Auf vier Topones (1 Topon = 1 Loan) pflanzt man 1 Ganta und erntet 100 Manojos (Bündel), die je ½ Ganta Reis geben, also das fünfzigste Korn. Man darf die alte Ganta von Naga wohl = 1½ Gantas setzen, dann berechnet sich der Ertrag auf 75 Cabanes per Quiñon, etwa 9¾ Scheffel per Morgen, ungefähr soviel wie in Preussen.[3] In Büchern werden gewöhnlich 250 Cabanes als Ertrag eines Quiñon angegeben, als Durchschnitt wohl eine Uebertreibung. Die Ergiebigkeit der Felder ist allerdings eine sehr verschiedene, aber wenn man erwägt, dass die Aecker in den Philippinen nie gedüngt werden, sondern zur Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit ausschliesslich auf den durch die Ueberfluthungen aus den Bergen ihnen zugeführten Schlamm angewiesen sind, so mögen obige Zahlen dem wirklichen Durchschnitt wohl eher entsprechen. In Java beträgt in vielen Provinzen die Ernte nur 50 Cabanes per Quiñon, in manchen freilich das Dreifache[4]; in China bei sorgfältigster Kultur und reichlicher Düngung 180 Cabanes.[5] Ausser Reis wird Camote (süsse Kartoffel, Convolvulus batatas) gebaut, die wie Unkraut wuchert, ja sie wird zuweilen sogar angepflanzt, um auf dem zum Kaffee-, Cacao- oder Abacábau bestimmten Boden das Unkraut zu vertilgen. Sie breitet sich zu einem dichten Teppich aus, und ist, da die Ausläufer Wurzel schlagen und Knollen bilden, eine fast unversiegbare Vorrathskammer für den Besitzer, der das ganze Jahr hindurch seinen Bedarf dem Felde entnehmen kann. Auch Gabi (Caladium), Ubi (Dioscorea), Mais und zwei Arum-Arten sind Gegenstände des Feldbaus.

Nach der Reisernte werden Büffel, Pferde und Rinder auf die Felder gelassen. Während des Reisbaues bleiben sie in den Gogonales, Rohrsteppen, die namentlich dort entstehn, wo für den Bau von Bergreis gelichtete Stellen wieder verlassen werden. Gogo ist der Name eines 7 bis 8′ hohen Rohres (Saccharum sp.). Transport findet dann fast nicht statt, weil während der Regenzeit die Wege nicht benutzbar sind und das Vieh nichts zu fressen fände. Der Indier füttert sein Vieh nicht; er lässt es verhungern, wenn es sich nicht selbst erhalten kann. In der nassen Jahreszeit kommt es nicht selten vor, dass ein Büffel, während er den Karren zieht, vor Hunger zusammenstürzt. Ein Büffel kostet 7–10 Dollars, ein Pferd 10–20, eine Kuh 6–8. Sehr schöne Pferde bezahlt man mit 30–50 Dollars, ausnahmsweise sogar bis 80 Dollar, doch werden die hiesigen Pferde in Manila nicht geschätzt, weil sie nicht aushalten; das schlechte Wasser, das schlechte Heu und die grössere Hitze daselbst, richten sie schnell zu Grunde, sonst würde es vortheilhaft sein, Pferde in der guten Jahreszeit nach Manila zu verschiffen, wo sie etwa das Doppelte kosten. Nach Morga (f. 130) gab es weder Pferde noch Esel auf der Insel, bis die Spanier sie aus China und Neu-Spanien einführten.[6] Erstere waren klein und bösartig; auch aus Japan wurden Pferde bezogen, »nicht schnell aber stark mit grossen Köpfen und dicker Mähne, wie Friesen aussehend«.[7] Die Pferde vermehrten sich schnell, die im Lande geborenen, meist von gekreuzter Rasse, schlugen gut ein.

Das Rindvieh ist gewöhnlich in den Händen Einzelner. Es giebt in Camarínes Individuen, welche 1000 bis 3000 Stück besitzen, in der Provinz ist es kaum verkäuflich, doch wird es seit einigen Jahren mit Vortheil nach Manila ausgeführt. Das Rindvieh der Provinz ist klein aber wohlschmeckend, zur Arbeit wird es nie benutzt, auch die Kühe werden nicht gemolken. Die Indier ziehen das Büffelfleisch dem Rindfleisch vor, essen es aber nur an Festtagen, gewöhnlich geniessen sie nur Fische, Krebsthiere, Muscheln und wilde Kräuter zum Reis.

Die alte, von den Spaniern vor Jahrhunderten eingeführte Rasse von Schafen hält sich gut und vermehrt sich leicht; die gelegentlich von Shanghai und Australien gebrachten stehn im Rufe, nicht so gut auszudauern; sie sollen unfruchtbar sein, gewöhnlich bald sterben. In Manila ist Hammelfleisch täglich zu haben, im Innern aber, wenigstens in den östlichen Provinzen fast nie, obgleich die Schafzucht ohne Schwierigkeit, an manchen Orten mit grossem Vortheil getrieben werden könnte. Man ist aber zu nachlässig, um die jungen Lämmer zu hüten, und klagt, dass sie von den Hunden zerrissen werden, wenn sie frei herumlaufen. Die Schafe scheinen sich schwer akklimatisirt zu haben. Morga (f. 130) sagt, dass sie viele male aus Neu-Spanien mitgebracht wurden, sich aber nicht vermehrten, so dass zu seiner Zeit diese Art von Hausthieren nicht vorhanden war. Schweinefleisch wird von wohlhabenden Europäern nur dann gegessen, wenn das Schwein von Jugend auf im Hause erzogen worden ist. Um zu verhüten, dass es sich herumtreibe, wird es gewöhnlich in einen Bambuskäfig, einen weitmaschigen zylindrischen Korb, eingeflochten, und geschlachtet, wenn es denselben ausfüllt. Von den Schweinen der Eingeborenen zu essen ist zu ekelhaft; die Thiere leben unter dem Abtritt, der in manchen kleinen Häusern nur aus den Zwischenräumen der aus Bambuslatten gebildeten Diele besteht und ernähren sich von seinen Abfällen, die sie gierig verschlingen; häufig sieht man sie im Dorfe herumlaufen, Kopf und Hals mit den Resten ihrer Malzeit besudelt.

