Ueber die geologische Beschaffenheit der Philippinen

von J. Roth.

Mit Ausnahme von Java — Dank zunächst den Untersuchungen Junghuhn’s — ist die Kenntniss der geologischen Beschaffenheit der ostasiatischen Inselwelt eine geringe. Sie beschränkt sich auf einzelne Angaben und vereinzelte Punkte. In diesem Betracht ist daher jeder neue Beitrag willkommen zu heissen. Die von Herrn Dr. Jagor 1859 und 1860 auf einer Reise durch die Philippinen gesammelten und mir zur Untersuchung mitgetheilten Gesteine gestatten Einiges schärfer anzugeben als es bisher geschehen konnte. Die geologische Literatur über die Philippinen ist nicht überreich. Ausser einzelnen Angaben von A. von Chamisso[12], E. Hofmann[13], Meyen[14], Sainz de Baranda[15], Chevalier[16], Dana[17] sind zunächst zu nennen die Aufzählung der Vulkane durch L. von Buch in seinem Werke über die Canarischen Inseln, die Berichte von Hochstetter’s[18] bei Gelegenheit der Novara-Reise, der Aufsatz von Richthofen’s über das Vorkommen der Nummulitenformation[19], die Aufsätze von C. Semper[20] und dessen 6 Skizzen: die Philippinen und ihre Bewohner. Würzburg 1869. Im Folgenden habe ich versucht, Alles zusammenzustellen, was sich aus den bisherigen Beobachtungen ergiebt.

Als einem Stück des grossen Vulkangürtels des stillen Meeres hat sich schon früh die Aufmerksamkeit den Vulkanen der Philippinen zugewandt, dem Verbindungsgliede der Reihe Kurilen-Japan-Formosa und der Reihe, welche über Mindanao und die Sangirinseln in die Molucken fortsetzend dort einen Zweig westlich nach Java hinsendet, einen anderen nach Osten, die seit L. von Buch sogenannte westaustralische, bis nach Neuseeland sich erstreckende Reihe. Viel geringer ist die Kenntniss der auf den Philippinen vorhandenen neptunischen Ablagerungen, und auch hier werden nur wenige Beiträge dazu geliefert.

Es ergiebt sich als Resultat des bisher Bekannten, dass in den Philippinen auf einen Grundstock krystallinischer Schiefer junge, z. Th. sicher tertiäre (eocäne) und reichlich noch jüngere Ablagerungen folgen, gehobene Küstenbänke und Korallenriffe mit den noch heut im stillen Ocean lebenden Mollusken. Die gehobenen Korallenriffe schliessen sich den lebenden vollständig an und reichen zu beträchtlichen Höhen, nach Dana’s Angabe bei Punta S. Diego, S. von Manila, bis zu 600 Fuss Meereshöhe. Dass die Hebung noch jetzt fortdauert, ist zwar nicht durch genaue Messungen sicher gestellt, erscheint aber höchst wahrscheinlich. Nach von Richthofen ist ein Theil der vulkanischen Gesteine jünger als der Nummulitenkalk, welcher mit den »Trachyten« grobe Breccien bildet und von ihnen eingeschlossen wird. In und auf den vulkanischen Gebilden liegen jüngere Sedimente, deren Bildung ebenso wie die vulkanische Thätigkeit bis jetzt fortdauert. Die letztere äussert sich in heftigen und häufigen Erdbeben. Im grossen Ganzen eine gute Parallele zu dem Bau der Insel Java.

Von älteren Formationen liegen von den durch Herrn Dr. Jagor bereisten Inseln Luzon, Samar und Leyte keine Gesteine vor. Nach Semper scheinen im Norden Luzon’s und in Cebu vorkommende Petrefakten ein etwas höheres Alter anzudeuten. Aeltere Eruptivgesteine, von denen A. von Humboldt[21] Granit im nördlichen Theile von Luzon erwähnt, wurden von Herrn Dr. Jagor beobachtet, aber nur in Geschieben. Diese Eruptivgesteine durchbrechen wohl die krystallinischen Schiefer[22].

