vor Anker liegend aufgenommen.
Der Vulkan Bulusán, »der lange erloschen schien, 1852 aber wieder zu dampfen begann«[2], wiederholt in überraschender Weise die Formen des Vesuv. Wie dieser zeigt er zwei Spitzen, im Westen eine glockenförmige Kuppe, den Eruptionskegel; im Osten, als Rest eines grossen Ringgebirges einen hohen Bergzacken, der dem Monte Somma entspricht; deutlich erkennt man daran die dem äussern Abhange parallele Schichtung. Wie beim Vesuv steht der Eruptionskegel im Mittelpunkte des alten Kraterwalles; der Zwischenraum, der ihn von der gegenüberliegenden Bergwand trennt, der alte Kraterboden ist beträchtlich grösser und viel unebener als das Atrio del Cavallo am Vesuv.
Die Strömung ist in der San Bernardino Strasse so stark, dass wir zweimal ankern mussten, um nicht zurückzutreiben. Wir hatten fortwährend vor uns den schönen Vulkan, mit dem Dörfchen Bulusán, das auf seiner Ostseite in einem Kokoshain hart am Strande liegt. Mit schwachen unstäten Winden mühsam gegen die Strömung kämpfend, gelangten wir erst am folgenden Abend nach Legaspi, dem Hafen von Albay.
Der Schiffskapitän war ein Spanier, und hatte sich bemüht die Reise so schnell als möglich zu machen. Auf der Rückkehr von Leyte fuhr ich mit einem eingeborenen Kapitän. Da diese Fahrt manche Eigenthümlichkeiten darbot, so mögen des Vergleichs wegen einige bezeichnende Züge derselben aus meinem Tagebuch Erwähnung finden: ... Der Kapitän wollte Gemüse für mich mit nehmen, hat es aber »vergessen«. Er landet auf einer kleinen Insel und kommt nach einiger Zeit mit einem grossen Palmenkohl zurück, den er in Abwesenheit des Eigenthümers aus einer zu dem Zweck gefällten Kokospalme geschält hat.... Ein andrer Theil der Mannschaft war inzwischen nach einem Dörfchen, an der NW. Spitze von Leyte gefahren, um Lebensmittel zu kaufen. Anstatt sich im Hafen von Taclóban, vor der Abfahrt zu verproviantiren, ziehn die Schiffer meist vor, es in irgend einem Dorf der schmalen Strasse zu thun, wo es billiger als dort ist, und sie zugleich Gelegenheit haben sich ein wenig am Lande umher zu treiben. Diese, kaum eine Seemeile breite, durch dazwischen liegende Inseln stellenweis auf weniger als tausend Fuss eingeengte San Juanico Strasse ist zwanzig Seemeilen lang; die Schiffe brauchen aber zuweilen eine Woche um durchzufahren; denn bei widrigen Winden und Strömungen wird geankert und ebenso Nachts an schmalen Stellen. Gegen Abend meint unser Kapitän, der Himmel sähe recht bedenklich aus; er läuft daher in die Bucht von Návo auf Masbáte. Das Schiff geht vor Anker, er und ein Theil der Mannschaft gehn an’s Land.
