Später fand ich Gelegenheit den Gipfel durch ein gutes Fernrohr bei sehr klarem Wetter von Darága aus zu beobachten; es ergab sich dabei, dass der Nordrand die Südseite überragte. (Vergl. d. Zeichnung.)
An mehreren Stellen, wo die Zersetzung besonders stark gewesen, waren breite Rinnen ausgewaschen, auf deren Boden sich gelbe und rothe Salze abgesetzt hatten. Ueber 20′ lange, von der Kuppe herabgeglittene Steinplatten lagen am obern Abhange. Auf der Darága zugekehrten Seite war ein Lavastrom herabgeflossen, dessen Oberfläche aus so feinen lockern Schlacken bestand, dass er wie ein Moosteppich aussah. Die Neigung dieses Stromes betrug über 30°, dennoch hat er unverkennbar eine zusammenhängende Masse gebildet, es kamen Stücke von 5 bis 6′ Länge vor, in der Regel freilich war durch Verschiebung des darunter liegenden Schuttes die 6 Zoll starke Lavadecke in kleinere Stücke zersprungen. An einer Stelle aber, etwa 600′ tiefer, wo sich dieselbe Lava über eine feste Steinplatte ausgebreitet hatte, bildete sie eine mehr als 40′ lange zusammenhängende, nur durch kleine Sprünge zerborstene Platte von 45° Neigung.
Wir hatten noch nicht zwei Drittel des Abhanges hinter uns, als es dunkel wurde. In der Hoffnung die Hütte zu erreichen, wo unsere Lebensmittel zurückgeblieben, irrten wir noch bis gegen 11 Uhr hungrig und müde zwischen grossen Felsblöcken umher und entschlossen uns endlich den Morgen zu erwarten. Dies Missgeschick war nicht durch Mangel an Vorbedacht, sondern durch die Unzuverlässigkeit der Indier veranlasst. Zwei zum Wasser- und Provianttragen mitgenommene Leute waren gleich Anfangs verschwunden, ein dritter zur Bewachung unserer Sachen im Biwuak zurückgelassener »sehr zuverlässiger Mann«, der den Auftrag hatte, uns bei einbrechender Dunkelheit mit Fackeln entgegen zu kommen, war schon Vormittags nach Darága zurückgekehrt. Mein Diener, der eine wollene Decke und einen Schirm für mich trug, verschwand plötzlich im Dunkeln, als es zu regnen begann, und fand mich trotz alles Rufens erst am folgenden Morgen wieder. Wir brachten die regnerische Nacht auf den kahlen Steinen zu, und froren, als unsere sehr dünnen Hüllen durchnässt waren, zum Zähneklappern. Mit Sonnenaufgang wurde es sogleich warm, die gute Laune stellte sich bei Allen wieder ein. Gegen 9 erreichten wir unsere Hütte und erholten uns nach 29stündigem Fasten.
In den Trabajos y Hechos notables de la Soc. econom. de los Amigos del pais ist angeführt unter 4. September 1823: »Das Mitglied D. Antonio Siguenza besuchte den Vulkan von Albay am 11. März und die Gesellschaft befahl eine Denkmünze zu schlagen um die Thatsache festzustellen und besagten Siguenza und seine Gefährten zu belohnen.« In der Provinz Albay aber versichern Alle, dass die beiden Schotten die Ersten waren, denen es gelang den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen. Eine Besteigung des Vulkans ist in obiger Notiz allerdings nicht ausdrücklich erwähnt, die Belohnung lässt es aber vermuthen. Arenas (Memorias 142) sagt: »Der Mayon ist vom Capt. Siguenza gemessen worden. Vom Krater bis zu seiner Basis, die sich im Niveau des Meeres befindet, beträgt seine Höhe 1682 span. Fuss (= 468,66 Meter)« und Seite 143: er habe in den Akten der Soc. economica gelesen, dass sie eine goldene Medaille schlagen liess zu Ehren Siguenza’s (und seiner Gefährten), der 1823 den Krater des Vulkan’s untersucht, doch habe er seine Zweifel gegen letztere Leistung. Nach den Registern des Franziskanerordens sollen 1592 zwei Mönche, um die Eingeborenen von ihrem Aberglauben in Betreff des Vulkanes zu heilen, die Ersteigung versucht haben; der erste kam nicht weit, der zweite, Pater Estevan Solis erreichte zwar nicht den Gipfel, da drei tiefe Schlünde ihm den Weg versperrten, aber auf die blosse Erzählung seiner Abenteuer bekehrten sich hundert Eingeborene zum Christenthum, er starb indessen noch in demselben Jahre »an den Folgen der mannichfachen Temperaturen« denen er bei Besteigung des Berges ausgesetzt gewesen.
