LEBENSWEISE UND SITTEN DER BISAYA-INDIER.
Die Bisayer, wenigstens die Bewohner der Inseln Samar und Leyte (andre habe ich nicht näher kennen gelernt) gehören Einem Stamme an.[1] Sie sind körperlich und geistig, in Charakter, Tracht, Sitten und Gebräuchen so ähnlich, dass meine ursprünglich an verschiedenen Punkten der beiden Inseln gemachten Aufzeichnungen durch Ausscheidung der zahlreichen Wiederholungen zu Einer verschmolzen, die ein vollständigeres Bild und zugleich Gelegenheit giebt, kleine Verschiedenheiten, wo sie stattfinden, deutlicher hervortreten zu lassen.
Bisaya-Indierin
Camisa von Guinara, Saya von europäischem Kattun, Regenhut von Nito (Lygodium).
Negritos sind weder in Samar noch in Leyte vorhanden, aber viele Cimarronen, die keinen Tribut zahlen und nicht in Dörfern, sondern unabhängig in den Wäldern leben. Ich habe leider keinen persönlichen Umgang mit ihnen gehabt, und was ich von den christlichen Bewohnern Samar’s über sie erfahren, ist zu unzuverlässig, um wiederholt zu werden. Sicher scheint es aber, dass alle diese Cimarronen oder ihre Vorfahren schon mit den Spaniern verkehrt haben, und dass ihre Religion manche katholische Formeln aufgenommen hat. So pflegen sie bei dem Reispflanzen, wo sie nach alter Sitte etwas von der Saatfrucht absondern, um es an den vier Ecken des Feldes als Opfer darzubringen, gern einige verstümmelte katholische Gebete herzusagen, die sie für wirksamer zu halten scheinen, als ihre alten heidnischen. Einige lassen sogar ihre Kinder taufen, da es nichts kostet, erfüllen aber sonst keine christlichen oder bürgerlichen Pflichten. Sie sind sehr friedlich, bekriegen einander nicht, haben auch keine vergifteten Pfeile. Beispiele von Cimarronen, die zum Christenthum und Dorfleben sammt Tribut und Frohnden übertreten, sind äusserst selten. Umgekehrt ist auch die Zahl der Indier, welche sich in die Wälder zurückziehn, um Cimarronen zu werden, sehr unbedeutend, wohl noch geringer als in Luzon, da die Eingeborenen bei dem leidenschaftlosen, fast pflanzlichen Leben, das sie führen, nicht leicht in den Fall kommen, ihr Dorf verlassen zu müssen, das mehr noch als in Luzon für sie die Welt bedeutet.
Der Reisbau richtet sich nach den Jahreszeiten. An einigen Orten, wo grössere Felder vorhanden sind, ist der Pflug (arado) und der Sodsod (hier surod genannt) in Gebrauch; fast allgemein aber lässt man das Reisfeld in der Regenzeit nur von Büffeln durchtreten. Man säet an der Westküste im Mai und Juni, pflanzt im Juli und August und erntet von November bis Januar. Eine Ganta Aussaat giebt zwei, zuweilen drei bis vier Cabanes (d. h. 50, 75 bis 100 fach). Bei der Hauptstadt Catbalógan sind nur sehr wenige bewässerte Reisfelder (Tubigan, von Tubig, Wasser) vorhanden, deren Ertrag für das Bedürfniss nicht ausreicht, das Fehlende wird aus andern Küstenplätzen der Insel ergänzt; Catbalógan führt dagegen Abaca, Kokosöl, Wachs, Balate (essbare Holothurien), getrocknete Fische und Gewebe aus. An der Nord- und Ostküste säet man von November bis Januar und erntet sechs Monate später. Während der übrigen sechs Monate dient das Feld als Weide für das Vieh; an manchen Orten findet auch während dieser Monate, also von Juli bis Dezember Reisbau, aber auf andern Feldern statt. Von diesem Reis geht häufig wegen des schlechten Wetters ein grosser Theil verloren.
Käufe von Land kommen nur ausnahmsweise vor; gewöhnlich wird es durch Urbarmachen, Erbschaft oder als verfallenes Pfand erworben. Bei Catbalógan war bestes Reisland mit 1 Dollar für eine Ganta Aussaat, und an der Nordküste bei Láuang ein Feld, das jährlich 100 Cabanes trägt, mit 30 Dollar bezahlt worden. Rechnet man wie bei Naga, 1 Ganta Aussaat auf 4 Loanes, und 75 Cabanes Ertrag auf 1 Quiñon, so kostet der Morgen Reisland im ersten Falle 3⅓ Thaler, im zweiten 3 Thaler. Bei Verpachtungen leiht der Besitzer den nackten Grund und Boden und empfängt als Zins die Hälfte der Ernte.[2] Der Reisbau in Leyte ist von dem in Samar nicht verschieden, hat aber abgenommen, durch die Abacákultur verdrängt, da die Guvernöre als sie noch Handel treiben durften, die Eingebornen zwangen, einen Theil ihrer Felder und ihrer Arbeit auf diese zu verwenden. Der Reis zur Ausfuhr wird gewöhnlich auf dem Halm zu einem vor der Ernte verabredeten Preise per Caban verkauft. Dergleichen Verträge pflegen selbst im Falle der Vorausbezahlung pünktlich erfüllt zu werden. Bleibt ein Bauer im Rückstand, so ist es im Lande allgemein geltender Brauch, dass er dem Händler bei der nächsten Ernte das Schuldiggebliebene doppelt liefere.
Bergreis (bei Catbalógan wird fast nur solcher gewonnen) erfordert kein andres Ackergeräth als das Waldmesser, um den Boden etwas aufzulockern, und einen spitzen Stock, um Löcher in Entfernungen von 6 Zoll zur Aufnahme von je 5 bis 6 Reiskörnern zu machen. Man säet von Mai bis Juni, jätet zweimal und schneidet nach 5 Monaten Halm für Halm. Der Schnitter empfängt ½ Real Tagelohn und Kost. Der Ertrag ist 2 bis 3 Cabanes auf eine Ganta oder 50 bis 75 fach. Das Land kostet nichts, der Arbeitslohn beträgt gegen 5 Realen per Ganta Aussaat. Nach einer guten Ernte gilt der Caban 4 Realen. Kurz vor der Ernte steigt der Preis bis auf 1 Dollar, oft viel höher. Der Boden wird nur ein einziges Mal für trocknen Reis benutzt; nach der Ernte pflanzt man Camote (Bataten), Abaca und Caladium darauf. Der Bergreis wird besser bezahlt als Wasserreis, etwa im Verhältniss von 9 zu 8.
Nächst Reis sind die Hauptnahrungsmittel Camote (Convolvulus Batatas), Ubi (Dioscorea), Gabi (Caladium) Paláuán (ein grosses Arum mit gefingerten Blättern und geflecktem Stiel). Camote kann das ganze Jahr gepflanzt werden und reift in 4 Monaten; aber es geschieht gewöhnlich, wenn der Reisbau vorüber ist, da während desselben wenig Arbeitskräfte verfügbar sind. Wird der Camotebau beibehalten, so lässt man in der Regel die alten Pflanzen sich selbst durch ihre Ausläufer vermehren und nimmt nur die Knollen aus dem Boden. Mehr Ertrag erhält man aber, wenn man den Boden reinigt und neu pflanzt. Für ½ Real erhält man 8 bis 15 Gantas Camote, einen Scheffel etwa für 3 bis 6 Sgr.[3]