Tagalen.
Hut, Hose und darüber ein Hemd, beide aus grober Guinára, bilden die Tracht der ärmeren Männer. Die Hemden der Reicheren sind mitunter aus sehr theuren inländischen Geweben, von Ananas oder Bananenfasern mit oder ohne seidene Streifen, auch ganz aus Jusi (chinesische Floretseide), in welchem Falle sie nicht gewaschen und also nur einmal getragen werden können. Der Hut, Salacót (ein Kugelsegment aus inländischem Flechtwerk), dient als Regen- und Sonnenschirm, und ist zuweilen bis zu beträchtlichem Werthe mit Silber beschlagen. Die Principalia hat das Vorrecht, eine kurze Jacke über dem Hemde zu tragen, und ist gewöhnlich auch an ihrer, zuweilen bis an’s Drollige streifenden Würde und ihrem vergilbten, in der Familie forterbenden Zylinder-Hute kenntlich. Der einheimische Stutzer hat lackirte Schuhe an den nackten Füssen, lange, enganliegende Hosen, schwarz oder grellbunt gestreift; darüber ein gefaltetes, gestärktes Hemd von europäischem Schnitt; auf dem Kopf einen zylindrischen Seidenhut, in der Hand ein Stöckchen. Recht unanständig sieht es aus, wenn bei Gala-Mahlzeiten die Dienerschaft in weissen gestärkten Hemden über den Hosen erscheint, nie sind mir die Hässlichkeiten unserer europäischen Kleidung mehr aufgefallen als in der Nachäffung durch den Manila »Elegante«.
Elegante.
Die Mestizinnen kleiden sich wie die Indierinnen, aber ohne Tapis, an Europäer verheirathete tragen auch Schuhe und Strümpfe. Manche Mestizinnen sind von grosser Schönheit, ihr Gang hat aber gewöhnlich etwas Schleppendes, von der Gewohnheit, den Pantoffel zu schleifen. In der Regel sind sie klug, wirtschaftlich, zu Handelsgeschäften sehr geschickt, in Unterhaltung aber oft unbeholfen und langweilig. Mangel an Bildung allein ist wohl nicht die Ursache, denn eine Andalusierin hat ausser der Doctrina christiana auch nichts gelernt, und ist doch in ihrer Jugend eines der reizendsten Wesen. Der Grund liegt wohl eher in der Zwitterstellung der Mestizin: von den weissen Frauen wird sie hochmüthig zurückgestossen, während sie selbst ihre mütterlichen Verwandten verläugnet. Ihrem Auftreten fehlt die Sicherheit, der richtige Takt, den die Süd-Europäerin in allen Lebensverhältnissen zeigt.
Die Mestizen, besonders die von Chinesen und Tagalinen, bilden den reichsten, unternehmendsten Theil der einheimischen Bevölkerung; sie kennen alle guten und schlechten Eigenschaften des Eingeborenen und beuten sie rücksichtslos für ihre Zwecke aus.
Kleines tagalisches Mädchen. Phot.