An Orten, wo es an Reis mangelt, fischen die geringeren Leute, salzen und trocknen die Fische und tauschen dafür Reis ein. In den Hauptstädten wird gewöhnlich für baares Geld gekauft; im Innern sind Gewebe und getrocknete Fische sehr gebräuchliche Tauschmittel. Geld ist dort fast nicht vorhanden. Salz wird durch Abdampfen des Meerwassers in kleinen eisernen Handpfannen (Carahais) ohne vorherige Verdampfung an der Sonne gewonnen. Die Schifffahrt zwischen Catbalógan und Manila dauert von Dezember bis Juli; von Juli bis Dezember liegen die Schiffe abgetakelt unter Schuppen. Ausserdem findet Küstenschifffahrt östlich bis Guíuan, nördlich bis Catarman, selten bis Láuang statt. Die Mannschaft besteht zum Theil aus Einheimischen, zum Theil aus Fremden, da die Bewohner der Inseln sehr ungern zur See gehen, fast nur gezwungen ihr Dorf verlassen. Ausser der Küsten- und Flussschifffahrt besitzt Samar beinahe keine Verkehrsmittel; das Innere ist unwegsam, Lasten können nur auf der Schulter getragen werden. Ein starker Träger, der 1½ r. ohne Kost erhält, schleppt 3 Arrobas (75 Pfund span.) 6 Leguas weit in einem Tage, kann aber am folgenden Tage nicht dieselbe Arbeit verrichten und braucht wenigstens einen Tag Ruhe. 1½ Arrobas trägt ein kräftiger Mann täglich 6 Leguas weit eine ganze Woche lang.

Märkte finden in Samar und Leyte nicht statt; wer etwas kaufen will, sucht es in den einzelnen Häusern; auf dieselbe Weise bietet der Verkäufer seine Waaren an.

Ein Indier, der Geld borgen will, muss reichliches Pfand geben und den Dollar monatlich mit 1 r. (12½ % pro Monat) verzinsen. Mehr als 5 Dollar findet er nicht leicht zu borgen, da er gesetzlich nur bis zu dieser Summe haftbar ist. Im östlichen und nördlichen Samar sind Handel und Kreditwesen noch weniger entwickelt als im westlichen Theile der Insel, der in regerem Verkehr mit den übrigen Bewohnern des Archipels steht. Baares Geld wird dort fast gar nicht geliehen, sondern nur Waaren zu einem Real per Monat für jeden Dollar des Werthes. Kann der Schuldner zur festgesetzten Frist nicht zahlen, so wird ihm häufig eines seiner Kinder genommen, das bis zur Tilgung der Schuld bei dem Darleiher ohne Lohn für die blosse Beköstigung dienen muss. Ich habe einen jungen Mann gesehn, der wegen 5 Dollar, die sein Vater, ein ehemaliger Gobernadorcillo von Paranas, einem Mestizen in Catbalógan schuldete, 5 Jahre lang umsonst gedient hatte, um die Schuld zu tilgen, und an der Ostküste ein hübsches junges Mädchen, das wegen einer väterlichen Schuld von 3 Dollar schon seit 2 Jahren bei einem Eingeborenen diente, der im Ruf eines Wüstlings stand. Man zeigte mir in Borongan eine Kokospflanzung von 300 Bäumen; die vor etwa 20 Jahren wegen einer Schuld von 10 Dollar verpfändet, seitdem vom Gläubiger wie sein Eigenthum genutzt worden war. Vor einigen Jahren starb der Schuldner, und es gelang den Kindern desselben nur mit vieler Mühe, gegen Zahlung der ursprünglichen Schuld das Eigenthum zurückzuerhalten. Es kommt vor, dass ein Eingeborener von einem andren 2½ Dollar borgt, um sich von den 40 Tagen jährlicher Frohnden loszukaufen, und dann seinem Gläubiger ein ganzes Jahr lang dient, weil er nicht im Stande ist, das Geld pünktlich zurückzuzahlen.[6]

