Viel zahlreicher sind die erloschenen Vulkane. Nach Semper finden sie sich auf allen Inseln der Philippinen mit Ausnahme von Cebu und Bojol, welche nach ihm aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten gebildet scheinen. Auch auf Panay sah Dana nichts an vulkanische Berge Erinnerndes. Die Angaben lassen jedoch oft Zweifel, ob man erloschene Vulkane oder ungeöffnete Dome vor sich hat. An der Ostseite der Insel Leyte ist ein erloschener Vulkan, der Dagami, sicher gekannt, an dessen Ostfuss eine Solfatara sich findet; auf Samar kennt man keinen, eine ganze Reihe dagegen auf Luzon. Mit der Südspitze der Insel beginnend den M. Pocdol bei Bacon, zwischen dem Bulusan und dem Albay gelegen; nordwestlich vom Albay den Mazaraga, von welchem nördlich der Malinao oder Buhi und der Yriga auftreten. Ihnen folgt im Norden der mächtige Ysarog. In der Provinz Camarines norte sind der Labo und der Pic von Colasi zu nennen; südlich der Laguna de Bay der Majayjay, der Sosoncambing und der Malarayat, der von diesen südlich gelegene Tanabon (wohl Monte Tombol bei von Hochstetter), endlich der Maquiling[26], durch grosse Solfataren ausgezeichnet. An seinem Fusse treten die heissen Schwefelquellen von los Baños, der Kesselsee Dagatan, der Schlammvulkan von Nataños, der Krater von Maicap u. s. w. auf. Zwischen ihm und dem Majayjay liegt das vulkanische Gebiet von San Pablo mit zahlreichen kleinen Kraterseen. Nordöstlich vom Majayjay finden sich zwischen Lucban und Mauban Dolerite und Tuffe. Die Doleritlaven der Insel Talim in der Laguna de Bay und die der Halbinsel Jalajala, die Obsidianströme der Halbinsel und Bucht von Binangonan deuten dort einen grossen vulkanischen Mittelpunkt an. Die Bay von Manila wird westlich durch die Kette des Pico Butilao und die Sierra de Mariveles, letztere mit Doleritlaven begrenzt; auf der Insel Corregidor sah von Kotzebue[27] einen alten Krater. Die Umgebung von Manila zeigt mächtige Tuffmassen, welche auch als niedriger Damm die Laguna di Bombon vom Meer trennen.

Ob die bei S. Mateo und die östlich zwischen Antipolo und Bosoboso mit dem Kalk zusammenkommenden, bei von Richthofen als Trachyt bezeichneten Gesteine, ebenso die von ihm bei Zamboanga mit Kalk zusammen gesehenen einfach eruptiv sind oder Laven angehören, ist nicht zu ermitteln. Aus der kaum 90 Fuss hoch über dem Meere erhabenen Ebene von Pampanga, NW. von Manila, steigt steil und schroff der 3150 Fuss hohe »trachytische« Doppelkegel des Monte Arayat auf, an dessen Fuss heisse Quellen hervortreten. Im Norden der centralen Ebene von Luzon zwischen dem M. Arayat und S. Tomás steigen, isolirt von allen Bergketten, vier kleine vulkanische Berge auf, darunter der M. Cujaput. Gehören diese Berge, der Arayat, der M. Data bei Mancayan (NW. Luzon), der Subig in der Kette von Zambales zu den erloschenen Vulkanen? Am 4. Januar 1641, dem Tage des Ausbruches des Sanguir[28] (ob am Südcap von Mindanao oder auf der südlich gelegenen Sanguirinsel?) entstand nach spanischen Berichten zugleich ein Vulkan auf der Insel Sulu[29] (Jolo) und ein Vulkan Aringay oder Monte Santo Tomás am Golf von Lingayen. Wenn dort wirklich ein Vulkan sich bildete, so ist er jetzt erloschen. Nach Claudio Montero’s Messung ist er 6948 Fuss hoch.

Ein Versuch, die Vulkane, die thätigen wie die erloschenen, auf ein oder mehrere Spaltensysteme zurückzuführen, scheitert an der mangelnden Kenntniss, nicht nur von Luzon, sondern namentlich der übrigen Inseln. Dass die Nord-Südrichtung vorwiegend erscheint, folgt aus der topographischen Configuration der gesammten Inselkette.

