Da die Pflanzen ohne Pflege fortwachsen, und nur die Gewinnung der Fasern Mühe macht, so scheut der durch die Freigiebigkeit der Natur gegen Noth geschützte Eingeborene diese Mühe, wenn der Marktpreis nicht sehr lockend ist. Auf regelmässige Lieferungen wäre bei niedrigen Preisen kaum zu rechnen, wenn der Leichtsinn der Indier den Händlern nicht eine Handhabe böte, um sie zur Arbeit anzuhalten: man macht ihnen Vorschüsse in Waaren oder Geld, die sie durch Lieferungen von Bandála aus der eigenen Pflanzung oder durch Arbeit in der des Gläubigers tilgen müssen.[12] So lange das Produkt hoch im Preise steht, geht alles ziemlich gut, obwohl auch dann durch Unredlichkeit der Indier, Trägheit, Unwirthschaftlichkeit und Unfähigkeit der nicht kaufmännisch geschulten Zwischenhändler zuweilen beträchtliche Verluste vorkommen. Sinkt aber die Waare bedeutend im Preise, so sucht der Indier auf jede Weise seine dann sehr unbequeme Verpflichtung zu umgehn; der nach Prozenten berechnete Nutzen der Zwischenhändler deckt kaum die Zinsen des geborgten Kapitals; dennoch müssen sie liefern, da sie kein andres Mittel zur Verzinsung ihrer Schuld besitzen. Dann führen die Indier bittre Klage über die Agenten, die sie durch Vorschüsse unter wucherischen Bedingungen zu harter unergiebiger Arbeit zwingen, die Agenten (gewöhnlich Kreolen und Mestizen) klagen über die schlauen habgierigen Fremden, die sich nicht entblöden, sie, die Herren der Kolonie, in ihre Schlinge zu locken um sie zu Grunde zu richten, die schlauen Fremden endlich verlieren beträchtliche Kapitalien. Nachdem auf solche Weise eine der bedeutendsten Firmen sehr hohe Summen eingebüsst, soll es den an diesem Handel vorwiegend betheiligten Amerikanern gelungen sein dem bisher befolgten Vorschusssystem ein Ende zu machen, selbst Magazine und Pressen an den Bezugsquellen zu errichten, und durch ihre Kommis unmittelbar vom Produzenten zu kaufen. Alle früher dahin zielenden Bestrebungen waren an dem Widerstand der Spanier und Kreolen gescheitert, denn diese betrachten die Ausbeutung der Kolonie und besonders den Binnen- und Kleinhandel als ihr ausschliessliches Recht, sind sehr neidisch auf die »fremden Eindringlinge, die sich auf ihre Unkosten bereichern« und legen ihnen jedes Hinderniss in den Weg. Hinge es von diesen Leuten ab, so müssten alle Fremde aus dem Lande vertrieben, die Chinesen nur als Kulis zugelassen werden.[13]

In derselben Weise werden die Chinesen als tüchtige zuverlässige Arbeiter von den Indiern gehasst, und alle Versuche, grössere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung vertreiben. Auch den Kolonialbehörden wird vorgeworfen, dass sie die Chinesen nicht wie sie sollten, gegen dergleichen Gewaltthätigkeiten beschützen. Dass bisher in den Philippinen grössere Unternehmungen in der Regel nicht glückten, oder wenigstens keinen bedeutenden Nutzen abwarfen, ist nicht zu bestreiten, und wird von Vielen vornehmlich jenen Umständen zugeschrieben. Manche freilich erklären die Misserfolge aus andern Ursachen und versichern, dass die Indier gut arbeiten, wenn sie pünktlich und angemessen bezahlt werden. Die Regierung scheint allmälig zu der Einsicht gekommen, dass die natürlichen Hülfsquellen der Kolonie nicht erschlossen werden können ohne das Kapital und den Unternehmungsgeist der Ausländer. Sie hinderte daher in neuer Zeit ihre Niederlassung in der Provinz durchaus nicht. 1869 ist den Fremden endlich das Niederlassungsrecht durch ein Gesetz zugestanden worden.