Am folgenden Tag war Sonntag, »der Himmel schien schon Nachmittags recht bedenklich«, auch hatte der Kapitän Einkäufe zu machen. Das Schiff ankerte vor Magdalena auf Masbáte, wo die Nacht zugebracht wird. Am Montag fuhren wir mit günstigstem Winde in schneller Fahrt an Marindúque und der südlich davor liegenden kleinen Felseninsel Elefante vorbei. Elefante scheint der Rest eines Kraters, hat dieselbe Form wie der Yriga, ist aber nicht halb so hoch, mit Futtergras bedeckt, und hat Baumgruppen in den Schluchten. Es sollen tausend Stück halbwilde Rinder darauf weiden. Ihr Preis ist 4 Doll., Fracht nach Manila 4 Doll., dortiger Werth 16 Doll. Durch die Schiffer wird viel Vieh gestohlen, da es fast ohne Aufsicht ist. Mein indischer Kapitän bedauerte sehr, dass der günstige Wind ihm nicht zu landen gestatte — vielleicht war ich ihm im Wege? »Das schöne Vieh! wie gut liessen sich ein paar Köpfe für das Schiff einthun! Es hat kaum einen Herrn; die reichen Eigenthümer wissen gar nicht, wie viel sie besitzen, und der Bestand vermehrt sich fortwährend ohne ihr Zuthun.... Man steckt sich ein paar Dollar in die Tasche, kommt ein Hirt, so giebt man ihm einen Dollar, und der arme Mann ist glücklich; kommt Niemand, um so besser, man kann auch allein fertig werden, ein Schuss oder eine Wurfschlinge reichen hin«.... Ein Schiff »Luisa« kommt uns entgegen, es macht ein sonderbares Manöver, bald hören wir lauten Jubel, denn es ist ihm gelungen einen, von den Fischern von Marinduque auf den Boden des Meeres hinab gelassenen Fischkasten zu stehlen, indem es mittelst herabgelassener Haken, das Tau der Boye geschickt zu packen wusste. Unser Kapitän ist ausser sich vor Neid.
Legaspi ist der Haupthafen der Provinz Albay, weil er inmitten des Abacágebietes liegt. Seine Rhede ist aber sehr unsicher; in den Wintermonaten, weil sie den NO. Stürmen offen, nicht zu benutzen.
Der NNO. ist der herrschende Wind an dieser Küste; der SW. ist kaum zwei Monate, Juni und Juli, beständig. Die stärksten Stürme finden zwischen Oktober und Januar statt. Sie beginnen meist mit schwachem Westwind, von Regen begleitet, gehn nach N. oder S., und erreichen ihre grösste Heftigkeit in NO. oder SO. Nach dem Sturm tritt gewöhnlich Windstille ein, worauf der Wind des herrschenden Monsun wieder zur Geltung kommt. Die leicht gebauten, elastischen Häuser der Gegend widerstehen den Stürmen sehr gut, aber Dächer, auch schadhafte Häuser werden häufig fortgerissen. Die Schifffahrt zwischen Manila und Legáspi dauert höchstens von Januar bis Oktober, während der Herbstmonate hört alle Wasserverbindung auf. Nur die Briefpost kommt dann ziemlich regelmässig jede Woche an. Schweres Gepäck kann in dieser Jahreszeit nicht anders befördert werden, als auf grossem Umwege mit bedeutenden Kosten zur Südküste, von da zu Schiffe nach Manila. Viel günstiger für die Schifffahrt liegt der Hafen von Sorsogón, dessen nach Westen offene Bucht durch die quer davor liegende Insel Bagaláo geschützt ist. Ausser der Sicherheit hat er den Vortheil der schnelleren, nie unterbrochenen Verbindung mit der Hauptstadt des Archipels, während die Schiffe von Legáspi, in den Monaten, wo Schifffahrt überhaupt möglich bei jeder Reise das östliche Ende Luzon’s umkreisen müssen, bei der starken Strömung der S. Bernardino Strasse, oft ein sehr schwieriges Unternehmen. Kleinere Schiffe sind dann während sie ankern überdies in grosser Gefahr von Seeräubern genommen zu werden. Aber Sorsogón hat kein so fruchtbares Hinterland wie Legáspi.
Ich brachte Empfehlungen an die beiden angesehensten Spanier der Provinz mit. Sie nahmen mich auf das liebenswürdigste auf, und waren mir, während der ganzen Dauer meines Aufenthalts in dieser Gegend, von grösstem Nutzen. Auch hatte ich das Glück hier einen Alkalden zu treffen, der dem Beamtenstande jedes Landes zur Zierde gereicht haben würde. Von guter Familie, liebenswürdig im Umgang, ein ächter Caballero. Um seine Rechtlichkeit zu bezeichnen wurde in Sámar von ihm gesagt, mit einem Aktenbündel unter dem Arm sei er dort angekommen und ebenso wieder abgegangen.
[1] Von Ponte, Verdeck, zweimastige Schiffe mit Mattensegeln von etwa 100 Tonnen. [↑]