Die Gegend bleibt flach; Kokoshaine und Reisfelder unterbrechen stellenweis den dichten Wald, das Land ist spärlich bewohnt, die Menschen scheinen aufgeweckter und sind schöner und reinlicher als in Samar. Südlich von Buráuen erhebt sich ein Gebirgszug Manacagan, an dessen jenseitigem Abhang eine grosse Solfatara liegt, die Schwefel für die Pulverfabrik in Manila und den Handel liefert. Ein spanischer Seemann begleitete mich. Wir ritten, wo der Weg durch Sumpf führte, auf Büffeln; der Schritt der Thiere ist nicht unangenehm, aber das Spreizen der Schenkel auf dem breiten Rücken der riesigen philippinischen Büffel ermüdend. Eine Viertelstunde hinter Buráuen überschritten wir den SW. NO. fliessenden 100′ breiten Dagúitan, dessen Bett voll grosser vulkanischer Blöcke liegt, bald darauf einen schmalen Fluss in einem breiten Bett, einige hundert Schritt weiter einen 150′ breiten, beide letztere, Arme des Buráuen; sie fliessen WO. und münden bei Dulag. Der zweite Arm war erst im vorigen Jahr bei einer Ueberfluthung entstanden.

Wir übernachteten in einer Hütte am nördlichen Abhang des Manacagan, welche die Besitzer, als sie uns ankommen sahen, mit Weib und Kind unaufgefordert geräumt hatten, um anderswo Unterkommen zu suchen. So erfordert es die Landessitte, wenn der Raum für beide Theile zu klein ist — dafür wird keine Entschädigung beansprucht und wohl nur selten gewährt.

Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und überstiegen um 6 Uhr 30 Minuten auf angenehmem Waldpfade das Joch des aus hornblendereichem Trachyt bestehenden Manacagan, um 7 Uhr durchfurteten wir zwei kleine Flüsse, die NW. fliessen und dann in einem Bogen angeblich bei Dulag die Küste erreichen. Vom Joch aus sieht man im Süden die grosse weisse Schutthalde des Berges Dánan durch die Bäume schimmern. Um 9 Uhr kamen wir durch den dicht bewaldeten Krater des Kasiboi und weiter südlich an einige Schuppen, in denen Schwefel ausgeschmolzen wird.

Hütte im Krater des Kasiboi.

Das aus der Solfatara kommende Rohmaterial wird nach drei Klassen bezahlt: 1o bereits zu Krusten zusammengeschmolzener Schwefel, 2o sublimirter, der in seinen Zwischenräumen noch viel Kondensationswasser enthält, 3o im Thon mehr oder weniger reichlich vertheilter (aus dem die überwiegende Menge gewonnen wird). Man setzt zum Schwefelthon Kokosöl,

6 Quart auf 4 Arroben, wirft ihn in flache eiserne Pfannen von 6 Arroben Inhalt und schmilzt unter beständigem Umrühren. Nachdem der obenaufschwimmende entschwefelte Thon abgeschöpft, wird neuer Schwefelthon in den Kessel geworfen und so fort. In 2 bis 3 Stunden gewinnt man auf diese Weise aus 24 Arroben Schwefelthon durchschnittlich etwa 6 Arroben Schwefel, der in hölzerne Kasten gegossen, zu Blöcken von 3 bis 4 Arroben erstarrt. Die Hälfte des verwendeten Oeles wird wieder gewonnen, indem man den ölgetränkten Thon in ein Gestell aus zwei einen spitzen Winkel bildenden engen Bambusgittern wirft. Das Oel tröpfelt in eine darunter befindliche geneigte Bambusrinne, und fliesst von da in einen Topf. Der Preis des Schwefels in Manila schwankt zwischen 1½ und 4½ Dollar per Pico. Ich sah die mit Thon gefüllten Gestelle, aus denen das Oel abtropfte, das Verfahren selbst habe ich aber leider nicht mit angesehn, und weiss nicht zu erklären, weshalb das Oel zugesetzt wird. Nach einigen im Kleinen, also unter wesentlich andern Bedingungen und nicht einmal mit demselben Material angestellten Versuchen scheint es, dass das Oel die Abscheidung des Schwefels beschleunigt, den Zutritt der Luft zum Schwefel erschwert. Bei den Versuchen war der im Boden des Tiegels erhaltene Schwefel immer durch Ausscheidung von Kohle aus dem Oele schwarz gefärbt und würde erst durch Destillation gereinigt werden müssen. Von einer solchen erwähnten indessen die Leyter Schwefelschmelzer nichts, auch waren Apparate dazu nicht vorhanden, ihr Schwefel war von rein gelber Farbe.

Einige hundert Schritte weiter S. fliesst ein von O. kommender, 12′ breiter heisser Bach (50°R.), der an seinen Rändern Kieselsinter absetzt.

Man folgt einer NS. streichenden Schlucht mit 100 bis 200′ hohen Wänden; der Pflanzenwuchs hört allmälig auf, das Gestein ist blendendweiss, oder durch sublimirten Schwefel gelb gefärbt. An zahlreichen Stellen dringen dichte Dampfwolken mit starkem Schwefelwasserstoffgeruch aus dem Boden, einige tausend Schritt weiter biegt die Schlucht nach links (O.) um und erweitert sich zugleich an der Bucht. Hier brechen zahlreiche Kieselsprudel durch den lockeren von Schwefel durchdrungenen Thonboden. Diese Solfatara muss früher viel thätiger gewesen sein als gegenwärtig; die durch Zersetzung des Gesteins von ihr gebildete Schlucht, voll hoher Schutthaufen, mag gegen 1000′ breit und wohl fünfmal so lang sein; am östlichen Ende ist eine Anzahl kleiner kochender Schlammpfützen vorhanden, und rings um diese bricht, wenn man den Stock in den durchwühlten Boden stösst, Wasser und Dampf hervor. An einigen tiefen Stellen, weiter westlich, sind graue, weisse, rothe und gelbe Thone in schmalen Bändern über einander geschwemmt; sie sehn wie Keupermergel aus.

Im Süden, dem Joch, das nach Buráuen führt, gerade gegenüber sieht man in einer Höhle im weissen zersetzten Gestein ein 25′ breites Becken, aus welchem kieselsäurehaltiges inkrustirendes Wasser reichlich ausfliesst. Die Decke der Höhle ist mit Tropfsteinen behangen, die mit gediegenem Schwefel überzogen sind oder gänzlich daraus bestehn.