Seit einiger Zeit hatte ein junger Spanier in Boróngan eine Fabrik errichtet, um nach einem bessern Verfahren Oel zu bereiten: ein durch zwei Büffel gedrehter Göpel setzt durch Zahnräder und Treibriemen eine Anzahl Raspeln in Bewegung. Sie haben etwa die Form eines Zitronenbohrers und bestehn aus fünf an ihrem Aussenrande gezähnten eisernen Blättern, die radial am Ende eines eisernen Stieles sitzen und vorn in eine stumpfe Spitze zusammenlaufen. Das andre Ende des Stiels geht durch den Mittelpunkt einer Scheibe, die ihm die drehende Bewegung mittheilt, ragt aber über dieselbe hinaus. Der Arbeiter ergreift eine halbirte Kokosnuss mit beiden Händen, hält ihre innere mit dem ölhaltigen Kern gefütterte Wölbung gegen die rotirende Raspel, die er fest anpresst, indem er mit seiner durch ein gepolstertes Brett geschützten Brust gegen das hervorragende Ende des Stiels drückt. Die feinen Späne des Kerns bleiben 12 Stunden in flachen Behältern liegen, damit sich die Zellenwände theilweise zersetzen. Man presst sie dann leicht in Handpressen, fängt die aus ⅓ Oel ⅔ Wasser bestehende Flüssigkeit in Kübeln auf, schöpft nach 6 Stunden das oben schwimmende Oel ab und erhitzt es in eisernen Pfannen von hundert Liter Inhalt, bis alles beigemischte Wasser verdampft ist, was zwei bis drei Stunden erfordert. Um das Oel schnell abzukühlen, damit es sich nicht bräune, giesst man zwei Eimer voll kalten wasserfreien Oels hinzu und entfernt schnell das Feuer. Die gepressten Späne werden abermals 6 Stunden der Luft ausgesetzt, dann unter starkem Druck gepresst. Nachdem beide Operationen noch zweimal wiederholt worden, hängt man das Geraspel in Säcken zwischen zwei starke vertikale Bretter und presst es mittelst Klemmschrauben so viel als möglich aus, indem man es mehrere Male umschüttelt. Der Rückstand dient als Schweinefutter. Das aus den Säcken ablaufende Oel ist wasserfrei, daher sehr klar, und wird zum Abkühlen des zuerst erhaltenen benutzt.[15]

Die Fabrik machte 1500 Tinájas Oel. Sie arbeitete nur 9 Monate. Vom Dezember bis Februar können wegen der hohen See keine Nüsse zugeführt werden; Landstrassen sind nicht vorhanden. Es war dem Fabrikanten nicht gelungen, während dieser Zeit Nüsse aus der nächsten Umgegend in hinreichender Menge zu erhalten, um ununterbrochen arbeiten zu können, oder in der guten Jahreszeit Vorräthe für die Wintermonate zu sammeln, obgleich er den verhältnissmässig hohen Preis von drei Dollar für das Tausend zahlte.

Indem die Eingeborenen nach der oben beschriebenen Weise Oel machten, erzielten sie aus 1000 Nüssen 3½ Krug zu 6 r. = 21 r., d. h. 3 r. weniger als ihnen für die rohen Nüsse geboten wurde. Diese vom Fabrikanten herrührenden Angaben sind vielleicht übertrieben, im Wesentlichen mögen sie aber doch wohl begründet sein. Wer in den Philippinen reist, hat oft Gelegenheit solche Verkehrtheiten zu beobachten. In Daet, Nord-Camarines, kaufte ich 6 Kokosnüsse für 1 cuarto = 960 für 1 Dollar; dies ist dort ihr gewöhnlicher Preis.[16] Auf meine Frage, weshalb man keine Oelfabrik errichte, erhielt ich zur Antwort, dass die Nüsse im Einzelnen billiger seien als im Grossen. Im ersten Falle verkauft der Indier, wenn er Geld braucht; weiss er aber, dass der Fabrikant, um seinen Betrieb nicht zu unterbrechen, zu Opfern bereit ist, so beutet er diesen Umstand rücksichtslos für Einmal aus, ohne daran zu denken, sich eine regelmässige Einnahmequelle zu sichern.

In der Provinz Laguna, wo die Indier aus Zuckerrohr groben braunen Zucker bereiten, tragen ihn die Frauen Leguas weit nach dem Markte oder bieten ihn an der Landstrasse in kleinen Broden (Panoche) gewöhnlich zugleich mit Buyo feil. Jeder Vorübergehende schwatzt mit der Verkäuferin, wägt die Brode in der Hand, nascht davon und geht vielleicht ohne zu kaufen weiter. Abends kehrt die Frau mit ihrem Kram nach Hause zurück, um es am nächsten Tage ebenso zu machen.

Die betreffenden Notizen sind mir verloren gegangen; ich erinnere mich aber, dass wenigstens in zwei Fällen der Preis des Zuckers in solchen Broden billiger war als im Pico. Die Regierung ging übrigens den Indiern damals mit dem Beispiel voran und verkaufte Zigarren einzeln billiger als im Grossen.

In Europa kann ein Unternehmer meist mit ziemlicher Sicherheit die Herstellungskosten eines Gegenstandes im Voraus berechnen; in den Philippinen ist dies nicht immer so leicht. Abgesehn von der Unzuverlässigkeit der Arbeit wird die Regelmässigkeit in der Lieferung von Rohstoffen nicht nur durch Trägheit und Launenhaftigkeit, sondern auch durch Neid und Misstrauen gestört. Die Indier sehen es in der Regel nicht gern, wenn sich ein Europäer unter ihnen niederlässt, um mit Erfolg die lokalen Reichthümer auszubeuten, die sie selbst nicht ausgiebig zu nutzen verstehn. Aehnlich verhalten sich die Kreolen den Ausländern gegenüber, die ihnen durch Kapital, Geschäftskenntniss und Thätigkeit gewöhnlich sehr überlegen sind. Ausser dem Neide spielt auch das Misstrauen eine grosse Rolle, das der Mestize sowohl als der Castila dem Eingeborenen einflösst. Es kommen noch heut Fälle genug vor, die dieses Gefühl durchaus rechtfertigen. Früher aber, als die verkommensten Subjekte Guvernörstellen kaufen konnten und ihre Provinzen schamlos ausbeuteten, sollen so arge Missbräuche stattgefunden haben, dass sich das Misstrauen im Laufe der Zeit bei den Indiern zu einer Art Instinkt ausgebildet hat.

Nach der Zeichnung eines Tagalen.