Ein Europäer, der ohne Bedienten reist, (mein Diener hatte sich mit einigen Vorschüssen geflüchtet) gilt für einen Landstreicher; ich wurde daher mit zudringlichen Fragen belästigt, liess sie aber unbeantwortet, suchte mir, da ich das geforderte Abendbrot nicht erhielt, in der Küche einige gute Bissen aus den Fleischtöpfen, verzehrte sie von vielen Zuschauern umgeben, und streckte mich, da ich keinen bessern Platz fand, auf der Bank an der gedeckten Tafel, die sich zweimal mit Gästen füllte, zum Schlafen aus. Als ich am folgenden Morgen erwachte, waren schon wieder so viele Menschen anwesend, dass es mir nicht möglich war, mich umzukleiden. In schmutzigem Reiseanzuge begab ich mich zu einem in Pueblo ansässigen Spanier, der mich, sobald mein Pass das durch meinen Aufzug erschütterte Vertrauen hergestellt, auf das liebenswürdigste aufnahm. Mein freundlicher Hausherr trieb nicht unbedeutenden Handel; es lagen zwei englische Schiffe im Hafen, die er für China mit Moláve, einer dem Teak verwandten Holzart befrachtete.

Auf der Rückkehr besuchte ich, wenig seitwärts vom Wege, zwischen Mauban und Lucban, einen schönen Wasserfall Butúcan. Auf einer Sohle von vulkanischem, durch Obsidianmasse verkittetem Tuff, ähnlich dem seltenen Piperno der Pianura bei Neapel, strömt zwischen dicht bewachsenen hohen Tuffwänden ein wasserreicher Fluss und stürzt plötzlich in eine angeblich 360′ tiefe Schlucht, in der er weiter fliesst; die Kluft ist aber so enge, die Vegetation so üppig, dass man ihm von oben nicht mit den Augen folgen kann. Dieser Wasserfall hat grosse Aehnlichkeit mit dem am Abhange des Semeru in Java (s. Reiseskizzen.) Hier, wie dort, bildet ein, über gewaltige Tuffmassen geflossener Lavastrom eine horizontale Fläche, die wiederum vom mächtigen Tuffablagerungen bedeckt ist. Der Fluss hat sich durch diese leicht sein Bett bis auf die harte Lavabank gegraben, bis an ihr Ende fliesst er zwischen hohen, engen, dicht bewachsenen Wänden und stürzt dann jäh in die, von ihm selbst ausgewaschene tiefe Schlucht. Strömender Regen verhinderte mich leider den schönen Wasserfall zu zeichnen. Im Regen erreichte ich das Convento von Majaijái und ebenso verliess ich es nach drei Tagen anhaltenden Regens, da auf Monate hinaus besseres Wetter nicht zu hoffen war. »In Majaijái dauert die Regenzeit 8 bis 9 Monat, während welcher kaum ein Tag vergeht, ohne dass es in Strömen giesst« (Estado geogr. S. 150).

Vulkan Majaijai und San Cristobal.

Vom Thurme des Conventos von Majaijai.

Eine Besteigung des Vulkans war unter solchen Umständen nicht ausführbar. Nach den schriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers von Majaijái ist der Banajáo am 22. April 1858 von den Herren Roldan und Montéro, zwei tüchtigen, mit Revision der Seekarte des Archipels beauftragten spanischen Marine-Offizieren erstiegen und gemessen worden. Sie peilten von der Spitze die Kathedrale von Manila, den Vulkan Máyon in Albay, die Insel Políllo und bestimmten den Gipfel zu 7020 Fuss span., die Tiefe des Kraters auf 700′. Der Krater enthielt früher einen See, der bei dem letzten Ausbruch des Berges, 1730, durch die in der Südwand entstandene Lücke abfloss.[11]

Auf ausgehungerten Frohnkleppern, unter anhaltendem Regen, durch tiefaufgeweichten Thonboden watend, wurde Caláuan erreicht; die Weiterreise nach Manila musste, da in Bay kein Boot zu haben, auf den folgenden Tag verschoben werden. Am nächsten Morgen waren keine Pferde zu bekommen, erst Nachmittags erhielt ich einen Karren und zwei Büffel zur Fahrt nach Sa. Cruz, von wo Abends das Marktschiff nach Manila abgehn sollte. Ein Büffel war vorgespannt, der andre zur Ablösung hinten angebunden. Da Büffel No. 1 nicht zieht, No. 2 auf ebener Strasse als Hemmschuh wirkt, so werden sie gewechselt. Kaum spürt No. 2 die Last hinter sich, als er sich niederlegt. Durch Schläge zum Aufstehn bewogen, geht er bedächtig, aber unaufhaltsam in eine nahe Pfütze, und legt sich darin nieder. Nur mit grosser Mühe gelingt es den Karren los zu machen und rückwärts wieder auf die Strasse zu schieben, während die beiden Thiere ein Schlammbad nehmen. Das Gepäck wird von Neuem aufgeladen, die Büffel wieder in die ursprünglichen Stellen eingesetzt, der Treiber legt sich mit dem Gewicht seines Körpers in das Nasenseil des vorgespannten Thieres und zieht. Der Büffel folgt langsam sammt dem Karren und dem Reservisten. In Pila erhielt ich ein besseres Gespann, mit dem ich spät Abends bei strömendem Regen eine Häusergruppe Sa. Cruz gegenüber erreichte. Das Marktschiff war abgegangen, alle Bemühungen ein Boot zur Ueberfahrt nach dem Dorf zu erlangen, führten nur zu unverschämten Prellversuchen; so ging ich denn in das geräumigste der Häuser, das ich von einer Wittwe und ihrer Tochter bewohnt fand. Nach einigem Zaudern wurde mein Gesuch um Nachtquartier gewährt, ich liess Oel zur Beleuchtung und Nahrungsmittel holen, die Frauen brachten einige Verwandte mit, die bei Zubereitung der Speisen halfen, und als Beschützer im Hause blieben. Am nächsten Morgen ging ich zwischen muntern Gruppen von Badenden durch den Fluss nach Sa. Cruz und erhielt dort ein Boot um über den See nach Pasig, von da nach Manila zu fahren. Gegenwind zwang uns aber auf der Spitze von Jalajala zu landen, und die vor Tagesanbruch eintretende Windstille abzuwarten. Zwischen der äussersten Südspitze und dem Wohnhause sieht man an mehreren Stellen, 15 Fuss hoch über dem Wasserspiegel, Bänke mariner Muscheln, (hauptsächlich Tapes virgineus Lin. Phil. und Cerithium moniliferum Kien.) dieselben, die noch heut an der Meeresküste sehr häufig sind; ein Zeichen dass auch an dieser Stelle Hebungen des Bodens stattgefunden haben.


[1] Voyage en Chine II, 33. [↑]

[2] Informe II, 37. [↑]