Von Ende März bis Mitte Juni herrschen unbeständige östliche Winde (NO. O. SO.) mit sehr hoher See an der Ostküste. Der Mai ist gewöhnlich windstill. Im Mai und Juni häufige Gewitter, welche den SW.-Monsun einleiten, der in den Monaten Juli, August, September zur Geltung kommt, aber nie so beständig ist, wie der NO.. Die genannten drei Monate bilden die trockene Jahreszeit, sie wird aber von häufigen Gewittern unterbrochen. Es vergeht wohl keine Woche regenlos. In manchen Jahren findet an jedem Nachmittage ein Gewitter statt. In dieser Jahreszeit können Schiffe an der Ostküste anlegen; während des NO.-Monsun ist Schifffahrt dort nicht möglich. Diese allgemeinen Verhältnisse sind manchen örtlichen Abweichungen, namentlich an der Süd- und Westküste unterworfen, wo die Regelmässigkeit der Luftströmungen durch die davor liegenden, bergigen Inseln gestört wird. Nach dem Estado geogr. 1855 S. 345 tritt alljährlich bei dem Monsunwechsel, im September oder Oktober eine ausserordentlich (unter Umständen 60 bis 70 Fuss) hohe Fluth ein, Dolo genannt, die sich mit furchtbarer Gewalt gegen die Ost- und Südküste wirft, grossen Schaden anrichtet, aber eine Gezeit nicht überdauert. Das Klima von Samar und Leyte scheint an den Küsten sehr gesund zu sein und zu den zuträglichsten des Archipels zu gehören. Ruhr, Durchfall und Fieber kommen seltener vor als in Luzon; auch Europäer sollen ihren Anfällen hier weniger ausgesetzt sein als dort.
Samar ist fast nur an seinen Rändern von zivilisirten Indiern bewohnt, und zwar von Bisayern, die durch Sprache und Sitten etwa in demselben Grade von den Bicols verschieden sind, wie diese von den Tagalen. Im Innern fehlen Strassen und Dörfer beinahe gänzlich; es ist mit dichtem Walde bedeckt und dient unabhängigen Stämmen zum Aufenthalt, die etwas Ackerbau treiben (Knollengewächse und Bergreis), und die Produkte des Waldes sammeln, namentlich Harze, Honig und Wachs, woran die Insel sehr reich ist.
Am 3ten Juli verliesen wir Legáspi, schlichen, durch häufige Windstillen aufgehalten, am Nordrande von Albáy bis zur Punta Montúfar, dann an der kleinen Insel Viri vorbei, und erreichten Láuang erst am 5ten Abends. Das Gebirge von Bácon (Pocdol bei Coello), das mir auf früheren Reisen durch Nacht oder Nebel verborgen geblieben, zeigte sich im Vorüberfahren deutlich als ein Kegelberg, daneben ragte eine sehr schroffe tiefgefurchte Bergwand auf, anscheinend der Rest eines Ringgebirges. Nachdem der Steuermann, ein alter, aus der Gegend gebürtiger Indier, der die Reise schon oftmals gemacht, uns zuerst nach einem falschen Hafen gefahren, setzte er das Schiff auf der Barre fest, obgleich hinreichend Wasser vorhanden war, um bequem in den Hafen einzulaufen.
Lauang.
Die Ortschaft Láuang (Láhuan) von mehr als 4500 Einwohnern, liegt zusammengedrängt auf dem 40 Fuss hohen Südwestrande der gleichnamigen kleinen Insel, durch einen Arm des Catúbig von Sámar getrennt. Nach einer verbreiteten Ueberlieferung lag der Ort früher auf Sámar selbst, inmitten seiner noch heut dort vorhandenen Reisfelder, bis wiederholte Ueberfälle von Seeräubern die Einwohner bewogen sich trotz der damit verbundenen Unbequemlichkeiten zu ihrem Schutz auf der Südkante der steil aus dem Meer emporsteigenden kleinen Insel anzusiedeln.[2] Diese besteht aus fast horizontalen, 8 bis 12 Zoll dicken Tuffbänken. Die an der Fluthgrenze von den Wellen fortwährend benagten Schichten veranlassen die obern Bänke abzubrechen, so dass die ziemlich gleich dicken, durch vertikale Sprünge zerklüfteten Schichtenköpfe wie Festungsmauern erscheinen. Die Kirche und das Convento haben des beschränkten Raumes wegen jeden flachen Absatz des Felsens in verschiedenen Höhen benutzen, sich der Oertlichkeit anbequemen müssen und sind daher, wohl ohne Absicht des Erbauers, ganz malerisch geworden.
Der Ort liegt hübsch, die Häuser sind aber nicht, wie sonst häufig, von kleinen Gärten umgeben, es herrscht grosser Wassermangel und übler Geruch. Zwei oder drei spärliche Quellen, fast im Meeresniveau, liefern ein trübes, brackisches Wasser, mit dem die trägen Leute sich begnügen, so lange es eben ausreicht. Wohlhabende lassen ihr Wasser von Samar holen, wozu auch die Aermeren zuweilen durch das Versiegen der Quellen gezwungen werden. Zum Baden reicht das Quellwasser nicht aus, Seebäder sind nicht beliebt, die Leute sind daher sehr schmutzig. Ihre Kleidung ist dieselbe wie in Luzon, die Frauen tragen aber keinen Tapis, sondern nur Camisa (ein kurzes, die Brüste kaum deckendes Hemd) und Saya, meist aus grober, störriger Guinara, die hässliche Falten bildet und wenn nicht schwarz gefärbt, sehr durchscheinend ist. Schmutz und dezentes Wesen schützen aber mehr als dichte Gewänder. Die Bewohner von Láuang stehen wohl mit Recht in dem Ruf sehr träge zu sein. Ihr Gewerbfleiss beschränkt sich fast auf etwas Landbau, selbst der Fischfang wird so vernachlässigt, dass es häufig an Fischen mangelt. Eigene Schifffahrt ist kaum vorhanden, obgleich es keine Landstrassen giebt. Der Handel wird meist durch Schiffer aus Catbalógan betrieben, die den Ueberschuss der Ernten gegen andere Erzeugnisse eintauschen.
Vom Convento überblickt man einen Theil der Insel Samar, deren Bergformen die Fortsetzung der flachen Schichtung anzeigen. In der Mitte der Landschaft ragt in Entfernung einiger Meilen ein in der Geschichte der Gegend berühmter Tafelberg hervor. Dorthin hatten sich die Eingeborenen des nahen Dorfs Palápat, nachdem sie ihren Pfarrer, einen zu lüsternen Jesuitenpater, ermordet, zurückgezogen und Jahre lang mit den Spaniern Guerillakrieg geführt, bis sie endlich durch Verrath überwältigt wurden.
Das Innere der Insel ist schwierig zu bereisen, da keine Wege vorhanden sind; die Küsten werden sehr von Seeräubern heimgesucht. In den letzten vierzehn Tagen waren mehrere Pontins und vier mit Abacá beladene Schoner gekapert, die Mannschaft zum Theil grausam ermordet, ihre Leichname zerstückelt worden, — eine Abweichung vom Brauch, denn gewöhnlich werden die Gefangenen während der Dauer des Raubzuges zum Rudern benutzt und später in den Inseln der Solosee als Sklaven verkauft. Es war gut, dass wir den Piraten nicht begegnet, denn obgleich wir vier kleine Kanonen an Bord führten, verstand Niemand ihre Behandlung.[3]