Am oberen Abhange des Berges Dánan, nahe am Gipfel setzt sich so viel Schwefel aus den Schwefelwasserstoffdämpfen ab, dass er mit Kokosschalen abgenommen werden kann. In einigen gegen die kühlende atmosphärische Luft geschützten Spalten schmilzt er zu dicken braunen Krusten zusammen. Die Solfatara des Dánan liegt genau S. von jener unten am Ende der Schlucht des Kasiboi. Die nach Auslaugung der Kieselsäure zurückbleibende Thonerde wird durch den Regen in das Thal geschwemmt, wo sie eine Ebene bildet, deren grösster Theil von einem kleinen schwach schwefelsauren See Malaksan (malaksan, sauer) eingenommen wird. Seinen Spiegel, der wegen der sehr flachen Ufer, je nach dem Wetter sich merklich verändert, fand ich etwa 500 Schritte lang, 100 breit. Von der Höhe der Solfatara erblickt man durch eine Kluft genau S. einen etwas grösseren Süsswasser-See von bewaldeten Bergen umgeben, er heisst Jaruánan. Die Nacht wurde in einem verfallenden Schuppen an der SO. Ecke des Sees Malaksan zugebracht. Am folgenden Morgen stiegen wir über das Bergjoch im Süden, dicht neben der Solfatara des Dánan vorbei, in ½ Stunde zum See Jaruánan hinab.
Dieser See, so wie der Malaksan flösst den Eingeborenen wegen der bedenklichen Nachbarschaft der Solfatara abergläubische Furcht ein; er war daher angeblich noch von keinem Schiffer, Fischer oder Schwimmer entweiht und sehr fischreich. Um seine Tiefe messen zu können, liess ich ein Floss aus Bambus bauen. Als mich aber meine Begleiter ungefährdet im See schwimmen sahen, sprangen sie alle ohne Ausnahme hinein und tummelten sich im Wasser mit besonderem Behagen und grossem Jubel, als wollten sie sich für die lange Zurückhaltung entschädigen. Das Floss wurde daher erst gegen 3 Uhr fertig. Die Sondirungen ergaben für den mittleren Theil des Beckens, das am Südrande etwas steiler als am Nordrande, 13 Brazas = 21,7 Meter Tiefe; die grösste Länge des Sees beträgt gegen 800 Varas (668 Meter), die Breite etwa halb so viel. Indem wir Abends bei Fackelschein über den Bergrücken nach unserm Nachtquartier am sauren See zurückkehrten, kamen wir an der sehr bescheidenen Wohnung eines Ehepaares vorüber: drei aus gemeinschaftlichem Stamm auseinander strebende, in gleicher Höhe abgestutzte Aeste trugen eine Hütte von Bambus und Palmenblättern, 8′ im Geviert. Ein Loch im Boden bildete den Eingang, sie war in Zimmer und Vorzimmer getheilt; vier Bambusstangen trugen oben und unten eine Bambuslage, erstere diente als Balkon, letztere als Laden, in dem Betel verkauft wurde.
Am Tage nach meiner Rückkehr in Buráuen fuhr mich ein gefälliger spanischer Kaufmann durch die mit Reis, Mais und Zuckerrohr bebaute fruchtbare Ebene von vulkanischem Sand nach Dúlag, das gerade westlich am Strande des stillen Meeres liegt. Die Entfernung (bei Coello 3 Leguas) beträgt wohl kaum 2 Lg. Von hier erscheint Punta Guíuan, die Südspitze Samars, wie ein von der Hauptinsel getrenntes Eiland, und weiter südlich (N. 102,4 bis 103,65 S.) als schmaler Streifen Jomonjol, die erste Insel des Archipels die Magellan (16. April 1521) erblickte. In Dúlag stiess mein voriger Begleiter zu uns, um die Reise nach dem Bitosee mitzumachen. Die Beschaffung der Beförderungsmittel und des Proviants und mehr noch die rücksichtsvolle Berathung aller Vorschläge dreier Gleichberechtigter nahm viel Zeit und Geduld in Anspruch. Schliesslich segelten wir in einem grossen Casco (Lastboot) südwärts die Küste entlang zur Mündung des Rio Mayo, der nach der Karte und den eingezogenen Nachrichten aus dem Bitosee herkommen soll. Wir fuhren in einem Nachen aufwärts, wurden aber an der ersten Hütte belehrt, dass der See nur auf grossen Umwegen durch sumpfigen Wald zu erreichen sei. Die Mehrheit beschloss umzukehren. Verschiedene durch Mangel einheitlicher Leitung herbeigeführte Abenteuer verzögerten unsere Ankunft in Abúyog bis 11 Uhr Nachts. Wir hatten unterwegs zuerst einen kleinen Nebenarm des Mayo, dann den Bitofluss zu überschreiten. Die Entfernung des letztern von Abúyog, auf Coello’s Karte zu gross angegeben, beträgt nach einer Messung des Gobernadorcillo 1400 Brazas, was wohl richtig sein mag.[5]
Der folgende Tag wurde, da es stark regnete, benutzt, um Erkundigungen über den Weg zum Bitosee einzuziehn. Wir erhielten sehr abweichende Angaben über die Entfernung, Alle stimmten aber überein, den Weg dahin abschreckend zu schildern. Eine beschwerliche Reise von wenigstens zehn Stunden schien uns das Wahrscheinlichste.
