NEUNTES KAPITEL
DER VULKAN MAYON ODER ALBAY UND SEINE AUSBRÜCHE.
Durch Vermittelung meiner spanischen Freunde gelang es mir, ein bequemes Haus in Darága zu miethen,[1] einem wohlhabenden Pueblo von beinahe 20,000 E. am SSO. Fuss des Mayon 1½ Leguas von Legáspi. Dieser Vulkan galt für unersteiglich bis zwei junge Schotten, Paton und Stewart, im April 1858 das Gegentheil bewiesen.[2] Nach ihnen waren mehrere Eingeborene oben gewesen, aber kein Europäer.
Vulkan Albay oder Mayon
aufgenommen von Convento von Daraga.
Ich brach am 25. Sept. Abends auf und übernachtete, auf Herrn Muñoz Rath, in einer Hütte 1000 Fuss über dem Meere, um am folgenden Morgen die Besteigung mit frischen Kräften zu beginnen. Aber zahlreiche Müssiggänger, die bis dahin gefolgt waren, vereitelten durch ihren Lärm im Biwuak die freundliche Absicht des Rathgebers; nur wenig erquickt trat ich um 5 Uhr Morgens den Weg an. Der Nachts am Gipfel wahrzunehmende Feuerschein verschwand mit Tagesanbruch. Nachdem man einige hundert Fuss weit durch 6′ hohes Gras gestiegen, folgt kurzes Gras auf einer Strecke von etwa tausend Fuss, dann Flechten; auch diese hören bald auf. Der ganze obere Theil des Berges ist ein kahler Schutthaufen. So weit das Gras reicht, wachsen Casuarinen; sie bilden zuerst ein Gehölz, das sich aber nach oben in kleine Gruppen und einzelne, zwischen gewaltigen Felsblöcken mühsam fortkommende Bäumchen auflöst. Um Ein Uhr erreichten wir den Gipfel. Er war nach allen Richtungen von Spalten zerrissen, aus denen heisse schwefligsaure und Wasser-Dämpfe in solcher Menge drangen, dass wir, um athmen zu können, Mund und Nase mit Tüchern verbanden.
An einer tiefen breiten Schlucht, wo die Dampfentwickelung besonders heftig und massig war, machten wir Halt; wahrscheinlich standen wir am Rande eines Kraters; doch konnte man keine klare Uebersicht der Verhältnisse erlangen, da die Dichtigkeit der aufsteigenden Dampfwolken es unmöglich machte die Breite der Klüfte zu übersehn. Die Kuppe bestand aus etwa zwei Fuss mächtigen Bänken festen Gesteins, unter einer von schwefliger Säure gebleichten Schlackenkruste. Viele regellos umherliegende prismatische Blöcke zeigten, dass der Gipfel früher höher war. Auch wurden einigemale, als starke Windstösse Lücken in die Dampfwolke rissen, gen Norden mehr als hundert Fuss hohe Felsenpfeiler sichtbar, die der Verwitterung und dem Ausbruch von 1814 (s. unten) bisher widerstanden hatten.