Die nächste Zukunft scheint sich für die Abacákultur sehr glänzend zu gestalten. Seit Beendigung des amerikanischen Krieges, der ein bedeutendes Fallen im Werthe dieses hauptsächlich in Amerika verwendeten Produktes zur Folge hatte, sind die Preise fortwährend im Steigen. Mas (Informe) giebt an, dass 1840 136,034 Picos Abacá zum Werth von 397,995 Dollar ausgeführt wurden, wonach sich der Werth per Pico auf 2,9 Dollar berechnet. Der Preis stieg allmälig und hielt sich zwischen 4 und 5 Dollar; erreichte während des Krimkrieges, der die Ausfuhr des russischen Hanfs verhinderte, die enorme Höhe von 9 Dollar, was die Anlage vieler neuen Pflanzungen veranlasste, deren Produkt, als es nach 3 Jahren bei inzwischen wieder eingetretenen normalen Verhältnissen auf den Markt kam, die Preise auf 3½ Dollar herabdrückte, wobei es sich eben noch lohnte, vorhandene Pflanzungen auszubeuten, nicht aber neue anzulegen. Diese Preise erhielten sich bis 1860, sind seitdem allmälig gestiegen (nur während des amerikanischen Krieges trat eine Stockung ein), stehn jetzt wieder so hoch wie während des Krimkrieges, und es scheint keine Aussicht vorhanden, dass sie fallen werden, so lange den Philippinen kein Konkurrent erwächst. 1866 kostete in Manila der Pico nie weniger als 7 Dollar, was noch 2 Jahre vorher als Maximum galt, und stieg bis auf 9½ Dollar für ordinäre Sorten. »Die Produktion hat in manchen Provinzen die äusserste Grenze erreicht, eine Steigerung derselben ist für das Erste wenigstens nicht möglich, da die ganze männliche Bevölkerung bereits an der Kultur betheiligt ist ... ein Beleg dafür, dass reichlicher Lohn die Faulheit der Eingeborenen zu überwinden vermag«.[14]

Nachstehende Tabelle scheint die Richtigkeit dieser Ansicht zu bestätigen.

Abacá-Ausfuhr (in Picos).

Nach186118641866186818701871
Grossbritanien198,954226,25896,000125,540131,180143,498
N.-Amerik. Atlant. Häfen158,610249,106280,000294,728327,728285,112
Californien6600942614,20015,90022,500
Europa Continent9011134200244640
Australien16519421,14411,4346716
Singapore26481932364612022992
China55313028822294
Total273,269493,352406,682460,558488,560463,752
Balanza mercantil.Preuss. Konsul-Bericht.Belg. Konsul-Bericht.Engl. Konsul-Bericht.Marktbericht T. H. & Co.

Der Verbrauch im Lande ist in obigen Zahlen nicht enthalten und schwer zu ermitteln, muss aber sehr bedeutend sein, da die Eingeborenen ganzer Provinzen in Guinara gekleidet sind; die Gewebe für den Bedarf der Familie werden aber gewöhnlich im Hause selbst angefertigt.

Als Surrogat für Abacá kommt seit einigen Jahren in zunehmender Menge Sesal, auch Sesalhanf oder mexicanisches Gras genannt, in den Handel. Es sieht ungefähr so aus wie Abacá, entbehrt aber den schönen Seidenglanz, ist schwächer, kostet 5 bis 10 £ per Ton weniger, wird nur zu Tauwerk verwendet; seine Abfälle sind zur Papierfabrikation gesucht, als Zusatz zu besserem Papierzeug. Eine Notiz über den Ursprung dieses Surrogates bringt The Technologist Juli 1865, einen davon wesentlich abweichenden ausführlichen Aufsatz mit Abbildungen der U. S. Agricultural Report Washington 1870. Bei der zunehmenden Wichtigkeit des Stoffes und der Unbekanntschaft, die selbst in London über seine Herkunft herrscht, dürfte ein kurzer Auszug daraus willkommen sein. Der Bericht erwähnt die grössere Schönheit der Abacáfaser, aber nicht ihre grössere Festigkeit.[15]

Der Sesalhanf, nach dem Ausfuhrhafen Sisal (im NW. der Halbinsel) benannt, ist bei weitem das wichtigste Bodenerzeugniss Yucatan’s und scheint jenes felsige, von der Sonne verbrannte Land zur Hervorbringung dieser Fasern besonders geeignet. In Yucatan wird die Faser jenequem genannt, auch wohl die Pflanze, aus der sie gewonnen wird. Von letzterer sind 7 Arten oder Abarten Gegenstand des Anbaus, nur zwei derselben, die erste und siebente, kommen auch wild vor. 1o Chelem, wahrscheinlich identisch mit Agave angustifolia, sie nimmt den ersten Rang ein. 2o Yaxci (spr. yachki, yax = grün, ki = agave), die zweite im Range, sie wird nur für feine Gewebe verwendet. 3o sacci (spr. Sakki, sac = weiss) die wichtigste, ergiebigste, liefert fast ausschliesslich die Fasern für die Ausfuhr, jede Pflanze jährlich 25 Blätter = 25 Pfd., davon 1 Pfd. reine Faser. 4o Chucumci, ähnlich No. 3, aber gröber. 5o babci, die Faser sehr gut, aber die Blätter klein, daher nicht ausgiebig. 6o citamci (spr. kitamki, kitam = Schwein) weder gut noch ausgiebig. 7o cajun oder cajum, wahrscheinlich Fourcroya cubensis, Blätter schmal, 4 bis 5′ lang.

Der Sesalbau wird erst in neuester Zeit schwunghaft betrieben, die Gewinnung der Faser aus den Blättern und ihr Verspinnen zu Tauwerk geschieht zum Theil schon durch grosse Dampfmaschinen. Vorzugsweise aber wird das ganze Gewerbe von den Mayaindianern ausgeübt, Abkömmlingen der Tolteken, die es bei ihrer Einwanderung aus Mexico mitbrachten, wo es schon lange vor Ankunft der Spanier bestand.