Kirche und Convento, Majaijai.
In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385 E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhüten mit auffallend üppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. über Magdalena, wo die Landschaft bergig wird nach Majaijái, indem sie vor letzterem Ort (über 9000 E.) auf einer Brücke eine tiefe Schlucht überschreitet, in welcher stattliche Baumfarne die grössere Meereshöhe (über 600′) andeuten. Das von den Jesuiten erbaute geräumige Convento Majaijái, ist wegen seiner herrlichen Lage berühmt. Nach NW. dehnt sich der See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel Talim mit dem Vulcan Soson-dalága begrenzt. Vom Convento bis zum See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von Kokospalmen. Gen Süden wird der Abhang schnell steiler und hebt sich zu einem mächtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajáo oder Majaijái, neben welchem der S. Cristoval mit schöner glockenförmiger Kuppe hervorragt.
Insel Talim mit dem Pik Soson-dalága und Südspitze der Halbinsel Jalajala von Majaijai.
Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschäftigt war, begab ich mich über Lucban an die Ostküste nach Mauban, in tiefen Tuffschluchten, an Lavablöcken vorüber dem Fuss des Majaijái folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih ziehende Gruppen.[9]
Nach drei Stunden erreicht man Lúcban, einen wohlhabenden Ort von 13,000 E. im NO. des Majaijái (ein Jahr darauf brannte es gänzlich ab). Zwar ist der Ackerbau wegen des bergigen Gebietes, nicht bedeutend, es herrscht aber viel Gewerbfleiss, die Einwohner flechten feine Hüte aus Blattstreifen der Buripalme (Corypha sp.) und Pandanusmatten und treiben über Mauban einträglichen Handel mit den Goldwäschern von Nord-Camarines. Durch die in ihrer ganzen Breite mit Cement belegten Strassen floss ein klarer Bach in offener Rinne.
Der Weg von Lucban nach Mauban, das in der Bucht von Lamón, der Insel Alabát gegenüberliegt, führt im engen Thal des Rio Mápon durch tiefe Schluchten senkrecht gehobener Thone. Bei Lucban sieht man Reisfelder in Terrassen wie in Java[10], in den Philippinen eine Seltenheit. Bald betritt man den Wald. Fast alle Bäume sind mit Aroideen und Kletterfarnen bedeckt, dazwischen Angiopteris, Pandanus, und einzelne grosse Fächerpalmen (Corypha) mit kronleuchterartiger Fruchtkrone.
Drei Leguas von Lucban drängt sich der Fluss an einem grossen, aus prismatischen Säulen bestehenden Felsen vorbei und fliesst dann durch ein Konglomerat von nussgrossen völlig abgerundeten Geröllen aus vulkanischem Gestein und weissem marmorartigen Kalk, in welchem Spuren von Zweischalern und Korallen zu erkennen sind. Weiter flussabwärts tritt das vulkanische Gerölle zurück, das Konglomerat besteht nur noch aus Marmorkugeln durch Kalkspath an einander gekittet, es wechsellagert mit Bänken von Thon und grobkörnigen Tuffen, in denen spärlich schlecht erhaltene Blatt- und Muschelabdrücke vorkommen; doch gelang es eine zwar plattgedrückte aber doch noch erkennbare fossile Melania zu finden. Diese Bänke mögen wohl 500′ über dem Meeresspiegel liegen.
Im Dunkeln setzten wir, eine Legua oberhalb Mauban, über den schon ziemlich breiten Fluss, auf einem elenden durchlöcherten Bambusfloss, das, mit den Pferden belastet, einen halben Fuss tief einsank und jenseits in einer Sumpfpfütze strandete.
Wegen des Kirchweihfestes am folgenden Tage war das Tribunal mit Menschen gefüllt. Die Cabezas trugen, als Zeichen ihrer Würde, ein kurzes Jäckchen über dem Hemd. An den Wänden standen bunt verzierte Tische voll Obst und Gebäck, in der Mitte des Saales eine gedeckte Tafel für 40 Personen.