Mit vieler Mühe wurden einige kleine Fische erlangt; darunter eine interessante lebendig gebärende neue Art.[11] Eine verwandte Art (H. fluviatilis Bleeker), die ich zwei Jahre früher in einer Kalkhöhle auf Nusa Kumbangan bei Java fand, enthielt gleichfalls lebende Junge. Das zum Fischen verwendete Netz schien der Oertlichkeit, einem seichten Fluss voll Geschiebe, wohl angepasst: ein feinmaschiges, länglich viereckiges Netz, mit den langen Seiten an zwei Bambusstangen befestigt, die unten mit einer Art von Holzschuhen (krummen aufwärts nach vorn gerichteten Schnäbeln) versehn waren. Der Fischer packt die obern Enden der Stangen und schiebt das schräg gehaltene Netz vor sich hin, das mittelst seiner Schnabelschuhe über die Steine gleitet, während ein Anderer ihm die Fische entgegentreibt.

Am rechten Ufer unterhalb der Höhle kommen 20 Fuss über dem Wasserspiegel Bänke von fossilen Pectunculus, Tapes, Placuna vor, die zum Theil kaum an der Zunge haften, also sehr rezent sein müssen. Ich übernachtete in einer kleinen, schnell erbauten Hütte und versuchte am folgenden Tage vergeblich flussaufwärts bis an die Grenze des krystallinischen Gesteins zu gelangen. Nachmittags traten wir die Rückfahrt nach Basey an, das wir Nachts erreichten.

Basey liegt etwa 50′ über dem Meer, auf einer Thonbank, die im Westen des Orts in einen mehrere hundert Fuss hohen Hügel mit steilen Wänden übergeht. Ich fand darin in 25 bis 30′ Meereshöhe dieselben rezenten Muschelbänke wie bei der Tropfsteinhöhle Sogóton. Nach den Aussagen des Cura und Anderer scheint in dieser Gegend eine schnelle Hebung der Küsten stattzufinden: vor 30 Jahren konnten Schiffe bei Fluth in 3 Faden Wasser am Lande anlegen, jetzt beträgt die Tiefe dort nicht viel über einen Faden. Dicht vor Basey liegen zwei kleine Inseln, Genamók und Tapontónan, die gegenwärtig bei tiefster Ebbe durch eine Sandbank verbunden erscheinen. Noch vor zwanzig Jahren war eine solche nicht wahrnehmbar. Die Richtigkeit dieser Angaben vorausgesetzt, wäre zunächst zu ermitteln, wieviel zu diesen Niveauveränderungen die Strömungen, wieviel vulkanische Hebungen beigetragen haben, die nach der nahen thätigen Solfatara auf Leyte zu schliessen immerhin beträchtlich sein mögen.

Im Baseyfluss sollen nach Versicherung des Pfarrers Krokodile von über 30 Fuss Länge vorkommen, und solche von mehr als 20′ häufig sein. Der gefällige Pater versprach mir eines von wenigstens 24 Fuss, dessen Skelet ich gern mitgenommen hätte, und sandte einige Leute aus, die im Fangen dieser Thiere so geübt sind, dass sie zu dem Zweck nach entfernten Orten geholt werden. Ihre Fangvorrichtung, die ich aber nicht selbst sah, besteht in einem leichten Bambusfloss mit einem Gerüst, auf welchem mehrere Fuss über dem Wasser ein Hund oder eine Katze angebunden ist. Längs der Seite des Thieres ist ein starker eiserner Haken angebracht, der vermittelst Abacáfasern an dem schwimmenden Bambus befestigt ist. Hat das Krokodil den Köder und damit zugleich den Haken verschlungen, so bemüht es sich vergeblich loszukommen; denn die Nachgiebigkeit des Flosses verhindert das Zerreissen, die eigne Elastizität das Durchbeissen des Faserbündels. Das Floss dient zugleich als Boye für das gefangene Thier. Nach Angabe der Jäger hausen die grossen Krokodile entfernt von menschlichen Wohnungen, am liebsten unter dichtem Gebüsch, in weichem Sumpf, worin ihr schleppender Bauch Spuren zurücklässt, die sie dem Kundigen verrathen. Nach einer Woche meldete der Pfarrer, seine Leute hätten drei Krokodile eingeliefert, deren grösstes aber nur achtzehn Fuss mässe, er habe keines für mich behalten, da er eines von 30 Fuss zu erlangen hoffe. Seine Erwartung ging aber nicht in Erfüllung.

In der Umgegend von Basey wächst die im Süden Samar’s und wohl noch auf einigen andern Bisaya-Inseln vorkommende Ignazbohne ganz besonders häufig. Auf Luzon wird sie nicht angetroffen; vielleicht habe ich sie ohne meinen Willen dort eingeführt. Ihr Verbreitungsbezirk ist sehr beschränkt. Meine Bemühungen sie nach dem botanischen Garten von Buitenzorg zu übersiedeln, blieben erfolglos; einige dazu bestimmte, während meiner zeitweisen Abwesenheit in Daraga für mich eintreffende grössere Pflanzen wurden von einem meiner Gönner seinem eignen Garten einverleibt. Von mir selbst gesammelte, nach Manila gebrachte kamen später abhanden. Alle Versuche, die über ganz Ostasien als Medikament verbreiteten Kerne zum Keimen zu bringen, misslingen, weil letztere, angeblich um sie gegen Verderben zu schützen (vielleicht auch um das Monopol zu wahren), vor der Versendung gesotten werden.