In manchen Büchern heisst es, der Berg sei beträchtlich hoch, in andern, auch noch im Estado geografico der Franziskaner von 1855, wo man die gedankenlose Wiederholung eines so groben Druckfehlers nicht erwarten sollte, ist zu lesen, dass seine Höhe nach den Messungen des Capt. Siguenza 1682 Fuss betrage. Die von diesem trefflichen Hydrographen wirklich ermittelte Höhe habe ich nirgends gefunden. Nach meinen Barometermessungen beträgt die Meereshöhe der Gipfelplatte, die aber noch von einzelnen Pfeilern überragt wird, 2374 Meter = 8559 span. Fuss, = 7564 Rh. Fuss.
Der erste Ausbruch des Mayon oder Albay, den Al. Perrey verzeichnet, ist vom Februar 1616: »Anchoras suas 19. Februarij ad maximam insulam projecerunt, quae Lucon appellatur, et in qua sita est urbs Manila ..... videruntque incredibilis altitudinis montem perpetuo igne flagrantem, Albaca nomine, plenum sulphure (Nach Spilbergens Reise in Th. de Bry Americae t. XI.) App. p. 26 Francf. 1620 Fol.«
Am 23. October 1766 fand ein furchtbarer Ausbruch statt, der die Ortschaft Malináo gänzlich zerstörte, und in Cagsáua, Camálig, Budiáo, Guinobátan, Polángui und Ligáo grosse Verheerungen anrichtete. Nach einem Brief des Alkalden der Provinz (Legentil II, S. 14 giebt eine Uebersetzung, Al. Perrey S. 71 einen Auszug aus dieser) entzündete sich der Berg am 20. Juli und brannte 6 Tage lang. Die Flamme hatte zuerst die Gestalt einer Pyramide, allmälig wurde sie niedriger, die Spitze erschien entflammt. Vom Gipfel ergoss sich nach Osten ein Lavastrom, der 120 Fuss breit zu sein schien, und 2 Monate lang beobachtet wurde. Am 23. October spie der Vulcan während eines sehr heftigen Sturmes, der gegen 7 Uhr Abends aus WNW. begann und um 3 Uhr Morgens plötzlich nach S. umsprang und dabei alle Hütten des Dorfes zerstörte, eine so gewaltige Menge Wasser aus, dass zwischen Tíbog und Albáy mehrere Flüsse von 30 Varas Breite entstanden, die mit grosser Wasserfülle und Gewalt in das Meer liefen und bei Fluth nicht zu durchfurthen waren. . . . »Zwischen Bacacáy und Malináo betrug die Breite der Flüsse über 80 Varas. Von Cemálig nach dem Innern von Sayaras Provinz Naya, ist das Land so verändert, dass man die Strassen nicht wieder erkennt. Malináo ist gänzlich zerstört, fast alle Hütten fortgerissen, die Felder sind mit Sandhaufen bedeckt; ein Drittel von Cagsáva ist gleichfalls vernichtet, der Ueberrest bildet eine Insel oder vielmehr einen von tiefen breiten Schluchten umgebenen Berg, durch welche der Strom von Sand und Wasser geflossen ist. Dieser Strom hat in Cemálig, Guinobatam, Liga und Bolangui noch grössere Verheerungen angerichtet. . . Im SW. sind die Palmen und andere Bäume bis an ihre Wipfel begraben worden. . . . In Albay wurden 18, in Malináo über 30 Leichname gefunden. . . es hat allen Anschein, dass die ungeheuere Wassermasse aus dem Innern des Vulkans gekommen ist. . .«
1800 fand abermals ein verheerender Ausbruch statt, der Berg schleuderte viel Steine, Sand und Asche aus (Fr. Aragoneses).
