[12] Ein Weltgeistlicher in den Philippinen erzählte mir ganz unbefangen, was ihn zur Wahl seines Berufes veranlasst habe. Als Unteroffizier spielte er einst Karten auf einem schattigen Balkon: »Seht, rief einer seiner Kameraden, wie die Esel dort schwitzen, damit wir hier faulenzen können,« indem er auf die Bauern wies, die in voller Sonnengluth den Acker bestellten. Der glückliche Gedanke die Esel für sich arbeiten zu lassen, machte einen so tiefen Eindruck auf ihn, dass er sofort beschloss, Geistlicher zu werden, wobei ihm sein ehemaliger Besuch einer lateinischen Schule zu Statten kam. Derselbe Gedanke hat wohl auch manchen mittellosen Caballero zur Wahl des Beamtenstandes geführt. Die geringe Achtung der bürgerlichen Arbeit in Spanien und Portugal, die Aussicht auf Nebenverdienste namentlich in den Kolonien tragen das Ihrige dazu bei. [↑]
[13] Ausbeutung des Staates durch die Parteien, Ausbeutung der Parteien durch die Personen . . . das eigentliche Geheimniss aller Revolutionen, ein über alle Maassen widerwärtiger Aemterkrieg . . . Man mag nicht arbeiten und will doch glänzend leben. Man kann es nur auf Kosten des Staats, den man gewissenlos ausbeutet. . . Es gab Orte wo (nach Vertreibung Isabela’s) das Amt eines Alkalden dreimal an einem Tage gewechselt wurde. . . (Preuss. Jahrb. Januar 1869.) [↑]
Dorf Batu.
Tribunal. Bambus.
DREIZEHNTES KAPITEL
REISEN IN SÜD-CAMARINES, FORTSETZUNG. — BATU-SEE. — INDISCHE PRIESTER. — NIEDERLASSUNG VON WILDEN. — FEIER DER KREUZBULLE. — BUHI-SEE. — VULKAN YRIGA. — ANANASFASERN. — PFEILGIFT. — BLUTEGEL. — SOLFATARE YGABO. — KIESELSPRUDEL VON TIBI.
Anderthalb Stunden nach der Abfahrt von Polángui erreichten wir den Ort Bátu, in der NW. Ecke des gleichnamigen Sees. Die Leute, besonders die Frauen fielen mir wegen ihrer Hässlichkeit und geringen Reinlichkeit auf. Obgleich sie unmittelbar am See wohnen und täglich ihr Trinkwasser daraus schöpfen, scheinen sie nur selten darin zu baden. Die Strassen des Dorfes sind gleichfalls schmutzig und vernachlässigt, was zum Theil wohl daran liegt, dass der Geistliche ein Eingeborner ist.
Der Bátu-See nimmt im November, zu Ende des Regenmonsun, einen viel grösseren Raum ein als in der trockenen Jahreszeit und ist dann, besonders in der SW. Ecke, weit über seine flachen Ufer getreten. Eine grosse Menge von Wasserpflanzen wächst an den seichteren Stellen, namentlich aber ist eine zierliche Alge[1], nicht dicker als Pferdehaar, aber sehr verästelt und endlos durch einander fortwachsend, in so ungeheurer Fülle vorhanden, dass sie eine hinreichend starke Decke bildet, um grosse Wasservögel zu tragen. Zu hunderten gehn sie darauf spazieren und fressen kleine Fische und Garnelen, welche zwischen den Maschen dieses Netzwerkes wimmeln und ihnen bequem zur Beute fallen. Auch von den Eingeborenen werden letztere massenhaft mit gestielten Netzen aus dem Wasser geschöpft und theils frisch, theils wie alter Käse durch Fäulniss pikanter gemacht, zum Reis gegessen. Diese kleinen Krebse sind durchaus nicht auf den Bátu-See beschränkt. Im Süss- und Brackwasser des philippinischen und indischen Archipels und hinterindischen Festlandes werden sie (oder verwandte Arten) in zahllosen Mengen gefangen und bilden gesalzen, gedörrt, in Salz- oder Gewürzbrühen eingemacht, auch in Form von Pasten wichtige Nahrungsmittel oder Kondimente. Sie fehlen auf keinem Markte und sind Gegenstand nicht unbedeutender Ausfuhr nach China.[2] Es gelang mir nicht von den Wasservögeln zu schiessen, da das dichte Pflanzengewirr den Nachen nicht hinreichend nahe kommen liess.