Die ehemaligen Alkalden, die ohne vorhergehende Uebung in amtlichen Geschäften, oft ohne Bildung und Kenntnisse und ohne die zu einem so verantwortlichen einflussreichen Amte erforderlichen geistigen und moralischen Eigenschaften, ihre Stellen kauften oder sie durch Gunst erwarben, empfingen vom Staat ein nominelles Gehalt und zahlten ihm eine Patentsteuer für die Berechtigung Handel zu treiben. Nach Arenas (S. 444) galt diese Patentsteuer als eine den Alkalden für Uebertretung des Gesetzes auferlegte Geldstrafe: »denn da ihnen durch verschiedene Gesetze[5] jede Art Handelsbetrieb untersagt war, so geruhte S. Majestät dennoch, ihnen die Erlaubniss dazu zu ertheilen.«[6] Dieser Unfug wurde erst durch R. D. 23. September und 30. Oktober 1844 aufgehoben.
Die Alkalden waren Guvernöre und Richter, Befehlshaber der Truppen und zugleich die einzigen Händler in ihrer Provinz.[7] Sie kauften in Manila die Sachen, die in ihrer Provinz gebraucht wurden, gewöhnlich mit Geld der obras pias; (s. S. 14, Anmerkung 17) denn sie selbst kamen ohne alles Vermögen nach den Philippinen. Die Indier mussten dem Alkalden ihre Produkte verkaufen und seine Waaren abnehmen zu Preisen die er selbst feststellte.[8] Unter solchen Verhältnissen waren die Priester die Einzigen, welche die Indier gegen diese Blutsauger schützten, wenn sie nicht, was auch zuweilen vorkam, mit ihnen gemeinschaftliche Sache machten.
Gegenwärtig sendet die Regierung Rechtskundige als Alkalden in die Philippinen, die etwas besser besoldet sind, und nicht Handel treiben dürfen. Ueberhaupt ist die Regierung bemüht den Einfluss der Curas zu mindern, den der Zivilbehörden zu vermehren, was ihr indessen nur sehr unvollkommen gelingen wird, wenn sie nicht die Amtsdauer der Alkalden verlängert und letztere so stellt, dass sie nicht in Versuchung kommen Nebenverdienste zu machen.[9]
Ich finde in Huc[10] eine Stelle über die Folgen des schnellen Beamtenwechsels in China, die manche zu beherzigende Winke enthält:
. . . »Weil die Magistratur nicht mehr Personen anvertraut wird, die Freunde der Gerechtigkeit sind, sieht man dies ehemals so blühende und wohl regierte Reich von Tag zu Tag verfallen und einer furchtbaren, vielleicht nahen Auflösung entgegeneilen.
Wenn wir die Ursachen dieser allgemeinen Zersetzung, dieser Verderbniss aufsuchen, die sichtlich alle Klassen der chinesischen Gesellschaft auflöst, so glauben wir sie in einer wichtigen Abänderung des alten Regierungssystems zu finden, welche die Mantschu-Dynastie eingeführt hat. Es wurde bestimmt, dass kein Mandarin sein Amt länger als drei Jahre an demselben Ort ausüben dürfe, und dass Niemand in seiner eigenen Provinz Beamter sein könne. Man erräth leicht den Gedanken, der ein solches Gesetz ersann. Sobald die Mantschu-Tartaren sahen, dass sie Herren des Reichs waren, erschraken sie über ihre geringe Zahl, die in dieser unzähligen Menge von Chinesen wie verloren war . . . Das Ansehn, welches die hohen Beamten in den Provinzen genossen, konnte ihnen grossen Einfluss geben um das Volk aufzureizen . . .
