Abacá, obgleich davon grosse Pflanzungen vorhanden sind, wurde zur Zeit meiner Anwesenheit, da der Preis nicht lohnend genug war, fast gar nicht ausgebeutet.
Tabak wird auch gebaut; er durfte früher im Lande verkauft, muss jetzt aber an die Hacienda abgeliefert werden.
In Samar und Albay, wahrscheinlich auch in andern Provinzen, wird ein harziges Oel, Baláo oder Malapájo gewonnen; man erhält es von einem Dipterocarpus (Apíton), einem der höchsten Bäume des Waldes, indem man ein breites Loch einen halben Fuss tief in den Stamm schlägt, es beckenartig aushöhlt und von Zeit zu Zeit, um die verstopften Zuflusskanäle wieder zu öffnen, Feuer darin anmacht. Das angesammelte Oel wird täglich ausgeschöpft und ohne weitere Vorbereitung in den Handel gebracht. Seine interessanteste Verwendung ist zur Konservirung des Eisens bei dem Schiffbau. Vor dem Einschlagen in Balaoöl getauchte Nägel sollen, wie glaubwürdige Leute versicherten, noch nach zehn Jahren völlig rostfrei sein. Hauptsächlich wird Balao als Firniss für Schiffe benutzt, die sowohl innen als aussen damit angestrichen werden; es schützt auch die Hölzer gegen Termiten und andre Insekten. Das Balao wird in Albay, die Tinaja von 10 Gantas zu 4 Realen, (das Liter zu 8 Pfennig) verkauft; nach Europa scheint es bis jetzt nur in Proben gekommen zu sein. Zum Schutz der Schiffsböden verwendet man auch ein Zement aus gebranntem Kalk, Elemiharz und Kokosöl in solchem Verhältniss gemischt, dass es vor dem Auftragen einen dicken Schleim bildet. Der Anstrich hält sich ein Jahr.[4] Wachs wird von den Cimarronen eingetauscht. Ganz Samar liefert jährlich 200 bis 300 Picos, deren Werth 25 bis 50 Dollar per Pico beträgt; in Manila ist der Preis gewöhnlich 5 bis 10 Dollar höher; doch schwankt er sehr, da dasselbe Erzeugniss von mehreren andern Lokalitäten und in sehr unregelmässigen Zwischenräumen einkommt.
Viehzucht ist trotz des üppigen Graswuchses und der Abwesenheit reissender Thiere fast gar nicht vorhanden. Pferde und Büffel sind sehr selten und sollen spät, angeblich erst in diesem Jahrhundert, eingeführt sein. Da es in Samar kaum andre Landstrassen giebt als den Seestrand und seichte Flussbetten (im Norden von Leyte ist es besser), so wird der Büffel nur gebraucht, um alljährlich einmal den Boden des Reisfeldes durchzutreten. Den Rest des Jahres bringt er frei auf der Weide zu, im Walde oder auf einer kleinen Insel, wenn eine solche in der Nähe. Nur gelegentlich werden mehrere Büffel vor einen grossen Baumstamm gespannt, um ihn nach dem Dorfe zu schleifen; ihre Zahl ist daher äusserst gering. Büffel, welche Reisland gut durchtreten, werden bis zu 10 Dollar bezahlt. Der Mittelpreis ist 3 Dollar für einen Büffelstier, 5 bis 6 Dollar für eine Büffelkuh. Rindvieh wird nur zuweilen bei Festen als Schlachtvieh benutzt, ist in sehr geringer Menge vorhanden, unter viele Besitzern vertheilt, lebt halb verwildert in den Bergen. Handel findet darin kaum statt, aber drei Dollar für Jungvieh, fünf bis sechs Dollar für eine Kuh mag etwa der Mittelpreis sein. Fast jede Familie besitzt ein Schwein, einige deren drei bis vier. Ein fettes Schwein kostet sechs bis sieben Dollar, also mehr als eine Kuh. Rindfleisch wird von vielen Indiern gar nicht gegessen; bei ihren Schmausereien darf aber Schweinefleisch nicht fehlen. Auch wird das Schmalz so theuer bezahlt, dass daraus unter günstigen Verhältnissen von einem fetten Thiere für drei bis vier Dollar erlöst werden. Schafe und Ziegen gedeihen vorzüglich, vermehren sich leicht, sind aber auch nur in geringer Zahl vorhanden und werden fast gar nicht, weder der Wolle noch des Fleisches wegen, benutzt. Kreolen und Mestizen sind meist zu träge, um selbst Schafe zu halten, und essen lieber das ganze Jahr täglich Hühnerfleisch. Auch Shanghai-Schafe, die der Guvernör in Taclóban eingeführt hatte, gediehen und vermehrten sich sehr gut. Eine Eier legende Henne kostet ½ r., ein Hahn dasselbe; ein Kampfhahn bis drei Dollar, oft viel mehr. Man kauft sechs bis acht Hühner oder 30 Eier für einen Real.