Crawfurd (338) bemerkt, dass die Namen aller Hausthiere in den Philippinen fremden Sprachen angehören. Hund, Schwein, Ziege, Büffel, Katze, selbst Huhn und Ente seien malayisch oder javanisch; Pferd, Ochs, Schaf, spanisch. Wenn jene Thiere erst von den Malayen eingeführt wurden, so waren die Ureinwohner übler daran, als die Amerikaner, die doch das Alpaca, Llama und Vicuña hatten. — Auch die Namen der meisten Kulturpflanzen, Reis, Yams, Zuckerrohr, Kokos, Indigo seien malayisch, so wie die für Silber, Kupfer, Zinn. Von den auf Gewerbe bezüglichen Wörtern sei ein Drittel malayisch, von Handelsausdrücken die grosse Mehrzahl; auch die Benennungen für Maasse, Gewichte, für den Kalender, soweit ein solcher vorhanden, so wie die (sehr entstellten) Zahlwörter, die Wörter für Schreiben, Lesen, Sprache, Erzählung. Dagegen ist nur eine Minderzahl der Ausdrücke, die sich auf den Krieg beziehn, dem malayischen entlehnt.

Aus den ächt einheimischen Wörtern schliesst Crawfurd auf den Grad der Zivilisation, den die Philippiner vor ihrem Verkehr mit den Malayen besassen: sie baueten kein Getreide, ihre Pflanzenkost bestand in Bataten (?) und Bananen. Sie besassen nicht ein Hausthier, kannten Eisen und Gold, aber kein anderes Metall, und kleideten sich in selbst gewebte Baumwollen- und Abacá-Stoffe. Sie hatten ein eignes phonetisches Alphabet erfunden. Ihre Religion bestand im Glauben an gute und böse Geister und Hexen, in Beschneidung und etwas Sterndeuterei. Somit waren sie den Bewohnern der Südsee voraus durch den Besitz von Gold, Eisen und Geweben und standen ihnen nach, indem sie weder Hund, Schwein noch Huhn besassen.

Lässt man die obige nur mit Hülfe mangelhafter sprachlicher Quellen entworfene Skizze des vorchristlichen Kulturzustandes gelten und vergleicht damit den gegenwärtigen, so ergiebt sich ein grosser Fortschritt, den die Philippiner den Spaniern verdanken. Insofern er die gesellschaftlichen Verhältnisse betrifft, ist er bereits mehrfach im Text hervorgehoben worden. Die Spanier haben das Pferd, das Rind, das Schaf, den Mais, den Kaffee, Rohrzucker, Cacao, Sesam, Tabak, Indigo, viele Früchte und wohl auch die Bataten eingeführt, die sie unter dem Namen Camotli in Mexico vorfanden.[8] Daraus scheint die in den Philippinen allgemeine Benennung Camote entstanden zu sein, die Crawfurd wohl irrthümlich für einheimisch hält. (Wie mir Dr. Witmack mittheilt, neigt man neuerdings zu der Ansicht, dass die Batate nicht nur in Amerika, sondern auch in Ostindien heimisch sei, da sie im Sanskrit zwei Namen habe: Sharkarakanda und Ruktaloo.)

In den Gewerben, ausgenommen in der Stickerei, im Weben und Mattenflechten haben die Eingeborenen nur geringe Fortschritte gemacht. Die Handwerke werden hauptsächlich von Chinesen betrieben.

Die Ausfuhr besteht in Reis und Abaca. Die Provinz führt etwa zweimal so viel Reis aus als sie verzehrt, hauptsächlich nach Albay, das zum Reisbau weniger geeignet, fast nur Abacá erzeugt. Ein Theil geht nach Nord-Camarínes, das sehr bergig und wenig fruchtbar ist. Nach Manila kann der Reis kaum verschifft werden, da eine Landstrasse nach dem der Hauptstadt nahen Südrande der Provinz nicht vorhanden und der Wassertransport vom Nordrande und dem ganzen östlichen Theil von Luzon das Produkt zu sehr vertheuern würde. Die Einfuhr beschränkt sich auf das Wenige, was chinesische Krämer einführen. Die Händler sind fast alle Chinesen, sie allein besitzen Läden, in denen namentlich Kleiderstoffe und Tücher, theils inländischer, theils europäischer Fabrik, gestickte Frauenpantoffeln und unächte Schmucksachen zu haben sind. Das Gesammtkapital, welches in diesen Läden steckt, erreicht gewiss nicht 200,000 Dollar. In den übrigen Pueblos von Camarínes giebt es keine chinesischen Handelsleute, sie müssen sich also aus Naga versorgen.

Das Land gehört dem Staat, wird aber einem Jeden, der es bebauen will, umsonst überlassen; der Niessbrauch geht auf die Kinder über, und hört nur dann auf, wenn der Boden zwei Jahre lang unbenutzt liegen bleibt. Es steht dann der Behörde frei, zu Gunsten eines Andern darüber zu verfügen.