Tags darauf gelangten wir in einer Stunde auf angenehmem Waldwege an den Bitofluss und fuhren in dort vorgefundenen Nachen flussaufwärts zwischen flachen, sandigen, mit hohem Rohr und Schilf bestandenen Ufern. Nach 10 Minuten zwangen uns queer über den Strom gestürzte Bäume einen Umweg zu Lande zu machen, der uns nach einer halben Stunde wieder an den Fluss oberhalb der Hindernisse führte. Hier bauten wir Bambusflösse, auf denen wir, da das Material sehr knapp bemessen, einen halben Fuss tief eintauchend, in 10 Minuten den See erreichten. Wir fanden ihn mit grünen Conferven bedeckt; ein Doppelsaum von Pistien und 6 bis 7′ hohen breitblättrigen Riedgräsern fasste ihn ein, in S. und W. erheben sich niedrige Hügel, von der Mitte erscheint er fast kreisrund, ringsum Wald. Coello giebt den See viel zu gross an (4 statt 1 Sm.), seine Entfernung von Abúyog kann nur wenig über 1 Legua betragen. Mit Hülfe einer aus Lianen zusammengeknüpften Schnur und alliniirter Stäbe fanden wir seine Breite = 585 Brazas = 977 Met. (die breiteste Stelle dürfte wenig über 1000 Met. betragen); die Länge berechnete sich nach einigen unvollkommenen Peilungen auf 1007 Brazas (1680 Met.), also weniger als 1 Sm. Sondirungen ergaben ein sanft geneigtes, in der Mitte 8 Braz. (13m.3) tiefes Becken. Gern hätte ich die Verhältnisse genauer bestimmt, aber Mangel an Zeit, Unzugänglichkeit des Uferrandes und die elende Beschaffenheit unseres Flosses erlaubten nur einige rohe Messungen.
Am Strande war keine Spur menschlicher Wohnungen wahrzunehmen, aber eine Viertelstunde Weges vom Nordrande fanden wir, von tiefem Schlamm und stacheligen Calamus umgeben, eine bequeme Hütte, deren Insassen zwar als Cimarronen jedoch in Fülle und mit grösserer Bequemlichkeit als manche Dorfbewohner lebten. Man nahm uns sehr gut auf, Fische waren reichlich vorhanden, auch Tomaten und Capsicum, um sie zu würzen, und Teller von englischem Steingut, um sie zu verzehren.
Die Häufigkeit der Wildschweine hatte die Einsiedler zur Erfindung einer eigenthümlichen Vorrichtung veranlasst, um selbst im Schlaf von deren Annäherung unterrichtet und im Dunkeln auf ihre Spur geleitet zu werden. Ein über tausend Fuss langes aus Bananenstreifen zusammengeknüpftes Seil schleppt in gerader Linie am Boden hin, das eine Ende ist an einer mit Wasser gefüllten, über dem Schlafplatz des Jägers aufgehängten Kokosschale befestigt. Berührt ein Schwein das Seil, so wird durch den Ruck das Wasser über den Schläfer ausgeschüttet, den das Seil, indem er es durch die Hand gleiten lässt, zu seiner Beute führt. Die Hauptbeschäftigung unserer Wirthe schien der Fischfang zu sein, der so ergiebig ist, dass die rohesten Vorrichtungen genügten. Nicht einmal ein Nachen war vorhanden, sondern nur lose zusammengefügte Bambusflösse, auf denen die Fischer, wie wir auf unserem Floss, halbfusstief einsinkend, zwischen den Krokodilen umhertrieben, die ich nie in solcher Menge und in so beträchtlicher Grösse wie in diesem See gesehn habe. Einige schwammen an der Oberfläche mit ihrem Rücken aus dem Wasser ragend langsam herum. Auffallend war die völlige Sorglosigkeit, mit welcher selbst zwei kleine Mädchen angesichts der grossen Ungethüme im Wasser wateten. Zum Glück scheinen letztere sich mit ihren reichlichen Fischrationen zu begnügen. Es sollen vier Arten Fische im See vorkommen, darunter ein Aal; wir erlangten aber nur eine.[6]
Am folgenden Morgen waren unsere einheimischen Begleiter schon in aller Frühe betrunken. Dies führte zur Entdeckung eines andern Gewerbes der Einsiedler, das ich jetzt nach Aufhebung des Regierungsmonopols wohl verrathen darf. Sie destillirten heimlich Palmenbrantwein und trieben damit einträglichen Handel. Nun begriff ich auch, warum man uns die Schrecknisse des Weges am Mayofluss und in Abuyog in so lebhaften Farben geschildert hatte.[7] Wir fuhren auf unsern Flössen bis zur Stelle zurück, wo wir sie gefunden hatten, eine Strecke von etwa 1500′, gingen O. bei N. zu unsern Nachen, durch 16′ hohes wildes Rohr (Saccharum sp.) mit sehr grossen silberweissen Blüthenbüscheln und fuhren zur Barre, von wo wir nach 1½ stündigem Marsche Abuyog erreichten. Von dort kehrten wir zu Wasser nach Dulag, zu Lande nach Buráuen zurück, wo wir Nachts eintrafen, früher als unsere Pferdeknechte erwartet hatten, weshalb wir sie in unseren Betten schlafend antrafen.
Bis vor kurzem wurde in dieser Gegend viel Tabak gebaut, und sein Verkauf unter gewissen Beschränkungen den Bauern gestattet. Neuerdings war verboten worden den Tabak anders als an die Regierung zu verkaufen, und zwar zu einem von ihr selbst bestimmten so äusserst niedrigen Preise, dass der Tabakbau fast ganz aufgehört hatte. Da aber die Tabakregie bereits Speicher errichtet und Einnehmer angestellt hatte, so sahen die Eingeweihten richtig voraus, dass demnächst der Zwangsbau eingeführt werden würde, wie es auf ähnliche Weise an andern Orten geschehen war. — Die Ostküste von Leyte soll sich heben, während an der Westseite das Meer die Küste zerstört, bei Ormog soll es in 6 Jahren um 50 Ellen vorgedrungen sein.