In Guíuan hatte ich Gelegenheit, vier aus solcher Höhle stammende reich bemalte chinesische Schüsseln zu kaufen und einen goldenen Ring zu zeichnen; er bestand aus dünnem Goldblech, das zuerst zu einer Röhre mit klaffender Naht von der Dicke eines Federkiels, dann zu einem nicht völlig schliessenden Reifen von Thalergrösse zusammengebogen war. Die Schüsseln wurden in Manila gestohlen.
Aehnliche Todtenhöhlen befinden sich noch an manchen andern Orten in dieser Gegend: auf der Insel Andog bei Borongan (bis vor Kurzem enthielt sie Schädel); auch bei Batinguitan 3 Stunden von Borongan an den Ufern eines kleinen Baches; bei Guíuan auf der kleinen, wegen der stürmischen See schwer zugänglichen Insel Monhon. — Bei Catúbig sind goldene Geschmeide gefunden, aber in moderne Schmucksachen umgearbeitet worden. In der ganzen Gegend berühmt ist jedoch eine Höhle bei Lánang wegen der darin enthaltenen flachgedrückten Riesenschädel ohne Kopfnähte.[9][10] Es wird nicht uninteressant sein die geschilderten Verhältnisse mit den Berichten älterer Schriftsteller zu vergleichen, weshalb hier einige Auszüge folgen mögen:
Mas (Informe I. 21) beschreibt ohne Quellenangabe die von den alten Bewohnern des Archipels bei der Todtenbestattung befolgten Gebräuche: sie balsamirten ihre Todten zuweilen mit aromatischen Stoffen ein ... und legten die Vornehmen in eine Kiste, die aus einem ausgehöhlten Baumstamme mit gut zugepasstem Deckel bestand.... Der Sarg wurde nach dem von dem Verstorbenen vor seinem Dahinscheiden ausgesprochenen Willen entweder in den obersten Raum des Hauses, wo sie Sachen von Werth verbargen, oder unter dem Wohnhause in eine Art Gruft gestellt, die nicht zugedeckt, aber mit einem Gitter umgeben wurde; oder in ein abgelegenes Feld, oder auf einen erhabenen Ort oder Felsen am Ufer eines Flusses, auf dass er von den Frommen verehrt werde. Sie stellten eine Wache dabei auf, damit während einer gewissen Zeit kein Boot vorüberführe, und der Todte nicht die Lebenden nach sich zöge.
Nach Gaspar (S. 169.) wurden die Todten in Tücher gewickelt, in einen groben, aus einem Holzblock ausgehöhlten Kasten gelegt, mit Juwelen und goldenen Ringen und einigen Goldblechen über Mund und Augen und unter ihren Häusern mit Mundvorräthen, Schüsseln und Näpfen begraben. Auch pflegten sie Sklaven mit den Vornehmsten zu bestatten, um letztere in der andern Welt bedienen zu lassen.
»Ihr Hauptgötzendienst bestand darin, diejenigen ihrer Ahnen, die sich am meisten durch Muth und Geist hervorgethan hatten, anzubeten und für Götter zu halten.... Sie nannten sie humalagar, welches dasselbe ist was man lateinisch Manes nennt.... Die Greise selbst starben in dieser Eitelkeit, deshalb wählten sie einen ausgezeichneten Ort, wie Einer auf der Insel Leyte, der sich am Rand des Meeres beisetzen liess, damit die vorüberfahrenden Schiffer ihn als Gott anerkannten und sich ihm empfahlen.« (Thévenot Religieux S. 2.)
»Sie legten sie (die Todten) nicht in die Erde, sondern in Särge von sehr hartem unzerstörbaren Holz ... man opferte ihnen Sklaven und Sklavinnen, damit es ihnen in der andern Welt nicht an Bedienung fehle. Starb eine Person von Bedeutung, so wurde dem ganzen Volk Stillschweigen auferlegt, das je nach dem Range des Verstorbenen dauerte und unter gewissen Umständen erst dann aufhörte, wenn seine Verwandte viele Andre getödtet hatten, um den Geist des Todten zu versöhnen.« (ibid. S. 7).
