Bambushaus in der Vorstadt Trozo.
Die Pfähle auf denen es ruht, bestehen grösstentheils aus Stämmen der Nibongpalme (Caryota) der Raum zwischen denselben ist durch Bambuslatten eingefasst. Das ganze Gerüst des Hauses besteht aus Bambus, durch Stuhlrohr verbunden; der Fussboden aus Bambuslatten, die Wände aus Pandanusblättern, die Fensterladen aus Blättern einer Fächerpalme (Corypha) durch dünne Bambuslatten zusammen gehalten; den Boden der Azotéa bilden ganze, ihre Einfassung gespaltene Bambusen. Das Dach besteht aus Ataps von der Nipapalme (s. Reise-Skizzen S. 12) die oben an der Firste durch Bambuslatten zusammen gehalten werden.
Die anspruchslosen, in ihrer Art zweckmässigen Häuser von Brettern oder Bambus und Palmenblättern stehn der Feuchtigkeit wegen auf Pfählen, jedes für sich, der untere Raum gewöhnlich durch ein Gitter eingefasst, dient als Stall oder Magazin; so war es schon zu Magellan’s Zeiten. Solche Häuser sind ausserordentlich leicht gebaut. Lapérouse schätzt das Gesammtgewicht mancher mit vollständigem Mobiliar auf weniger als 200 Pfund.
Fast sämmtliche Häuser, sogar die Hütten der Eingeborenen, haben eine Azotea, d. h. einen nicht überdachten Raum in gleicher Flucht mit der Wohnung, der die Stelle von Hof und Balkon vertritt. Die Spanier scheinen diese hübsche Einrichtung den Mauren entlehnt zu haben; die Eingeborenen kannten sie aber wohl schon vor Ankunft der Europäer, denn Morga (Bl. 140) erwähnt bereits dergl. »Batalanes«. In den Vorstädten ist fast jede Hütte von einem Gärtchen umgeben.
Das Trinkwasser ist mit Ausnahme des in Zisternen gesammelten, sehr schlecht. Es wird etwas oberhalb der Stadt in flache Kähne geschöpft und so den Haushaltungen zugeführt. Das Flusswasser ist oft ganz grün von Conferven, häufig sieht man auch todte Hunde und Katzen darin treiben, von grossen Pistien wie von Kopfsalat umgeben. In der trocknen Jahreszeit werden die zahlreichen Kanäle der Vorstädte stellenweis zu stagnirenden Kloaken, der Stadtgraben bietet bei jeder Ebbe einen solchen Anblick.
An Gelegenheit zu Vergnügungen ist Manila sehr arm. Während meines Aufenthalts bestand kein spanisches Theater; tagalische Schauspiele (Uebersetzungen) wurden zuweilen aufgeführt. Es gab keinen Klub, keine lesbaren Bücher. Nicht einmal Zeitungsnachrichten belebten die matte Unterhaltung; denn nachdem die alle vierzehn Tage aus Hongkong eintreffenden Nachrichten durch die Priesterzensur gesichtet, blieb zur Speisung der Lokalblätter wenig übrig als Madrider und Pariser Hofnachrichten.[4] Nur die mit bunter Pracht gefeierten Kirchenfeste unterbrachen zuweilen die Einförmigkeit.
Das grösste Vergnügen der Eingebornen sind die Hahnenkämpfe, die mit einer Leidenschaftlichkeit betrieben werden, welche jedem Fremden sogleich auffallen muss. Fast alle Indier halten sich Kampfhähne. Viele gehn nie aus, ohne ihren Liebling im Arm zu tragen; sie zahlen zuweilen 50 Doll. und mehr dafür und überhäufen ihn mit den zärtlichsten Liebkosungen. Man kann die Sucht für Hahnenkämpfe wohl ein Nationallaster nennen, doch sollen sie erst durch die Spanier oder die sie begleitenden Mexicaner eingeführt worden sein; ebenso das in China zum Nationallaster gewordene Opiumrauchen durch die Engländer. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass die Malayen die Sitte in’s Land brachten. Im östlichen Theil der Philippinen müssen zu Pigafetta’s Zeiten Hahnenkämpfe unbekannt gewesen sein. Er sah die ersten Kampfhähne in Paláuan: »Sie haben grosse Hähne, die sie aus einer Art von Aberglauben nicht essen, sie halten sie aber, um sie kämpfen zu lassen; es werden dabei Wetten gemacht, deren Ertrag der Eigenthümer des Siegers erhält.«[5][6]
Für Europäer ist das Schauspiel in hohem Grade widerwärtig: Der einen Ring um den Kampfplatz bildende Zuschauerraum ist mit Eingeborenen überfüllt, die aus allen Poren schwitzen, während ihre Gesichter von hässlichen Leidenschaften auf’s Höchste erregt sind. Die Hähne sind je mit einem sehr scharfen, sichelförmigen, 3 Zoll langen Messer bewaffnet, das tiefe Wunden reisst und immer den Tod des einen oder beider Hähne durch grausame Verletzungen herbeiführt. Ein Hahn, der aus Feigheit davonläuft, wird lebendig gerupft. Im Verhältniss zu den Mitteln der Spieler werden unglaublich hohe Summen verwettet.
Dass diese Hahnenkämpfe für ein so sehr zu Müssiggang und Liederlichkeit geneigtes, nur den Regungen des Augenblicks folgendes Volk im höchsten Grade entsittlichend wirken, liegt auf der Hand. Der Lockung, ohne Arbeit Geld zu gewinnen, vermögen sie schwer zu widerstehn; Viele werden durch die Leidenschaft des Spieles zu Wucherschulden, Unterschlagungen und Diebstahl verleitet, auch zu Strassenraub: die Land- und Seeräuberbanden, von denen weiter unten, sollen zum grossen Theil aus ruinirten Spielern bestehn.[7]