LEBENSWEISE UND SITTEN DER BICOLINDIER.
Bei der zweiten Reise nach Camarínes, die ich im Februar unternahm, fuhr ich zu Wasser von Polángui über Bátu bis Nága. Der Quináli, der SO. in den Batusee fliesst, tritt am Nordrande als Bicolfluss wieder aus, und läuft in NW. Richtung bis zur Bay von S. Miguél. Er vermittelt einen nicht unbedeutenden Handel zwischen Albáy und Camarínes, namentlich in Reis, da der in erster Provinz gewonnene für die in Folge des Abacábau’s sehr gestiegene Bevölkerung nicht ausreicht und Camarínes Ueberfluss davon hat. Der Reis wird in grossen Kähnen flussaufwärts bis Quináli geschafft und von dort in Büffelkarren weiter verführt; die Boote gehn leer zurück. Die Breite des sehr windungsreichen Bicol beträgt in der trocknen Jahreszeit am Seeausfluss wenig über 60 Fuss und nimmt nur sehr allmälig zu. Die Vegetation der Ufer bietet ziemliche Abwechslung, besonders anziehend ist das Thierleben, namentlich das Treiben der zahlreichen Affen und Wasservögel. Unter letzteren waren Plotus (P. melanogaster) besonders häufig — aber schwer zu schiessen. Bewegunglos sitzen sie auf den Bäumen am Ufer, nur ihr dünner Hals und Kopf ragt wie eine Baumschlange aus dem Laube hervor. Bei dem Annähern des Bootes stürzen sie jäh in’s Wasser und erst nach vielen Minuten sieht man den dünnen Hals wieder empor tauchen, weit entfernt von der Stelle, wo der Vogel verschwunden war. Im Fliegen scheint der Plotus nicht minder gewandt als im Schwimmen und Tauchen.
Halbwegs zwischen Batu und Bula steht ein Kalkofen; das Gestein, ein fester, gelblicher Kalk voll Steinkerne von Korallen (Seriatopora? und unbestimmbaren Zweischalern), kommt aus einem flachen Hügelzug, zwei Stunden Büffelschritt WSW, anscheinend einem gehobenen Korallenriff. Weiter stromabwärts wird die Gegend flacher, nur die grossen Vulkane ragen über die von Reisfeldern eingenommene Ebene.
In Nága, der Hauptstadt von Süd-Camarínes, stieg ich im Tribunal ab, wurde aber alsbald von dem wegen seiner Gastfreundschaft weit über die Grenzen seiner Provinz berühmten Administrador in sein Haus geholt und mit Liebenswürdigkeit und Gefälligkeiten überhäuft. Der allgemein beliebte Herr setzte alles in Kontribution um meine Sammlungen zu bereichern, und that was er konnte um mir den Aufenthalt angenehm zu machen und meine Zwecke zu fördern.
Nága ist die Hauptstadt von Süd-Camarínes, Sitz eines Bischofs und der Provinzial-Regierung. In amtlichen Dokumenten wird es Nueva-Cáceres genannt zu Ehren des aus Cáceres gebürtigen General-Kapitäns D. Fr. de Sande, der 1578 neben dem Indierdorf Nága eine spanische Stadt gründete. Zu Anfang des 17ten Jahrhunderts zählte sie gegen 100 spanische Einwohner (Morga f. 151), gegenwärtig kaum ein Dutzend. Schon Murillo Velarde (XIII, 272) bemerkt, dass, im Gegensatz zu Amerika, von allen in den Philippinen gegründeten Städten, mit Ausnahme Manila’s, nur noch die Skelette, die Namen ohne die Substanz sich erhalten haben. Der Grund liegt, wie schon mehrfach hervorgehoben, darin, dass es bis jetzt an Pflanzungen und mithin an eigentlichen Ansiedlern fehlt. Früher war Nága Hauptstadt des ganzen östlich von Tayábas gelegenen Theiles von Luzon, der bei zunehmender Bevölkerung in die drei Provinzen Nord- und Süd-Camarínes und Albáy zerlegt wurde. Die Grenzen dieser Verwaltungsbezirke sind namentlich zwischen Albáy und Süd-Camarínes ziemlich willkürlich gezogen, während das Gesammtgebiet, wie die Karte zeigt, geographisch sehr gut begrenzt ist. Im Verkehr wird es auch wohl noch gegenwärtig im Zusammenhang Camarínes genannt; am passendsten könnte man es das Land der Bicol nennen; denn es ist von einem Volksstamm, den Bicolindiern bewohnt, der sich sowohl durch seine Sprache, als durch manche Eigentümlichkeiten von seinen Nachbarn, den Tagalen im Westen und den Bisayern, auf den Inseln im Süden und Osten unterscheidet.
Die Bicol sind auf das in Rede stehende Gebiet und einige kleine unmittelbar davor liegende Inseln beschränkt. Ueber ihre Herkunft geben die umfangreichen, inhaltlosen Geschichten spanischer Mönche keinen Aufschluss. Morga hält sie für Eingeborene der Insel, dagegen sei durch Ueberlieferung bekannt, dass die Bewohner von Manila und Umgebung von vor Zeiten dort eingewanderten Malayen und Bewohnern anderer Inseln und ferner Provinzen abstammen.[1] So wie ihre Sprache zwischen der der Tagalen und Bisayer mitten innen steht, so scheinen die Bicols selbst auch in ihren Fähigkeiten und Sitten einen Uebergang zwischen beiden zu bilden, den Tagalen körperlich wie geistig im Allgemeinen nachzustehn, den Bewohnern der östlichen Bisaya-Inseln überlegen zu sein. Bicol wird nur in beiden Camarínes und Albáy auf Luzon, und auf den Inseln Masbáte, Burías, Ticáo, Catanduánes und den kleinen benachbarten Eilanden gesprochen. Am reinsten sprechen es die Bewohner des Vulkanes Ysaróg und seiner unmittelbaren Umgebung. Von dort gen Westen nimmt die Bicolsprache immer mehr tagalisch, nach Osten hin bisaya auf, und geht allmälig, wohl noch ehe sie die Grenzen ihres ethnographischen Gebietes erreicht, in diese beiden Nachbarsprachen über. Es dürfte zweckmässig sein, die hervorragendsten Züge in der Lebensweise der Bicolindier, deren Mehrzahl sie mit den Tagalen und Bisayern gemein haben, hier an einander zu reihen.
Ein allgemeiner Ueberblick der geographischen Verhältnisse und der durch sie bedingten Vertheilung der trockenen und nassen Jahreszeiten ist bereits S. 94 gegeben worden.
Der Pflug, Arado,
ist von dem noch heut in Spanien gebräuchlichen wenig verschieden. Ausgenommen d und e ist alles von Holz, selbst die Nägel. — a, tokod 0m71; b, timon 0m21; c, caballo 1m67; d, lipia, Länge 0m21, Breite oben 0m16, unten 0m11; e, sodsod 0m21 lang, 0m16 breit; g, pakanap 0m71; d ist mit a, g mit a und c durch Stuhlrohr verbunden.