»Aus diesem Grunde (um als Götter verehrt zu werden) wählten die Aeltesten unter ihnen zum Begräbniss einen bemerkenswerthen Ort im Gebirge, und besonders auf Vorgebirgen, die in das Meer hineinragen, damit sie von den Schiffern verehrt würden.« (Gemelli Careri S. 449).
Von Taclóban, das ich des bequemen Tribunals wegen und weil es gut verproviantirt ist, zum Standquartier wählte, kehrte ich am folgenden Tage nach Samar zurück, zunächst nach Basey, Taclóban gegenüber. Die Leute von Basey sind wegen ihrer Trägheit und geringen Begabung in ganz Samar berüchtigt, sollen sich aber von den Bewohnern von Taclóban durch Sittenreinheit vortheilhaft auszeichnen. Basey liegt im Delta des nach ihm benannten Flusses. Wir fuhren einen schmalen Arm hinauf in den Hauptstrom, der sich mit sehr geringem Gefälle durch die Ebene windet; daher reicht das brackische Wasser und der es begleitende Nipapalmensaum mehrere Leguas landeinwärts. Hinter demselben breiten sich Kokospflanzungen aus, zwischen welchen die aus dem engen Felsenbett des obern Flusslaufes zuweilen hervorbrechenden Wasserfluthen (avenídas) grosse Zerstörungen anrichten, wie die verstümmelten Palmen zeigen, die von ihrem Standort fortgerissen, mitten aus dem Fluss emporragen. Nach fünfstündigem Rudern gelangten wir aus dem Flachland in ein enges Thal mit steilen Marmorwänden, die immer mehr zusammenrücken und höher werden. Sie sind an vielen Stellen unterwaschen, zerklüftet, übereinandergestürzt, und bilden mit ihren kahlen Seitenwänden einen schönen Gegensatz zu dem blauen Himmel, der klaren grünlichen Fluth und den üppigen Lianen, die sich an allen Unebenheiten wo sie haften können festgesetzt haben und in langen Guirlanden über die Felsen hängen.
Der Strom wird so reissend und so seicht, dass die Leute aussteigen und das Boot über das steinige Bett ziehn. Auf diese Weise gelangen wir durch einen zwölf Fuss hohen, von zwei gegeneinander gestürzten Felsen gebildeten Spitzbogen in ein ovales stilles Wasserbecken, rings umgeben von 60 bis 70 Fuss hohen, nach innen einspringenden Kalkwänden, auf deren oberem Rande ein Ring von Bäumen nur gedämpftes Sonnenlicht durch dichtes Laub schimmern lässt. Dem niedrigen Eingangsthor gegenüber erhebt sich eine prachtvolle 50 bis 60 Fuss hohe, mit Tropfsteinen reich verzierte Felsenpforte, durch welche man den in Sonne gebadeten oberen Lauf des Flusses noch eine Strecke weit überblickt. In der linken Wand des ovalen Hofes, 40 Fuss über dem Wasserspiegel, öffnet sich eine leicht zu ersteigende Höhle von 100 Fuss Länge; sie endet mit einer schmalen Pforte durch die man auf einen von Tropfsteinen getragenen altanartigen Vorsprung tritt. Von dort überblickt man sowohl die Landschaft, als den Felsenkessel und erkennt letzteren als den Rest einer Tropfsteinhöhle deren Decke eingestürzt ist. Die Schönheit und Eigenthümlichkeit des Orts wird auch von den Eingeborenen empfunden, er heisst Sogóton (eigentlich eine Bucht im Meer). In dem sehr harten marmorartigen Kalk waren Spuren von Zweischalern und Seeigelstacheln in Menge wahrzunehmen, es gelang aber nicht, bestimmbare Reste herauszuschlagen. Der Fluss liess sich noch eine kurze Strecke weiter aufwärts verfolgen. In seinem Bett kommen Gerölle von krystallinischen Talk- und Chloritgesteinen vor.