Eine Familie von Vater, Mutter und fünf Kindern braucht täglich nicht ganz 24 Chupas Palay (Reis mit der Hülse), welcher enthülst ungefähr 12 Chupas giebt und zum Mittelpreise von 4 r. per Caban, etwa ½ r. kostet (nach der Ernte zuweilen 3 r. per Caban, vor derselben 10 r., in Albay 20 bis 30 r.); ausserdem 2 bis 3 cu. für Zuspeise (Fische, Krabben, Kräuter, etc.), die aber gewöhnlich von den Kindern gesammelt werden, endlich für Oel 2 cu., Buyo 1 cu., Tabak 3 cu. (3 Blatt für 1 cu.); letzterer wird geraucht, nicht gekaut. An Buyo und Tabak verbraucht eine Frau halb so viel als ein Mann. Buyo und Tabak wird in Leyte weniger genossen als in Samar.
An Kleidungsstücken verwendet ein Mann jährlich: 4 grobe Hemden von Guinara zu 1 bis 2 r., 3 bis 4 Hosen zu 1 bis 2½ r., 2 Kopftücher zu 1½ r. (Hüte werden an der Süd- und Westküste nicht getragen) und für die Kirchweih gewöhnlich: 1 Paar Schuhe 7 r., 1 feines Hemd 1 Dollar oder mehr, 1 feine Hose 4 r. — Eine Frau hat 4 bis 6 Camisas von Guinara zu 1 r., 2 bis 3 Sayas von Guinara zu 3 bis 4 r. und 1 oder 2 gedruckte Kattunsayas aus Europa zu 5 r., 2 Tücher zu 1½ bis 2 r., 1 oder 2 Paar Pantoffeln (Chinelas), um in die Messe zu gehen, zu 2 r. und mehr nöthig.
Ausserdem besitzen die Frauen fast immer einige feine Camisas zu wenigstens 6 r., eine Mantilla zum Kirchgang 6 r.; (sie dauert 4 Jahre), einen Kamm, 2 cu. Manche haben auch Unterröcke (nabuas), 2 Stück zu 4 r., Messing-Ohrringe und einen Rosenkranz, Sachen die nur einmal angeschafft werden. In den ärmeren Ortschaften, in Láuang z. B., werden nur im Hause gewebte Guinaras getragen. Dort bedarf ein Mann: 3 Hemden und 3 Hosen, die aus 3 Stück Guinara zu 2 r. geschnitten werden; einen Salacot (Hut) gewöhnlich eigener Anfertigung, Werth ½ r. Eine Frau braucht jährlich: 4 Sayas, Werth 6 r., Camisas, mit Einschluss einer feineren für das Fest, 8 r. Unterröcke werden nicht getragen. Die Kleidung der Kinder kann etwa auf die Hälfte der obigen Preise veranschlagt werden.
Hausrath: Ein Kochtopf — die Kochtöpfe, aus unglasirtem gebrannten Thon, werden von den Schiffen aus Manila mitgebracht; ihr Inhalt an Reiskörnern ist ihr Preis;[5] — mehrere Bambusrohre; Teller, 7 Stück à 2 bis 5 cu.; ein Carahai (eiserne Pfanne) 3 bis 4 r.; Kokosschalen statt der Gläser; einige kleine Töpfe, zusammen ½ r.; 1 Sundang, 4 bis 6 r., oder Bolo (grösseres Waldmesser) 1 Dollar; 1 Scheere (für die Frauen) 2 r. Der Webestuhl, den jede Haushaltung selbst aus Bambus zusammenfügt, veranlasst keine baare Auslagen.
Der Tagelohn unter den Eingeborenen beträgt ½ r., keine Beköstigung. Europäer müssen aber immer 1 r. und Kost geben, wenn sie nicht durch Begünstigung des Gobernadorcillo Polistas zu dem obigen niedrigen Tagelohn erhalten können, der dann ordnungsmässig in die Gemeindekasse fliessen soll. Ein Zimmermann verdient 1 bis 2 r., die besten 3 r. täglich. Der Arbeitstag ist von 6 bis 12 Mittags und von 2 bis 6 Uhr Abends.
Fast jedes Dorf hat einen rohen Schmied, der Sundangs und Bolos zu machen versteht; es müssen aber bei jeder Bestellung das Eisen und die Kohlen dazu geliefert werden. Andre Metallarbeiten werden nicht angefertigt. Ausser etwas Schiffbau wird kaum ein andres Gewerbe betrieben als Weberei; der Webestuhl fehlt fast in keinem Hause. Es werden Guinara fabrizirt, d. h. Abacázeuge, auch etwas Piña und gemusterte Seidenstoffe; die Seide dazu wird aus Manila bezogen und ist chinesischen Ursprungs. Alle diese Gewebe werden in den einzelnen Häusern gefertigt, eine Fabrik ist nicht vorhanden.