⅓ Grösse.

Das ganze Gefäss ist, den Fuss ausgenommen, mit seladongrüner Glasur überzogen.

Mr. W. A. Franks, der die Güte hatte das Gefäss zu untersuchen, ist geneigt es für chinesisch zu halten und erklärt es für sehr alt, ohne jedoch das Alter genauer feststellen zu können (ähnlich sprach sich ein gelehrter Chinese der Burlingame’schen Gesandtschaft aus). Ihm ist nur ein Stück, nämlich ein von Kämpfer aus Japan mitgebrachter, im British Museum befindlicher Krug von noch festerer Masse bekannt, dessen Farbe, Glasur und Glasurrisse (Craquelés) genau mit dem meinigen übereinstimmen. Nach Kämpfer fanden die Japanesen dergleichen Krüge im Meer, und schätzten sie sehr hoch um ihren Thee darin aufzubewahren.

Morga (f. 135) meldet: »Auf dieser Insel Luzon, besonders in den Provinzen Manila, Pampánga, Pangasinán und Ylócos finden sich bei den Eingeborenen sehr alte Thonkrüge von dunkelbrauner Farbe und nicht von gutem Ansehn, einige von mittlerer Grösse, und andre kleiner, mit Zeichen und Stempeln. Sie wissen nicht anzugeben, woher sie dieselben erhielten noch zu welcher Zeit; denn jetzt werden sie nicht mehr gebracht, noch werden sie in den Inseln angefertigt; die Japanesen suchen und schätzen dieselben, denn sie haben gefunden, dass die Wurzel eines Krautes, welches sie Tscha (Thee) nennen und welche heiss getrunken wird als grosse Delikatesse und Arznei, bei den Königen und Herren in Japan, sich nicht hält und konservirt ausser in diesen Krügen, die in ganz Japan so hoch geschätzt werden, dass es die grössten Kostbarkeiten ihrer Wohnzimmer und Kabinette sind, und hat ein solcher Krug einen hohen Werth und sie belegen sie auswendig mit feinem, mit grosser Kunst getriebenem Golde und sie stecken sie in Futterale von Brokat, und es giebt Krüge die auf 2000 Tael zu 11 Realen, geschätzt und verkauft werden . . . Die Eingeborenen dieser Inseln verkaufen sie an die Japanesen so hoch sie können, und bemühen sich sie zu suchen, dieses Gewinnes halber, obgleich jetzt wenige gefunden werden wegen des Eifers, mit dem man sie aufgesucht hat.«

Als Carletti 1597 von den Philippinen nach Japan kam, wurden auf Befehl des Guvernörs sämmtliche Personen an Bord sorgfältig untersucht und ward ihnen Todesstrafe angedroht, wenn sie zu verheimlichen suchten »gewisse irdene Gefässe, die von den Philippinen und andern Inseln jenes Meeres gebracht zu werden pflegen,« da der König sie alle kaufen wollte . . . »Dergleichen Gefässe gelten bis fünf-, sechs- ja bis zehntausend Scudi das Stück, während man sie nicht auf einen Giulio (etwa ½ Paolo) schätzen möchte.« — 1615 traf Carletti einen als Gesandten von Japan nach Rom geschickten Franziskaner, der ihm versicherte, er habe einen der Könige von Japan 130,000 Scudi für ein solches Gefäss zahlen sehn — seine Gefährten bestätigten es. — Auch Carletti giebt als Grund des hohen Preises an, »dass sich das Blatt Cia oder Thee, dessen Güte mit dem Alter zunähme, in jenen Krügen besser konservire als in allen andern Gefässen. Die Japanesen erkennen diese Gefässe sogleich an gewissen Schriftzeichen und Stempeln. Sie sind sehr alt und sehr selten und kommen nur aus Cambodia, Siam, Cochinchina, den Philippinen und andern benachbarten Inseln. Nach dem Aussehn würde man sie auf drei oder vier Quatrini (ein paar Dreier) schätzen ... es ist durchaus wahr, dass der König und die Fürsten jenes Reiches eine sehr grosse Zahl dieser Gefässe besitzen und sie als ihren köstlichsten Schatz, höher als andere Kostbarkeiten schätzen — dass sie mit deren Besitz prahlen und aus Eitelkeit einander durch die Menge derartiger Gefässe die sie besitzen zu überbieten suchen.«[3]

Auch bei den Dayaks und den Malayen in Borneo werden von vielen Reisenden Krüge erwähnt, die aus abergläubischen Ursachen sehr übertrieben, zuweilen auf mehrere tausend Dollars geschätzt werden.