Die Bewohner von Samar und Leyte sind träger, nicht so reinlich als die von Luzon, und scheinen hinter den Bicol eben so sehr zurückzustehn, als diese hinter den Tagalen. Bei Taclóban, wo lebhafter Verkehr mit Manila stattfindet, sind diese Eigenschaften weniger ausgesprochen; die Frauen dort sind angenehm und baden viel. Uebrigens sind die Bewohner beider Inseln freundlich, gutmüthig, folgsam und friedfertig. Schimpfreden oder Thätlichkeiten kommen fast nie vor; wird Einer beleidigt, so verklagt er seinen Gegner im Tribunal. An der Nord- und Westküste scheint grosse Sittenreinheit zu herrschen, aber nicht an der Ostküste und in Leyte. Die äusserliche Frömmigkeit ist überall sehr gross; das haben sie von den Priestern gelernt. Die Familien sind sehr einig, die Frauen haben grossen Einfluss, verrichten vorzüglich die häuslichen Geschäfte und sind zum Theil sehr geschickt im Weben, auf dem Felde fallen ihnen nur die leichteren Arbeiten zu. Das Ansehen der Eltern und des ältesten Bruders ist sehr gross; die jüngeren Geschwister wagen nie, diesem zu widersprechen. Frauen und Kinder werden sehr gut behandelt.

Die Eingeborenen von Leyte haften eben so sehr an dem heimathlichen Boden wie die von Samar, haben auch keine Lust zur Schifffahrt, wenn schon die Abneigung dagegen nicht ganz so ausgesprochen ist, wie bei den Bewohnern von Samar.[7]

Anstalten der Wohlthätigkeit sind auf keiner der beiden Inseln vorhanden. Jede Familie erhält ihre Armen und Krüppel und behandelt sie gut. In Catbalógan, der Hauptstadt der Insel, mit 5 bis 6000 Einwohnern, gab es nur 8 Almosenempfänger (in Albay fehlte es nicht an Bettlern). In Láuang hatte bei einer feierlichen Gelegenheit ein Spanier ausrufen lassen, dass er Reis unter die Armen vertheilen wolle; es meldete sich Niemand. Die Ehrlichkeit der Bewohner von Samar wird sehr gepriesen. Schulden sollen fast immer ohne schriftliche Dokumente kontrahirt und nie abgeleugnet, wenn auch nicht immer pünktlich bezahlt werden. Räubereien kommen auf Samar fast nie vor, Diebstahl höchst selten. Schulen giebt es auch hier in den Pueblos, sie leisten nicht viel weniger als in Camarínes.

Unter den öffentlichen Vergnügungen stehn die Hahnenkämpfe obenan, werden aber nicht so leidenschaftlich betrieben wie auf Luzon. An den Kirchweihfesten wird ein aus dem Spanischen übersetztes Schauspiel, gewöhnlich religiösen Inhalts aufgeführt, die Kosten werden durch freiwillige Beiträge der Principalia gedeckt. Die Hauptlaster der Bevölkerung sind Spiel und Trunksucht; auch Weiber, selbst junge Mädchen betrinken sich gelegentlich. Bei den Heirathen dauern die Festlichkeiten, Gesang und Tanz oft mehrere Tage und Nächte hintereinander, so lange Speisen und Getränke ausreichen. Der Freier muss im Hause der Brauteltern 2, 3, selbst 5 Jahre dienen, bevor er die Braut heimführen kann. Durch Geld ist diese Last nicht abzukaufen. Er speist im Hause der Brauteltern, die den Reis liefern, hat aber die Zuspeise selbst zu beschaffen.[8] Zu Ende der Dienstzeit baut er mit Hülfe seiner Verwandten und Freunde das Haus für die neu zu gründende Familie.

Ehebruch ist häufig, Eifersucht selten und führt nie zu Gewaltthätigkeiten; der Beleidigte geht mit dem Schuldigen gewöhnlich zum Pfarrer, der mit einer Strafpredigt für den Einen und Trostworten für den Anderen Alles wieder in’s Geleise bringt. Ehefrauen sind leichter zugänglich als Mädchen, aber auch diesen wird die Aussicht auf Verheirathung durch Fehltritte im ledigen Stande kaum geschmälert. Mädchen unter väterlicher Gewalt werden in der Regel streng gehalten, schon um die Dienstzeit des Freiers zu verlängern. Der äussere Schein wird bei den Bisayern noch mehr gewahrt als bei den Bicols und Tagalen. Auch hier herrscht die irrthümliche Ansicht, dass die Zahl der Frauen die der Männer übersteige (vergl. S. 45). Mütter von 12 Jahren kommen vor, aber selten. Frauen gebären 12 bis 13 Kinder; es sterben indessen viele derselben, und Familien mit mehr als 6 oder 8 Kindern sind äusserst selten.

