Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die östliche der beiden von N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug seiner hübschen Lage in der Nähe Manila’s und den phantasiereichen Schilderungen des früheren Besitzers de la Gironnière. Die Halbinsel ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljährlich führen die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und vergrössern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und stachligen bis 8′ hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand dient als Büffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den dicht bewaldeten Sembrano, den höchsten Berg der Halbinsel begrenzt, auf den übrigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand ausgenommen ist das ganze Gebiet hügelig mit Gras und Baumgruppen bewachsen, ein trefflicher Weideplatz für die ansehnlichen Heerden (1000 Büffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs Bewaffnete, die uns für Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf die gehoffte Prämie verzichten mussten.

Vulkan Maquiling von ONO.

Jalajala gegenüber, am Südrande des Sees von Bay liegt das Dörfchen Los Baños, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen zu Heilzwecken,[4] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer des See’s ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden.

NW. von Los Baños liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee, Dagátan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von Dagát (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines, aber Schaaren von Wasservögeln flogen auf, als ihre Einsamkeit gestört wurde.

Von Los Baños wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo, nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde (bianchetto) gewonnen wird, die geschlämmt in Manila zum Anstrich dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mühe erlangter Führer nach einer halben Stunde todtmüde stellte. Die eingezogenen Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden.[5]

Auf der Rückfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung mit wenigen ärmlichen Hütten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald und Gestrüpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga (Mädchenbusen), ein Doleritberg mit schön geformter Kuppe. Am Strande fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit völlig ausgebildeten Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlüpften.

Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewöhnlich später zur Geltung kommt als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss nach dem südlich vom See gelegenen Orte Caláuan zu gehn, der durch den queer davor liegenden Maquiling geschützt den Einfluss des Regenmonsuns erst später empfindet. In Caláuan traf ich Herrn v. la Gironnière, den durch seine haarsträubend erzählten Abenteuer wohlbekannten »Gentilhomme breton«, seit kurzem aus Europa zurückgekehrt um eine grosse Zuckerfabrik zu gründen; sein Unternehmen misslang indessen. Das Haus des seitdem verstorbenen rüstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei Tracht und Bedürfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an dem Geschäft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft gelebt hatten.

Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der Strasse die nach S. Pablo führt, befindet sich die Llanura de Imúc, ein von mehrere hundert Fuss hohen Wällen doleritischer Rapilli gebildetes Kesselthal. Auf grossen Basaltblöcken kann man den Rand erklimmen, alles übrige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine verwilderte, vom früheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen.

Nördlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wänden. Der Boden ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu bilden. Er dürfte daher leicht zu entwässern und urbar zu machen sein.