Haus mit Azotea am Pasig.

DRITTES KAPITEL

MANILA. — LEBEN IN DER STADT UND IN DEN VORSTÄDTEN. — HAHNENKÄMPFE. — TRACHTEN DER VERSCHIEDENEN KLASSEN.

Die eigentliche Stadt Manila, hauptsächlich von Spaniern, Kreolen und zu ihnen in unmittelbarer Beziehung stehenden Einheimischen und Chinesen bewohnt,[1] liegt, von Mauern und breiten Gräben umschlossen, am linken, südlichen Ufer des Pásig, eine Seite dem Meere zukehrend; ein heisser, öder Ort, voll Klöster, Stifter, Kasernen, Regierungsgebäude. Rücksicht auf Sicherheit, nicht auf Annehmlichkeit, war bei der Gründung maassgebend. Manila erinnert an spanische Provinzialstädte und ist nach Goa die älteste Stadt in Indien. Die Fremden wohnen auf der Nordseite des Flusses, in Binóndo, dem Sitz des Gross- und Kleinhandels, oder in den freundlichen angrenzenden Dörfern, die ein zusammenhängendes Ganze bilden. Die Gesammtbevölkerung wird, wohl mit Uebertreibung, auf 200,000 geschätzt. Eine hübsche, alte, steinerne Brücke von zehn Bogen, in neuer Zeit auch eine eiserne Hängebrücke, verbinden die beiden Ufer des Flusses.[2]

Zwischen den Bewohnern von Manila und Binóndo findet sehr wenig Verkehr statt. Das Leben in der eigentlichen Stadt soll nicht angenehm sein: Stolz, Neid, Stellenjägerei, Kastenhass sind an der Tagesordnung; die Spanier halten sich für besser als ihre Kreolen, welche wiederum jenen vorwerfen, dass sie nur in die Kolonie kommen, um sich satt zu essen, ebenso herrscht Hass und Neid zwischen Weissen und Mestizen. Aehnliche Verhältnisse bestehn zwar in allen spanischen Kolonien und liegen im Wesen der spanischen Kolonialpolitik, die immer bestrebt war, die verschiedenen Rassen und Stände feindlich zu trennen, aus Furcht, dass ihr Bündniss die Herrschaft des fernen Mutterlandes gefährde.[3]

In Manila aber werden diese Zustände durch den Umstand gesteigert, dass die Klasse der durch grossen Grundbesitz an das Land gefesselten Pflanzer bisher fast gänzlich fehlte. Erst jetzt scheint die steigende Nachfrage nach den Landesprodukten allmälig einen erfreulichen Umschwung in dieser Beziehung herbeizuführen. Wie aber der einem Glücksspiel vergleichbare Naohandel, früher die einzige Quelle des Reichthums, auf die spanische Bevölkerung wirkte, schildert treffend Murillo Velarde (p. 272): »Die Spanier, die hierher kommen, betrachten diese Inseln nicht wie eine Heimath, sondern wie ein Wirthshaus. Heirathen sie, so geschieht es zufällig; wo giebt es eine Familie, die Generationen überdauerte? .. Der Vater sammelt Schätze, der Sohn vergeudet, der Enkel bettelt. Die grössten Kapitalien sind nicht beständiger als die Wogen des Meeres, auf denen sie sich gründen.«

Auch unter den Ausländern in Binóndo herrscht durchaus nicht so viel Geselligkeit als in englischen oder holländischen Kolonien, und fast kein Umgang mit den Spaniern, welche die Fremden beneiden und deren im Lande gemachten Erwerb fast wie einen an ihnen, den Eigenthümern, begangenen Raub betrachten. Dabei ist das Leben sehr theuer, theurer als in Singapore und Batavia. Bei Vielen scheinen die Ausgaben in grossem Missverhältniss zu ihrem amtlichen Gehalt zu stehn.

Die zum Theil sehr geräumigen Häuser sind düster und hässlich, mit Rücksicht auf das Klima schlecht ventilirt; statt luftiger Jalousien schwere Schiebefenster, welche das Licht nicht durch Glas, sondern durch dünne Austerschalen (Placuna placenta L.) einlassen, die kaum zwei Zoll im Geviert haben und in Gitterrahmen von zolldicken Latten sitzen. Das Erdgeschoss ist verständiger Weise, der grossen Feuchtigkeit wegen, meist unbewohnt, zu Magazinen, Stallungen, Diensträumen benutzt.