Es herrscht viel Aberglauben. Ausser dem katholischen Marienbildchen, das jede Indierin an einer Schnur um den Hals trägt, haben Viele auch heidnische Amulete. Ich hatte Gelegenheit, ein solches zu untersuchen, das einem sehr kühnen Verbrecher abgenommen worden war. Es bestand aus einem Unzenfläschchen, vollgestopft mit feinen, anscheinend in Oel gebratenen Wurzelfasern, war von den heidnischen Stämmen bereitet und hatte die Eigenschaft, den Besitzer stark und muthig zu machen. Die Gefangennehmung des Letztern war sehr schwierig; sobald ihm aber das Fläschchen entrissen war, gab er allen Widerstand auf und liess sich binden. Fast in jedem grössern Dorf giebt es eine oder mehrere Asuán-Familien, die allgemein gefürchtet und gemieden, wie Ausgestossene behandelt werden und sich nur untereinander verheirathen können. Sie stehen im Rufe, Menschenfresser zu sein. Vielleicht stammen sie von solchen ab? — Der Glaube ist sehr allgemein und festgewurzelt. Darüber zur Rede gestellt antworteten alte einsichtsvolle Indier, sie glaubten allerdings nicht, dass die Asuánen jetzt noch Menschen frässen, aber ohne Zweifel hätten ihre Vorfahren es gethan.[9]

Alte Legenden, Traditionen, Lieder sollen nicht vorhanden sein. Bei ihren Tänzen singen sie zwar; es sind aber Improvisationen ohne Geist, meist obszön. Denkmäler früherer Zivilisation haben sich nicht erhalten. »Tempel besassen die alten Pintados nicht, jeder machte sich seine Anitos im Hause selbst, ohne besondere Feierlichkeit.« (Morga f. 145 v.). Pigafetta (S. 92) erwähnt zwar, dass der König von Cebu, als er Christ geworden, viele am Seestrande erbaute Tempel zerstören liess, es mögen indessen wohl nur Bauten sehr vergänglicher Art gewesen sein. Bei gewissen Gelegenheiten feierten die Bisayer ein grosses Fest Pandot, bei welchem sie ihre Götter in eigens erbauten mit Blumen und Lampen geschmückten Laubhütten verehrten. Sie nannten diese Hütten Simba oder Simbahan (so heissen jetzt die Kirchen) »und dies ist das einzige, was sie haben, das einer Kirche oder einem Tempel ähnlich sieht«. (Informe I. 1. 17). Nach Gemelli Careri, (S. 449) beteten sie auch einige besondere, ihnen von ihren Vorfahren hinterlassene, von den Bisayern Davata (Divata), von den Tagalen Anito genannte Götter an[10]; es gab auch einen See-Anito und einen für das Haus, um die Kinder zu behüten. Unter diese Anitos wurden ihre Grossväter und Urgrossväter versetzt, die sie in allen Nöthen anriefen (s. S. 210), zu ihrem Gedächtniss bewahrten sie kleine hässliche Bildsäulen von Stein, Holz, Gold und Elfenbein, welche sie Liche oder Laravan nannten. Auch zählten sie zu ihren Göttern Alle, die durch das Schwert umkamen, vom Blitz getödtet, oder von Krokodilen gefressen wurden und glaubten, dass ihre Seelen gen Himmel stiegen auf einem Bogen, den sie Balangas nannten. Pigafetta (S. 92) beschreibt die von ihm gesehenen Idole folgendermaassen: »Sie sind von Holz, konkav oder hohl ohne Hintertheile, ihre Arme sind geöffnet, auch die Beine, die Füsse nach oben gekehrt. Sie haben sehr grosse Gesichter mit vier gewaltigen Zähnen, Eberstosszähnen ähnlich, und sind ganz bemalt.[11]