Von den thätigen Vulkanen Luzon’s ist der kaum 840 Fuss hohe Taal, der demnach zu den niedrigsten[30] thätigen Vulkanen gehört, ausgezeichnet durch seine Lage auf einer aus Schlacken gebildeten Insel in der sehr tiefen Laguna die Bombon und durch einen Kratersee, aus welchem der Ausbruchskegel mit einem zweiten Krater sich erhebt. A. von Chamisso[31] fand den Vulkan 1818 schwach thätig, E. Hofmann 1825, Wilkes[32] 1842 sahen ihn in voller Thätigkeit. Delamarche[33], der ihn am 25. October 1842 unthätig fand, hat eine genaue Beschreibung des Berges gegeben. Semper, der den Taal am 30. April 1859 bestieg, sah den Krater beständig rauchen. Der Kraterboden, auf dem zahlreiche kleine Erhöhungen hervortraten, war mit Thon und Gypskrystallen bedeckt, überall brach heisser saurer Wasserdampf hervor; Alaun, Schwefel und ähnliche Bildungen waren reichlich vorhanden, kleine Bäche kochenden Wassers traten an einzelnen Stellen aus. Den Krater fand Semper mit kochendem milchweissem Wasser erfüllt, es entstiegen ihm schweflige Dämpfe. Demnach befand sich der Taal in dem Solfatarazustand. Am Nordwestende der Insel liegt ein ganz erloschener, aus Tuff bestehender regelmässiger Kegelberg mit Krater, der Binintiang grande, am Südende liegt der kleine Binintiang. Das Gestein des Berges zeigt nach L. von Buch[34] in dunkelbrauner, feinsplittriger Grundmasse kleine Feldspäthe. Ob es zu den Sanidintrachyten oder zu den Gesteinen mit triklinen Feldspathen gehört, lässt sich nach den vorliegenden, stark zersetzten Gesteinsproben nicht bestimmen, wahrscheinlich ist es Dolerit. Der Hauptausbruch des Berges 1754 (der letzte Ausbruch hatte 1716 stattgefunden) war ein heftiger Aschenausbruch, dem später viele kleine Eruptionen gefolgt sind. Lavaströme scheint der Berg seit langer Zeit nicht gegeben zu haben.

Im Gegensatz dazu liefert der 7000 Fuss hohe Albay oder Mayon nicht nur Aschenausbrüche und die sie begleitenden zerstörenden Schlammströme, sondern auch Ströme von Lava. Seine Hauptausbrüche fallen in die Jahre 1766, 1800 und 1814. Er warf 1857 viel Asche aus, 1858 war der Krater voll Dampf, Herr Dr. Jagor fand ihn 1859 erfüllt mit heissen schwefligsauren Dämpfen.

Wie überall mit thätigen und erloschenen Vulkanen stehen auch hier mit ihnen Tuffe in Verbindung. Weiter unten ist ihr Vorkommen genauer erwähnt. Von ihrer grossen Verbreitung um Manila war schon die Rede. Diese graugrünen Tuffe, fest genug um als Baustein zu dienen, bilden am Flussufer des Pasig nach der Laguna de Bay hin an manchen Stellen 40 bis 60 Fuss mächtige Ablagerungen. Es sind nach G. Rose (Meyen Reise II. 202) Bimsteinconglomerate, die in rauher, grauer, leicht ritzbarer Grundmasse eckige, bräunlich-graue Bimsteinstücke umschliessen. Sie fuhren nach Dana Blattabdrücke und verkieselte Hölzer, meist Palmen und zwar lebende Arten. In der Nähe der thätigen Vulkane treten lose vulkanische Sande auf, in der Umgebung der erloschenen sind sie verkittet zu mehr oder minder festen Massen, hie und da auch umgelagert und mit der Unterlage gemengt oder am Meeresstrande durch Kalk, den Muschelschalen entnommen, cementirt. Das Korn wechselt in hohem Maasse, ebenso die Zahl und die Grösse der eingeschlossenen Gesteinstrümmer. Wo sie und die Tuffe durch Verwitterung oder Fumarolenwirkung gelitten haben, werden aus ihnen Thone ausgewaschen, die, im nächsten Verband stehend, bisweilen mächtige Ablagerungen bilden.

Unter den sehr zahlreichen vulkanischen Gesteinen, die vom südlichen Luzon, Samar und Leyte vorliegen, und in den zu ihnen gehörigen Tuffen sind, mit sehr geringen Ausnahmen, nur zwei und noch dazu einander sehr nahe stehende Gesteinstypen vertreten: beide mit triklinem Feldspath, einer mit Hornblende, einer mit Augit, Hornblendeandesit und Augitandesit oder Dolerit. Die Analyse der Feldspäthe wird zeigen, ob man in manchen Gesteinen, wie man nach dem Habitus und der Aehnlichkeit mit Aetnalaven schliessen darf, Labrador oder einen kieselsäurereicheren Feldspath vor sich hat. In den Amphibolandesiten ist noch Magneteisen und meist Olivin vorhanden, bisweilen tritt noch sparsamer grüner Augit dazu. Diese Gesteine finden sich in der Berggruppe des Labo, Colasi, Ysarog, auf der Insel S. Miguel, am Dagami und Danaan auf Leyte und zwar meist mit sehr ähnlichem, porphyrischem Habitus. Zu den Doleriten gehören die Laven des Albay, Yriga, Mazaraga, Malinao und der ganzen Umgebung der Laguna de Bay. Neben dem Augit treten in ihnen Olivin und Magneteisen, seltener noch dunkle Glimmerblättchen auf. In den entsprechenden Tuffen und Sanden kehren die Mineralien der Gesteine wieder. Wenn auch einzelne Bimsteinstücke in jenen sich finden, so gehören doch grössere Ablagerungen rein aus Bimstein bestehend zu den Ausnahmen. Ebenso ist Mandelsteinbildung und Auftreten von Zeolithen sehr sparsam vorhanden. Glasige Gesteine kommen kaum vor; v. Hochstetter sah an der in die Laguna de Bay hineinragenden Halbinsel Binangonan säulig zerklüftete Obsidianströme. Ob überhaupt in dem genannten Gebiet ächte Sanidintrachyte auftreten, erscheint zweifelhaft. Ueber das relative Alter der beiden Andesite lässt sich ebensowenig eine Vermuthung aussprechen als über die chronologische Folge der einzelnen vulkanischen Berge.

