[1] Reiseskizzen S. 143. [↑]

[2] Nach Tylor (Anahuac 227) petlatl (mexikan.) eine Matte, in den Philippinen: petate; petla-calli mexikanisch. Mattenhaus, davon petaca, geflochtene Zigarrentasche. [↑]

Aussicht von Jalajala auf die Insel Talim.

SIEBENTES KAPITEL

PROVINZ LAGUNA. — BANCAFAHRT. — BARREN DES PASIG. — SEE VON BAY. — MAARE BEI CALAUAN. — PALMENWEIN. — REISEN OHNE DIENER. — VULKAN MAJAIJAI. — BÜFFELFAHRT.

Meine zweite Reise führte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehöhlten Baumstamm mit flach gewölbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes Bambusgitter schützt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm zum Lager. Jurien de la Gravière vergleicht die Banca treffend mit einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt.[1] Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je 5 r. zusammen 4½ Thaler täglich erhielten, ein hoher Preis für die trägen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der Reis, den ein kräftiger Arbeiter täglich verzehrt, kostet selten mehr als 1 bis 1½ Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige), die Zuspeise (Wasserthiere und Kräuter) einige Pfennige. Zahlreiche Dörfer und Tienda’s, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwänden die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hülfe der Nachtwächter, gelang es, sie einzeln aus den Häusern ihrer Freunde zu holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf Sandbänken festgesessen, gelangten wir in den von Hügeln und Bergen umschlossenen See von Bay und erreichten früh morgens Jalajala.

Der Pasig bildet einen natürlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Süsswassersee von 35 Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna, Cavite, umgrenzen. Früher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des Sees gefahren sein[2], jetzt wird es durch Sandbänke verhindert; bei den Barren von Napíndan und Tagúíg gerathen selbst sehr flache Boote auf den Grund.[3] Würden die Barren fortgeräumt und die Manila mit Binondo verbindende steinere Brücke in eine Drehbrücke verwandelt oder durch einen Kanal umgangen, so könnten Küstenfahrer die Erzeugnisse der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen, einnehmen. Der Verkehr würde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken, die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt worden, ist aber nicht zur Ausführung gekommen. Die Versandung des Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befördert, deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begünstigt, da sie eine kleine Abgabe davon erhebt.