Alle Städte Hinterindiens übertrifft Manila durch angenehme Frauengestalten, die seine Strassen beleben. Herr Mallat schildert sie in glühenden Worten. Ein hübsches, phantasiereiches, in der Lokalfarbe gehaltenes Bild des Strassenlebens findet man auch in den sehr unterhaltenden Aventures d’un gentil’homme Breton.[8]

Wie viele der hübschesten »India’s« von ganz reinem Blute sind, ist freilich nicht zu ermitteln. Manche sind sehr weiss, nähern sich dem europäischen Typus und unterscheiden sich dadurch merklich von ihren Stammesgenossen in den abgelegeneren Provinzen.

Der unmittelbaren Umgebung Manila’s fehlt es nicht an schönen Punkten, ihr Besuch gehört aber nicht zum Ton, da Toilettenschau, nicht Naturgenuss, Zweck des Spazierengehns ist. In der trockenen Jahreszeit fahren Abends Alle, die es bezahlen können, auf staubigen Strassen nach einem kürzlich angelegten Platz am Meer, von 1000 Fuss Breite, 200 Fuss Länge, wo mehrere Mal in der Woche die recht gute Musik inländischer Regimenter spielt, und gehen steif auf und ab. Die Spanier stecken alle in Uniformen oder schwarzen Fracks. Wenn die Glocken zum Abendgebet (Angelus) läuten, stehn Wagen, Reiter und Fussgänger plötzlich still, Jedermann entblösst sein Haupt und scheint zu beten.

Derselbe Guvernör, der die Promenade angelegt, hatte auch einen botanischen Garten geschaffen. Zwar waren die wenigen von ihm dahin versetzten Pflanzen, auf dem morastigen Boden der vollen Sonnengluth preisgegeben, schnell wieder zu Grunde gegangen, aber der Platz war eingezäunt, in Felder getheilt, mit Unkraut bewachsen und hatte wenigstens einen Namen erhalten, gegenwärtig soll er besser im Stande sein.[9]

Tagalin

in Sarong, Tapis, Camisa und Schultertuch.

In der Umgegend von Manila sind die Kirchenfeste wohl des Besuchs der Fremden werth, schon wegen der zahlreichen hübschen Indierinnen und Mestizinnen, die sich Abends dort einfinden und in ihrem besten Putz auf den festlich beleuchteten, mit Fahnen und Blumen geschmückten Strassen spazieren gehn. Sie sind namentlich für den aus den Malayenländern kommenden eine anmuthige Erscheinung. Die Indierin ist sehr schön gewachsen, hat üppiges schwarzes Haar, grosse dunkle Augen; der obere Theil des Körpers ist in inländische, oft kostbare Stoffe von durchsichtiger Feinheit und tadelloser Weisse gehüllt, und von der Hüfte abwärts in ein buntstreifiges, weitfaltiges Kleid (Saya), dessen oberer Theil bis zum Knie durch ein dunkles Tuch, Tapis, so fest zusammengehalten wird, dass die reichen, bunten Falten der Saya daraus wie die Blumenblätter einer Granate hervorbrechen, und die Mädchen nur ganz kurze Schritte machen können, was in Verbindung mit den niedergeschlagenen Augen ihnen einen sehr sittsamen Anstrich giebt. An den nackten Füssen tragen sie gestickte Pantoffeln (Chinelas), so schmal, dass die kleine Zehe, die nicht Platz darin hat, den Pantoffel von aussen festhalten muss.[10]

Aermere Indierinnen kleiden sich nur in eine Saya und ein sogenanntes Hemd, so kurz, dass es oft nicht bis zu dieser hinabreicht; in den östlichen Inseln tragen selbst erwachsene Mädchen und Frauen ausser einem katholischen Amulet gewöhnlich nur diese zwei Kleidungsstücke, die namentlich nach dem Bade, bis sie die Sonne wieder getrocknet hat, fast durchsichtig sind.