Die Magistratspersonen, die nur einige Jahre auf demselben Posten verbleiben dürfen, leben darin wie Fremde, ohne sich um die Bedürfnisse der von ihnen regierten Bevölkerung zu kümmern, kein einziges Band verknüpft sie mit derselben, ihre ganze Sorge besteht darin, so viel Geld als möglich zusammen zu schlagen, um später an einem andern Orte dasselbe Geschäft von neuem zu beginnen, bis sie endlich in ihre Heimat zurückkehren und ein Vermögen geniessen können, das sie nach und nach in den verschiedenen Provinzen erpresst haben . . . Sie sind ja nur Vorübergehende — was schadet es? morgen ziehen sie an das andre Ende des Reichs, wo sie das Schreien der von ihnen geplünderten Opfer nicht mehr hören. . . So sind die Mandarinen selbstsüchtig und gegen das Gemeinwohl gleichgültig geworden. Der Urgrundsatz der Monarchie ist vernichtet, denn der Magistrat ist nicht mehr ein Familienvater, der inmitten seiner Kinder lebt, sondern ein Marodör, der ankommt, ohne dass man weiss woher, und wieder abzieht, niemand weiss wohin? Daher stockt alles . . . man sieht nicht mehr, wie ehedem, jene grossen Unternehmungen . . Heut wird nicht nur nichts Aehnliches ausgeführt, man lässt die Werke früherer Dynastien gänzlich verfallen . . . Der vorübergehende Mandarin sagt sich: Wozu soll ich unternehmen was ich doch nicht vollenden kann? warum sollte ich säen, damit ein Andrer ernte? . . . Die Mandarinen sind niemals mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit vertraut. Am häufigsten sehn sie sich plötzlich inmitten einer Bevölkerung versetzt, deren Sprache sie nicht verstehn. Wenn die Mandarine in ihrem Mandarinat ankommen, so finden sie dort fest angesessene Dolmetscher vor, subalterne Beamte, die, weil sie mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit vertraut sind, ihre Dienste unentbehrlich zu machen wissen; sie sind im Grunde die eigentlichen Verwalter.«
In den Philippinen ist letzteres Amt unentbehrlich, da der Alkalde nie die Landessprache versteht; zum Glück für Spanien muss es in wichtigen Angelegenheiten der eingeborene Schreiber meist mit dem Cura theilen, der in vielen Fällen die eigentliche Behörde ist. Er kennt den Charakter der Insassen, und alle ihre Angelegenheiten, wobei ihm der intime Verkehr mit den Frauen sehr zu Statten kommt. Wie mir 1867 ein hoher Beamter in Madrid mittheilte, lag damals dem Minister ein Antrag zur Erwägung vor, wodurch die Beschränkung der Amtsdauer auf drei Jahre aufgehoben werden sollte.[11] Die ihr zu Grunde liegende Furcht, dass der Beamte in einer entfernten Provinz zu mächtig, sein Einfluss dem Mutterlande gefährlich werden könne, passt nicht mehr in die heutigen Verhältnisse. Die Verkehrserleichterungen haben die frühere Abgeschlossenheit der fernen Provinzen aufgehoben. Die neuen Zollgesetze, die wachsende Nachfrage nach Kolonialprodukten, das den Fremden gewährte Niederlassungsrecht müssen eine bedeutende Steigerung des Landbaus, des Handels und einen entsprechenden Zuzug von Weissen und Chinesen zur Folge haben. Dann wird an Stelle jener Bedenken die Notwendigkeit treten, das Ansehn und den Einfluss der Beamten zu heben, durch Verminderung ihrer Zahl, sorgfältige Wahl der Personen, Beförderung nach Fähigkeit und Leistung, angemessene Besoldung und langen Verbleib in einer Stelle. Voraussichtlich werden besonders die Beziehungen mit Californien und Australien lebhaft werden. Aus diesen freien Ländern werden freie Ideen eindringen. Der Wohlstand der Mestizen wird beträchtlich zunehmen, um so ungeduldiger werden sie die wirkliche oder eingebildete Zurücksetzung der Regierung, den Hochmuth ungebildeter Spanier ertragen. Dann wird das Mutterland ernstlich zu erwägen haben, ob es klug ist, die Kolonie ferner durch Monopole und Geldentziehungen auszubeuten und einer unnützen, hungrigen Beamtenschaar preiszugeben.[12] Englische und holländische Kolonialbeamte werden für ihren schwierigen verantwortlichen Dienst besonders ausgebildet, erlangen ihre Anstellung durch ein strenges Examen in der Heimat, und rücken in der Kolonie nur allmälig je nach ihren Fähigkeiten in die höheren Stellen ein. Wie ganz anders werden die Philippinen mit Beamten versorgt. Ob es aber Spanien gelingen wird, einen den neuen Verhältnissen gewachsenen Beamtenstand zu schaffen, ist schwer vorauszusagen, werden doch in Spanien selbst die Aemter nicht sowohl durch Befähigung und Verdienst als durch politische Intriguen erlangt und eingebüsst.[13]