St. John[4] erzählt, dass der Datu von Tamparuli (Borneo) Reis im Werth von fast 700 £ für einen Krug hergab, und dass derselbe Datu einen zweiten Krug von fast fabelhaftem Werth besässe, dieses Gefäss sei etwa zwei Fuss hoch, dunkel olivengrün. Der Datu füllt beide Krüge mit Wasser, setzt Kräuter und Blumen dazu, und debitirt es an alle Kranke der Umgegend. Der berühmteste Krug in Borneo ist aber wohl der des Sultans von Brunei, da er nicht nur alle schätzbaren Eigenschaften der übrigen Krüge besitzt, sondern sogar sprechen kann. St. John sah ihn nicht, da er immer im Frauengemach verwahrt wird; der Sultan, ein glaubwürdiger Mann, erzählte ihm aber sehr ernsthaft, dass der Krug in der Nacht vor dem Tode seiner ersten Frau kläglich geheult habe und bei bevorstehenden Unglücksfällen ähnliche Töne von sich gäbe. St. John ist geneigt die räthselhafte Erscheinung aus einer vielleicht eigenthümlichen Form der Mündung des Gefässes zu erklären, in welcher die darüber hinstreichende Zugluft ähnlich wie bei der Aeolsharfe in tönende Schwingungen versetzt wird. Gewöhnlich ist das Gefäss in Goldbrokat eingewickelt und wird nur enthüllt, wenn es befragt werden soll, daher kommt es vielleicht, dass es nur bei feierlicher Gelegenheit spricht. St. John berichtet noch, dass früher sogar die Bisayer dem Sultan Geschenke brachten und dafür etwas Wasser aus dem heiligen Kruge erhielten um ihre Felder damit zu besprengen und sich dadurch reiche Ernten zu sichern. Als man den Sultan fragte, ob er seinen Krug wohl um 20,000 £ hergeben würde, antwortete er, dass kein Gebot in der Welt ihn veranlassen könne sich davon zu trennen.

Morga’s Beschreibung passt weder auf das Gefäss von Libmánan noch auf den Krug des British Museum, eher noch auf ein unserem ethnographischen Museum vor Kurzem aus Japan zugegangenes Gefäss. Dieses ist aus braunem Thon, unansehnlich, doch von gefälliger Form, aus vielen Bruchstücken zusammengekittet, die Fugen sind vergoldet und bilden auf dem dunklen Grunde eine Art Netzwerk. Wie hoch dergleichen alte Töpfe, selbst einheimischen Ursprungs noch heut in Japan geschätzt werden, zeigt das von einem Dolmetscher des deutschen Konsulats verfasste Begleitschreiben: »Dieses irdene Gefäss wurde in dem Porzellanfabrikorte Tschisuka in der Landschaft Odori, im südlichen Idzumi gefunden, und ist ein zu den tausend Gräbern gehöriger Gegenstand . . . dasselbe ist von Giogiboosat (berühmtem Buddhisten-Priester) angefertigt, und nachdem es dem Himmel verehrt, von ihm begraben worden. Nach den Ueberlieferungen des Volkes wurde dieser Platz von Grabhügeln mit einem Gedenksteine versehn, das ist jetzt tausend und mehr Jahre her . . . Ich hielt mich zum Zweck meiner Studien lange Jahre in dem Tempel Sookuk jenes Dorfes auf und fand das Gefäss. Ich brachte dasselbe dem Oberpriester Shakudjo, der sehr erfreut darüber war, und es immer wie ein Kleinod bei sich trug. Als er starb, fiel es mir zu, doch konnte ich es nicht finden. Neulich nun als Honkai Oberpriester wurde, sah ich es wieder, und es war mir, als wäre ich dem Geiste Shokudjos wieder begegnet. Gross war meine Erregung und staunend klatschte ich in die Hände, und so oft ich das Kleinod betrachte, gedenke ich, dass es ein Zeichen ist, dass der Geist Shokudjos in Honkai wieder auflebt. Deshalb habe ich die Geschichte dieses Kleinods aufgeschrieben und gut gewahrt. Fudji Kuz Dodjin«.

Freiherr Alexander von Siebold macht mir noch folgende Mittheilung: Der Werth, den die Japaner auf derartige Gefässe legen, beruht auf deren Verwendung bei den geheimnissvollen Theegesellschaften »Cha-no-yu«. Ueber den Ursprung dieser, den Europäern fast noch gar nicht bekannten Verbindungen bestehen verschiedene Legenden, ihre Hauptblüthezeit aber war unter der Regierung des Kaisers Taikosama, der im Jahre 1588 die Gesellschaft der Cha-no-yu zu Kitano bei Myako, mit neuen Statuten versehn, wieder einführte. Seine Zwecke waren sowohl moralische als politische. In Folge der verheerenden Religions- und Bürgerkriege war das ganze Volk entartet und verwildert, aller Sinn für Künste und Wissenschaft untergegangen, nur die rohe Kraft geachtet, an Stelle der Gesetze herrschte das Faustrecht. Der tiefdenkende Taikosama begriff, dass er die rohen Gemüther besänftigen, sie wieder an die Künste des Friedens gewöhnen müsse, um seinem Lande den Wohlstand, sich und seinen Nachkommen die Herrschaft zu sichern. In dieser Absicht rief er die Gesellschaft Cha-no-yu auf’s Neue in’s Leben, versammelte die Meister derselben und die Kenner ihrer Gebräuche um sich.

Der Zweck der Cha-no-yu ist, den Menschen den Einflüssen des ihn umgebenden irdischen Treibens zu entziehn, in seinem Innern das Gefühl vollkommener Ruhe herzustellen, ihn zur Selbstbetrachtung zu stimmen; sämmtliche Gebräuche des Cha-no-yu sind auf dieses Ziel gerichtet.