Dezember und Januar, wo es zuweilen vierzehn Tage ohne Unterbrechung regnen soll. An der Nordküste bei Láuang dauert die Regenzeit von Oktober bis Ende Dezember. Januar bis April sind trocken; Mai, Juni, Juli Regen; August, September trocken. Es giebt also dort zwei nasse und zwei trockene Jahreszeiten. Von Oktober bis Januar kommen zuweilen heftige Stürme vor (Baguios = Taifun); sie beginnen gewöhnlich mit Nordwind, gehen nach Nordwest, von schwachem Regen begleitet, dann zurück nach N., mit zunehmender Stärke nach NO. und O., wo sie ihre grösste Gewalt erreichen, und dann mit schwachem Winde nach Süden übergehen; zuweilen aber drehen sie schnell durch Ost nach Süd und erlangen erst dort ihre grösste Kraft.