EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL

INSEL LEYTE. — HEUSCHRECKEN. — SOLFATARA. — SCHWEFELGEWINNUNG. — BITOSEE. — KROKODILE.

Die Insel Leyte, zwischen 9° 49′ und 11° 34′ N., und 124° 7′ und 125° 9′ O. Gr., ist über 25 Meilen lang, fast 12 Meilen breit und hat 170 □M. Flächeninhalt. Von Samar ist sie, wie mehrfach erwähnt, nur durch die schmale San Juanico-Strasse getrennt. Die Hauptstadt Taclóban oder Taclóbang liegt am östlichen Eingang dieser Strasse, hat einen sehr guten Hafen und ununterbrochenen Verkehr mit Manila; daher ist sie zum Stapelplatz für Leyte, Biliran, Süd- und Ost-Samar geworden.[1]

Auch der hiesige Guvernör erwies mir viel liebenswürdige Aufmerksamkeit. Fast ausnahmlos sind mir von meinem Verkehr mit den spanischen Beamten die angenehmsten Erinnerungen geblieben. Um so unbefangener konnte ich, wo es mir am Platz schien, über die Missstände der Verwaltung sprechen.

Am Tage nach meiner Ankunft in Taclóban entstand Nachmittags ein Geräusch, wie das Brausen eines Wildbachs; die Luft verfinsterte sich, es schwebte eine grosse Heuschreckenwolke über den Ort.[2] Ich will die oft beschriebene in allen Erdtheilen sich wesentlich gleichbleibende Erscheinung nicht noch einmal erzählen und bemerke nur, dass der über 500 Schritt breite, gegen 50′ tiefe Schwarm, dessen Ende sich im Walde verlor, für nicht sehr bedeutend galt. Er brachte Munterkeit statt Bestürzung hervor. Alt und Jung war eifrig bemüht mit Laken, Netzen, Fahnen möglichst viele der leckeren Thiere zu fangen, um sie wie Dampier erzählt »in einer irdenen Pfanne über Feuer zu rösten, bis ihre Beine und Flügel abfallen, und ihre Köpfe und Rücken die Farbe gesottener Krebse annehmen«, in welcher Zubereitung sie ihm geschmeckt haben. In Birmah gelten sie noch heut bei Hof als Leckerbissen.[3]

Die Heuschrecken sind eine der grössten Plagen der Philippinen und vernichten zuweilen die Ernte ganzer Provinzen. Die Legislacion ultramarina IV. 604 enthält ein besonderes Gesetz über die Vertilgung dieser verheerenden Kerfe. Sobald sie erscheinen, soll die Bevölkerung der betroffenen Ortschaften in grösster Anzahl unter Leitung der Behörden zu ihrer Vernichtung ausziehn. Die erprobtesten Mittel zur Erreichung dieses Zwecks sind in einer amtlichen Vorschrift enthalten und in der Verordnung, betreffend ausserordentliche Leistungen bei öffentlichen Nothständen, stehn die Heuschrecken zwischen den Seeräubern und Feuersbrünsten in der Mitte. Von allen ersonnenen Mitteln, die sich aber gegen die zuweilen in unglaublicher Menge erscheinenden verderblichen Thiere in den Philippinen ebenso unzureichend wie anderwärts erweisen, sei nur eines hier erwähnt: Am 27. April 1824 beschloss die Sociedad economica den Vogel Martin (Gracula sp.) einzuführen, »der aus Instinkt Heuschrecken frisst«. Im Herbst des folgenden Jahres traf die erste Sendung derselben aus China ein, 1829 eine zweite, 1852 findet sich abermals ein Posten von 1311 Dollar für Martinvögel verausgabt.

Am folgenden Tage fuhr ich mit dem Pater von Dagámi (in Leyte giebt es Strassen) von Taclóban südlich nach Pálos und Tanáuan, zwei blühenden Orten an der Ostküste. Kaum ½ Legua von letzterem ragt unmittelbar am Meer aus der bisher ganz flachen sandigen Ebene ein Felsen von krystallinischem Gestein hervor, graugrüner quarziger Chloritschiefer, aus dem der unternehmende Pater mit bessern Erfolges würdiger Beharrlichkeit versucht hatte, Kalk zu brennen. Nach reichlichem Frühstück im Convento fuhren wir Nachmittags nach Dagami und erst am folgenden Tage nach Buráuen.[4]

Vom Tribunal von Buráuen:

a. Kaparasanan N. 175°5 S.; b, N. 179°2 S.; c, Manacagan S. 2°7 N.; d, Pass zur Solfatara S. 12° N.; e, Kasiboi S. 15°2 N.