Die Zahl der Schiffe, die hier Zuflucht suchten, stieg auf zehn, darunter drei Schoner. Ein kleiner Pontin[1] versuchte jeden Morgen auszulaufen, kaum aber hatte er sich die See draussen angesehen, als er wieder umkehrte und von den übrigen mit höhnischem Jubel begrüsst wurde. Der Hunger machte ihn so kühn. Die Mannschaft, die ihre eigenen Produkte nach Manila gebracht, hatte den Erlös der Ladung verspielt und war ohne Proviant ausgelaufen, in der Hoffnung, ihre Heimat schnell wieder zu erreichen, was wohl auch bei günstigem Winde gelungen wäre. Solche Fälle kommen nicht selten vor. Mehrere Eingeborne miethen zusammen ein kleines Schiff, laden ihre Erzeugnisse ein und fahren sie nach Manila zum Verkaufe. Die Strasse zwischen den Inseln gleicht einem schönen breiten Strom mit entzückenden Uferlandschaften voll kleiner Niederlassungen. Gegen Abend finden die Seefahrer das Wetter häufig bedenklich und legen an, um den Morgen zu erwarten. Die gastliche Küste bietet ihnen Fische, Krabben, Muscheln in Fülle, häufig auch ungehütete Kokosnüsse; — ist sie bewohnt, um so besser. Die Gastfreundschaft zwischen den Indiern ist sehr gross und umfassender als in Europa. Die Gäste vertheilen sich in die einzelnen Hütten. Nach gemeinschaftlicher Mahlzeit, bei der es nicht an Palmwein fehlt, werden die Matten auf den Boden des Hauses ausgebreitet, die Lampe, eine grosse Schnecke mit Binsendocht, verlöscht und Alles schläft zusammen. Als ich einmal nach fünftägiger Fahrt in die Bay von Manila einlief, überholten wir ein Schiffchen, das aus derselben Gegend wie ich, abgefahren war, um Kokosöl nach Manila zu bringen und sechs Monat auf seinem Argonautenzuge zugebracht hatte. Nicht selten wird dann die Ladung in der Hauptstadt verprasst, wenn es nicht schon unterwegs geschehn.

Als sich der Sturm endlich gelegt, verlassen wir Abends den Hafen von Mariveles. Vor der Einfahrt liegt eine kleine vulkanische Felseninsel aus säulenförmig abgesondertem Gestein von ganz auffallender Aehnlichkeit mit der Cyclopen-Insel bei Trezza (Sizilien). Wie dort, so auch hier eine spitze Pyramide, daneben ein kleines flaches Eiland. Wir fahren die Küste von Cavite entlang bis zur Punta Santiago, der SW. Spitze Luzon’s, und wenden dann östlich, in die schöne Seestrasse ein, die im Norden durch Luzon, im Süden durch die Bisaya-Inseln begrenzt wird. Mit Sonnenaufgang enthüllt sich ein herrliches Bild vor unseren Augen. Im Norden erhebt sich der Vulkan Taal über das Flachland von Batangas, im Süden die dicht bewaldete Felsen-Küste von Mindoro (anscheinend Kalk) mit ihrem Hafen Porto Galera, dem eine kleine davor liegende Insel als Wellenbrecher dient. Dichte Züge von Schiffen, die den Sturm in den Bisaya-Häfen abgewartet, kommen uns, auf ihrem Wege nach Manila, entgegen.

Denn dies ist die grosse Verkehrsstrasse des Archipels, die sich von SO. nach NW. erstreckt, und das ganze Jahr fahrbar bleibt, da sie durch den nach SO. ausgestreckten Arm Luzon’s und die in gleicher Richtung streichende Insel Sámar gegen den Anprall der NO. Stürme und gegen die aus SW. durch die Bisayas geschützt ist. Die Inseln Mindóro, Panáy, Negros, Cebú und Bojól folgen auf einander, bilden den südlichen Saum der Strasse und bieten in ihren Zwischenräumen eben so viele nach S. geöffnete Queergassen zur Mindoro See, die im W. von Paláuan, im O. von Mindanao, im S. vom Sulu(Jólo)-Archipel begrenzt wird. Vor das Ost-Ende lagern sich die Inseln Sámar und Leyte die nur drei schmale Strassen zum grossen Ozean offen lassen: die Engen von S. Bernardino, S. Juaníco und Surigáo. Mehrere grössere und unzählige kleine Inseln liegen innerhalb dieser flüchtig angedeuteten Umrisse.

Zwei grosse Buchten in der Südküste von Batángas bieten den Schiffen Ankergrund, doch nur geringen Schutz, so dass diese bei schlechtem Wetter nach Porto Galéra auf der gegenüber liegenden Insel Mindóro flüchten. Taal, der Haupthafen der Provinz ist mit dem grossen Binnensee von Taal oder Bombón durch einen nur 1½ Leguas langen Fluss verbunden, der früher schiffbar, jetzt so verschlämmt ist, dass nur bei Fluth kleine Schiffe in den See gelangen können. Durch Ausbaggern des Flüsschens liesse er sich in einen grossen Binnenhafen verwandeln. Die Provinz Batángas liefert das beste Vieh nach Manila, und führt Zucker und Kaffee (1865 16,000 Picul) aus.

Vulkan Bulusan von Osten

im Vorbeisegeln aufgenommen.

Auf Luzon steigen Reihen von Bergen auf, deren schöne Umrisse vulkanischen Ursprung vermuthen lassen. Die südlichen Inseln scheinen meist aus geschichtetem Gebirge zu bestehn. Sie endigen gewöhnlich in schroffen, bis an den Rand bewaldeten Klippen. Der weithin sichtbare, von allen Seiten gleiche, drehrunde Máyon oder Albáy bildet den Hauptpunkt der Landschaft. Abends erscheint uns auf der südöstlichen Spitze Luzon’s der Bulusán, und alsbald wenden wir nördlich in die enge San Bernardino Strasse, die Luzon von Samar trennt.

Vulkan Bulusan von SSW