Wie überall, wo die vulkanische Thätigkeit noch heut in grösserem Maassstabe auftritt, wo also Ausbrüche von Lava aus den Feuerbergen stattfinden, sieht man daneben auch auf den Philippinen erloschene Vulkane, entweder ganz unthätig oder in dem Zwischenzustande der Solfatara verharrend. Man darf annehmen, was sich aus den Gesteinsproben und den Angaben nicht ausmachen lässt, dass es an modernen Eruptivgesteinen nicht gefehlt hat, an Auftreten von Trachyten — diesen Ausdruck im weitesten Sinne genommen — und Doleriten in der Weise der alten Eruptivgesteine, also ohne vulkanisches Gerüst, wofür namentlich einzelstehende Kegelberge zu sprechen scheinen. Bei manchen der erloschenen Vulkane ist es schwer Sicherheit zu gewinnen über die Zeit und die Grösse der Ausbrüche, ja über die Thatsache, ob in historischen Zeiten Eruptionen stattfanden.

Abgesehen von Mindanao[23] und Negros, auf welcher Insel Semper den nach seiner Schätzung mindestens 5000 Fuss hohen, im Nordtheil der Insel befindlichen Vulkan (Malespina der hydrogeographischen Karte der Philippinen) stark rauchen sah, sind nur auf Luzon, den nördlich von Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln und auf der kleinen Insel Camiguin (zwischen Mindanao und Siquijor) thätige Vulkane bekannt. Auf Camiguin fand nach einem Briefe aus Manila (Spenersche Zeitung 1871. No. 167) am 1. Mai 1871 ein vulkanischer Ausbruch statt. Seit Monaten hätten auf Bojol, Cebu und Camiguin wiederholte Erdbeben stattgefunden, Camiguin war von dem grössten Theil seiner Bewohner verlassen worden. Am 1. Mai um 5 Uhr Abends spaltete sich unter Donnergetöse und heftigen Stössen ein über dem Dorf Catarman gelegener Berg. Rauch, Asche, Erde und Steine wurden ausgeworfen; der Krater hatte bei einer Länge von etwa 1500 Fuss eine Breite von 150 und eine Tiefe von 27 Fuss. Um 7 Uhr Abends erfolgte ein zweiter Ausbruch. Von einem Lavastrom ist nicht die Rede. Noch im Juli 1871 war der Krater thätig.

Auf der Insel Babuyan Claro liegt »ein wie es scheint in beständiger Eruption begriffener Vulkan«[24] und auf der südöstlichsten Insel der Babuyanes, auf Camiguin, ein im Solfatarazustand befindlicher. Auf den östlich von Camiguin gelegenen Didicaklippen, die nach Semper wohl nichts Anderes sind als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines früheren Vulkans, hat sich 1856 ein im October 1860 mindestens 700 Fuss hoher Vulkan gebildet. Nachdem zwischen zwei Klippen Rauch aufgestiegen war, hat sich zwischen ihnen, deren obere Hälfte eingestürzt war, eine kleine Insel gebildet, welche sich durch Aufschüttung vergrösserte. Begleitet von heftigen Erdbeben fand dort 1857 ein starker Ausbruch statt.

Don Claudio Montero hat auf der Nordspitze von Luzon nahe unter dem Cabo Engaño (Provinz Cagayan) einen 2489 p. Fuss hohen Vulkan aufgefunden, den Monte Cagua[25]. Semper sah ihn im October 1860 von Aparri aus rauchen. In weitem Abstande von diesen vier auf engen Raum zusammengedrängten Vulkanen, getrennt von einander durch weite Strecken, aber durch eine Reihe erloschener Vulkane verbunden, liegen die übrigen drei noch thätigen Vulkane Luzon’s: der Taal, der Albay oder Mayon und auf der äussersten Südspitze der Insel der Bulusan, an dessen Fuss nach von Hochstetter heisse Quellen entspringen. Herr Dr. Jagor sah ihn rauchen, leider sind die dort gesammelten Gesteinsproben verloren gegangen.