Auch hier ergiebt sich eine gute Parallele mit Java, in so fern die Andesite dort reichlich, wenn nicht ausschliesslich, vertreten sind. Es liegen jedoch von Luzon, Samar und Leyte dichte basaltische Gesteine, die in Java so häufig sind, nur von einer Stelle vor, und zwar, wie die Uebergänge beweisen, von Amphibolandesit.

Als höchst bezeichnend ist ferner hervorzuheben, dass bei der häufigen Fumarolenthätigkeit nur Einwirkungen von Schwefelwasserstoff, resp. schwefliger Säure und Sublimation von Schwefel beobachtet sind; daneben die diesen Agentien entsprechende Bildung von Gyps, Alaun, Alunogen, Bianchetto; je nach der Stärke und der Dauer der Einwirkung die vollständige Entfernung der Thonerde oder ihre Umwandlung in schwefelsaure Salze. Die reiche Gypsbildung erklärt sich aus dem Kalkgehalt der Hornblende, des Augites und des Feldspathes. Ebenso wenig fehlt die Bildung basischschwefelsaurer Eisenoxyde, und die Röthung des Rückstandes durch Eisenoxyde, endlich die durch Bunsen’s schöne Versuche erläuterte Bildung von Schwefelkies, dessen Verwitterung die Zerstörung der Gebirsgsarten unterstützt. Dagegen mangelt jede Spur salzsaurer Fumarolen. Wenn auch der Absatz leicht löslicher Chlorverbindungen nicht zu erwarten war, so erscheint doch keine Spur von sublimirtem und zu Eisenglanz zersetztem Chloreisen. Auch Bildung von Palagonit ist nirgend beobachtet, wozu die (freilich oft grobkörnigen) Tuffe Gelegenheit zu bieten scheinen. Zahlreich dagegen sind Absätze von Kieselsinter, Opal und Hyalith aus der letzten Phase der vulkanischen Thätigkeit, aus Kohlensäure und Alkalibikarbonat enthaltenden Quellen, ähnlich wie in Island, Madeira, Neuseeland, Californien, Nevada, Montana-Wyoming u. s. w., Absätze, die ihre Erläuterung in den Arbeiten Bunsen’s über Island finden. Auf denselben Ursprung müssen auch die Jaspisvorkommen der vulkanischen Gegenden zurückgeführt werden. Geisirähnliche Erscheinungen wurden nicht beobachtet.

Der Antheil der vulkanischen Bildungen an dem Aufbau der Philippinen darf jedoch nicht zu hoch angeschlagen werden, räumlich sind sie untergeordnet gegenüber den krystallinischen Schiefern und den Sedimenten. Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer, Hornblendegneiss, Talk- und Chloritschiefer, Serpentin sind von den ersteren beobachtet. Im nördlichen Theil von Luzon sind sie verbreitet. Meyen beobachtete in S. Mateo und bei Balate (N. von S. Mateo) feinkörnigen Hornblendeschiefer, auf dem der Kalk von S. Mateo aufliegt. Die von Semper erwähnten Goldwäschen im Flussthal des Agno grande im Land der Ygoroten deuten ebenfalls auf krystallinische Schiefer, ähnlich wie die Eisenerze bei Angat (Provinz Bulacan); nach Chevalier giebt es Serpentin in der Provinz Bataan (W. der Bai von Manila). Die Nordostküste der Provinz Camarines norte zwischen Paracali, Mambulao und Lungos wird von Gneissen und den dazu gehörigen Hornblendeschiefern, Talkschiefern und Serpentinen gebildet, welche bis nach Indang und Labo fortsetzen, wahrscheinlich auch die jenseits der Bai von S. Miguel gelegenen Sierra de Caramuan zusammensetzen. An der Südküste derselben Provinz bei Pasacao treten Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer auf. Im Nordwesttheile der Insel Samar, ferner bei Loquilocun, bei Basey und auf der Insel Leyte bei Tanauan (Ostküste) sind sie ebenfalls beobachtet.