Der Ausbruch vom 1. Febr. 1814 war aber bei weitem der schlimmste. Al. Perrey S. 85 giebt einen Auszug aus der Beschreibung eines Augenzeugen.[3] Um 8 Uhr Morgens warf der Berg plötzlich eine dicke Säule von Steinen, Sand und Asche aus, die sich schnell bis in die höchsten Luftschichten erhob. . . Die Seiten des Vulkans verschleierten sich und verschwanden vor unsern Blicken. Ein Feuerstrom stürzte vom Berge herab und drohte uns zu vernichten. . . Alles floh und suchte die höchsten Punkte auf. Das gewaltige Geräusch des Vulkans setzte alles in Schrecken. Die Finsterniss nahm zu . . die Fliehenden wurden zum Theil von den herabfallenden Steinen erschlagen. . . die Häuser gewährten keinen Schutz, da die glühenden Steine sie in Brand steckten. So wurden die blühendsten Ortschaften von Camarines in Asche gelegt. Gegen 10 Uhr hörte das Herabfallen der grossen Steine auf, ein Sandregen trat an die Stelle; um halb zwei Uhr liess das Getöse etwas nach, der Himmel klärte sich allmälig auf. . Der Boden war mit Leichen und Schwerverwundeten bedeckt, in der Kirche von Budiáo waren 200, in einem Hause desselben Ortes 35 Personen umgekommen. Fünf Ortschaften in Camarines sind gänzlich, Albay zum grossen Theil zerstört. Zwölftausend Personen kamen um, viele sind schwerverwundet, die Ueberlebenden haben alles verloren. Der Anblick des Vulkans ist traurig und schrecklich, seine vorher so malerischen, reich bebauten Abhänge sind mit Sand bedeckt, furchtbar dürr . . die Schicht von Steinen und Sand ist 10 bis 12 Varas dick. Wo früher das Dorf Budiáo stand, sind die Kokosbäume bis an ihre Wipfel begraben. In den andern Dörfern ist die Schicht nicht weniger als eine halbe Elle dick. . . Die Spitze des Vulkans hat, so weit ich es beurtheilen kann, über 120 Fuss an Höhe verloren, an der Südseite entdeckt man eine ungeheure Oeffnung; drei andre Mündungen haben sich in geringer Entfernung vom Hauptschlunde aufgethan; sie stossen noch Asche und Rauch aus . . . die schönsten Ortschaften von Camarines und der beste Theil der Provinz sind in eine unfruchtbare Sandwüste verwandelt.« — Im Estado geogr. ist ein Auszug aus der Schrift eines andern Augenzeugen, Pater Franc. Tubino, aus Guinobátan von 1816 enthalten; es heisst darin: Nach häufigen Erdstössen am vorhergehenden Abend und starken Erschütterungen am Morgen spie der Berg plötzlich aus seinem Rachen etwas wie Schnee aus, das sich pyramidenförmig erhob, und die Gestalt eines schönen Federbusches annahm. Da die Sonne hell schien, so gewährte die vernichtende Erscheinung verschiedene schöne Anblicke. Der Berg war an seinem Fuss schwarz, weiter aufwärts dunkel, in der Mitte bunt, oben aschfarben. Während der Betrachtung des Schauspiels wurde ein heftiger Erdstoss verspürt, gefolgt von starkem Donner. Der Berg fuhr fort Lava mit Gewalt auszustossen, während die Wolke, die er bildete, sich allmälig vergrösserte. Die Erde wurde verdunkelt, die Luft brannte, man sah aus der Erde Blitze und Funken kommen, die sich durchkreuzten und ein furchtbares Gewitter bildeten. Darauf folgte unmittelbar ein Regen von grossen, brennenden und verbrannten Steinen, die alles was sie trafen vernichteten und verbrannten, bald darauf kleinere Steine, Sand und Asche. Dies währte über drei Stunden, die Dunkelheit etwa fünf. Die Städte Camálig, Cagsáua, Budiáo, die Hälfte von Albáy und Guinobátan wurden verbrannt und zerstört. Die Dunkelheit verbreitete sich sehr weit — bis nach Manila und Ilócos, die Asche soll, wie einige versichern, bis nach China geflogen, der Donner in vielen Theilen des Archipels gehört worden sein.