Nach Flückinger[12] enthält die kürbisartige Beerenfrucht des hochklimmenden Strauches (Ignatia amara L. Strychnos Ignatii Berg. Ignatiana philippinica Lour.) bis 24 zollgrosse, unregelmässig eiförmige Samen, die Ignatiusbohnen, die wie Brechnüsse schmecken, aber noch giftiger sind. In diesen Samen wurde 1818 von Pelletier und Caventou das Strychnin entdeckt; (später auch in den Brechnüssen). Jene enthalten davon doppelt soviel als diese, nämlich 1½%, da sie aber viermal so theuer sind, so wird es nur aus letzteren dargestellt.

In den Philippinen ist die gefährliche Drogue unter dem Namen Pepita de Catbalonga in vielen Haushaltungen als gepriesenes Heilmittel vorhanden. Schon Gemelli Careri (S. 420) erwähnt es und führt 13 verschiedene Verwendungen an. — Dr. Rosenthal, (Synopsis plantarum diaphor. S. 363) sagt: »In Indien hat man sie unter dem Namen Papecta gegen Cholera angewendet«. Papecta ist wohl ein Schreibfehler; in K. Lall Dey’s Indigenous drugs of India wird sie Papeeta genannt, was in der englischen Aussprache Pepita lautet. Pepita heisst auf Spanisch Fruchtkern. — Auch als Gegenmittel bei Schlangenbiss steht sie in hohem Ruf. Padre Blanco (Flora de Filipinas 61) berichtet, er habe ihre sichere Heilkraft in dieser Hinsicht mehr als einmal an sich selbst erprobt; doch warnt er vor den Gefahren des innerlichen Gebrauchs, der schon sehr viele Todesfälle veranlasste. Man solle sie nicht in den Mund nehmen, denn verschlucke man den Speichel, so sei der Tod, wenn nicht Erbrechen erfolge, unvermeidlich. Der Pfarrer von Tabáco trug aber fast immer eine Pepita im Munde. Er hatte 1842, um sich gegen die Cholera zu schützen, damit begonnen, von Zeit zu Zeit eine Ignazbohne in den Mund zu nehmen, und sich allmälig daran gewöhnt. Als ich 1860 mit ihm verkehrte, befand er sich wohl und schrieb seine Gesundheit und Rüstigkeit gern jener Gewohnheit zu. Nach seiner Mittheilung wurde bei Cholerakranken mit Erfolg der wässerige Absud in geringer Menge als Zusatz zum Thee, besonders aber, mit Brantwein vermischt, als Einreibung an den von Krampf ergriffenen Stellen angewendet.

Auch Huc (Thibet I. 252) preist den wässerigen Auszug des kouo-kouo (Faba Ign. amar.) sowohl für den innerlichen als äusserlichen Gebrauch, und bemerkt, dass er in der chinesischen Medizin eine grosse Rolle spiele, in keiner Apotheke fehle. Früher galt die giftige Drogue (vielleicht auch jetzt noch bei Vielen) für ein Zaubermittel; so erzählt Pater Camel[13], die Catbalogan- oder Bisaya-Bohne, welche die Indier Igasur oder Mananaog (die siegreiche) nennen, werde u. a. als Amulet am Halse getragen, schütze gegen Gift, Ansteckung, jederlei Zauber und Zaubertrank, ja sogar der leibhaftige Teufel könne dem Träger nichts anthun. Besonders wirksam sei sie auch gegen ein Gift, das durch Anblasen beigebracht wird, indem sie nicht nur den Träger beschütze, sondern denjenigen tödte, der ihm das Gift beibringen wolle. Camel führt noch eine Reihe von Wunderthaten auf, die der Aberglaube der Ignazbohne zuschreibt.

Auf der südlichen Hälfte des östlichen Küstensaumes, von Boróngan über Lánang bis Guíuan, sind beträchtliche Kokospflanzungen vorhanden, die in höchst unvollkommener Weise zur Oelgewinnung genutzt werden. Von Boróngan und seinen Visitas gehn jährlich 12000 Krüge Kokosöl nach Manila; die von Menschen und Schweinen verzehrten Nüsse würden wenigstens zu 8000 Krügen ausreichen. Da 1000 Nüsse 3½ Krug geben, so liefert die Umgegend von Borangan allein jährlich 6,000,000 Nüsse, wozu, den Durchschnittsertrag zu 50 Nüssen angenommen, 120,000 volltragende Kokospalmen nöthig sind. Die Angabe, dass ihre Zahl in dem oben erwähnten Gebiete mehrere Millionen betrage, dürfte wohl übertrieben sein.

Das Oel wird auf sehr rohe Weise dargestellt, indem man den aus der holzigen Schale der Nuss in groben Spänen herausgeraspelten Kern der Fäulniss überlässt. Zu Behältern dienen schadhaft gewordene, im Freien auf Pfählen stehende Kähne, aus deren Spalten das Oel in darunter gestellte Krüge abtropft. Schliesslich werden die Späne noch gepresst. Das Verfahren erfordert mehrere Monate Zeit und liefert ein so schlechtes, dunkelbraunes, dickflüssiges, ranziges Produkt, dass in Manila der Krug nur 2¼ Dollar gilt, während besser bereitetes 6 Dollar kostet.[14]