In luftige reine Gewänder gekleidet, ohne Waffen, versammeln sich die Mitglieder der Cha-no-yu um den Hausherrn und werden von ihm, nachdem sie einige Zeit im Vorsaale ausgeruht, in einen eigens für diese Versammlungen hergerichteten Pavillon geführt. Dieser besteht aus den kostbarsten Holzarten, ist aber ohne jeden Schmuck, der die Gedanken abziehn könnte, ohne Farbe, ohne Firniss, durch kleine mit Pflanzen dichtbewachsene Fenster nur spärlich beleuchtet, und so niedrig, dass man darin nicht aufrecht stehn kann. Die Gäste betreten das Gemach mit feierlich gemessenen Schritten, werden vom Hausherrn nach den vorgeschriebenen Formeln empfangen, und setzen sich dann im Halbkreise zu seinen beiden Seiten. Jeder Unterschied des Ranges hört auf. Nun werden die alten Gefässe unter feierlichen Zeremonien aus ihren kostbaren Umhüllungen hervorgeholt, begrüsst und bewundert; mit eben so feierlichen genau vorgeschriebenen Formeln wird das Wasser auf dem dazu bestimmten Heerde gekocht, der Thee den Gefässen entnommen, und in Tassen zubereitet. Der Thee besteht aus den grünen zu Staub zerriebenen jungen Blättern des Theestrauchs, und wirkt sehr aufregend. Unter tiefem Schweigen wird der Trank genossen, während Weihrauch auf dem erhabenen Ehrenplatz »toko« brennt. Nachdem sich der Geist gesammelt, beginnt die Unterhaltung, die sich aber nur auf abstrakte Gegenstände erstrecken darf (Politik soll indessen nicht immer ausgeschlossen bleiben). Der Preis der bei diesen Versammlungen verwendeten Gefässe ist sehr bedeutend, und stehn letztere im Werthe unseren theuersten Gemälden nicht nach. Taikosama belohnte seine Feldherren oftmals mit dergleichen alten Gefässen, statt mit Ländereien, wie sonst üblich. Auch nach der jüngsten Revolution wurden einige der hervorragendsten Daimios (Fürsten) vom Mikado dafür, dass sie ihm zum Thron seiner Ahnen verholfen, mit solchen Cha-no-yu-Gefässen belohnt. Die besten, die ich gesehn, waren nicht schön, es waren alte, verwitterte, schwarze oder dunkelbraune Krüge mit ziemlich breitem Halse zum Aufbewahren des Thees, hohe Tassen aus Craquelé-Porzellan oder Steingut zum Trinken des Aufgusses, tiefe breite Wasserbehälter, und alte verrostete eiserne Kessel mit Ringen zum Wasserkochen, alles höchst einfach von Ansehn, aber in die kostbarsten Seidenstoffe eingewickelt und in vergoldeten Lackkasten aufbewahrt. Unter den Schätzen des Mikado und des Taikun’s, auch in einigen Tempeln werden unter den höchsten Kostbarkeiten dergleichen alte Gefässe mit Dokumenten über ihre Herkunft aufbewahrt.

Von Libmánan besuchte ich den SW. gelegenen Berg Yámtik (Amtik, Hantu)[5], der aus Kalk besteht und viele Höhlen enthält. Flussaufwärts 6 Stunden W. und eine Stunde SSW. zu Fuss, bringen uns zu der kleinen von 1000′ hohen Kalkbergen umgebenen Visita Bícal, von wo man im Bett eines Baches auf einer Sintertreppe zu einer kleinen Höhle emporsteigt, in welcher Schaaren von Fledermäusen und grosse langarmige Spinnen von der als giftig verrufenen Gattung Phrynus hausen.[6]

Ein dicker, queer über den Weg liegender Baumstamm war von einer kleinen Ameise seiner ganzen Ausdehnung nach in Zellen zerfressen. Mehrere Eingeborene wagten gar nicht, die andern nur schüchtern die Höhle zu betreten, nachdem sie einander die gegen Calapnitan zu beobachtenden Rücksichten eingeschärft.[7] Eine der Hauptregeln war, in der Höhle keinen Gegenstand zu nennen, ohne hinzuzufügen: »Herrn Calapnitan’s«, also nicht schlechtweg: Flinte, Fackel, sondern Herrn C’s Flinte, Fackel . . Tausend Schritt davon liegt eine andre Höhle »San Vicente«, welche dieselben Insekten, aber eine andre Art Fledermäuse enthält. Beide Höhlen waren nur von geringer Ausdehnung, in Libmánan hatte man mir aber von einer sehr grossen Tropfsteinhöhle gesprochen, deren Beschreibung, trotz aller beigemischten Erdichtungen, wirkliche Anschauung zu Grunde liegen musste. Die Führer stellten sich unwissend. Erst nach zweitägigem Herumirren und vielen Erörterungen entschlossen sie sich, da ich auf meinem Vorhaben bestand, zu dem Wagniss, und geleiteten mich zu meinem grossen Erstaunen nach Calapnitans Höhle zurück, von welcher eine enge, durch einen Felsenvorsprung verborgene Spalte in eine der allerprachtvollsten Tropfsteinhöhlen der Welt führt. Ihr Boden ist überall fest und bequem zu betreten, meist trocken. Sie läuft in viele Zweige aus, deren Gesammtlänge wahrscheinlich über eine Meile beträgt, und machte die Beschreibung, dass sie ganze Reihen von Königssälen und Kathedralen mit Säulen, Kanzeln und Altären enthalte, nicht zu Schanden. Knochen oder andre Reste waren darin nicht zu finden. Meine Absicht später mit Arbeitern zurückzukehren um planmässig nachzugraben kam nicht zur Ausführung.

Den Gipfel des Berges zu erreichen, auf dem ein See befindlich sein soll, »wo käme sonst das Wasser her?« gelang mir nicht. Zwei Tage versuchten wir mit grossen Anstrengungen von verschiedenen Seiten durch den dichten Wald zu dringen, der Führer, der in Libmánan dem Cura versichert hatte, den Weg zu wissen, erklärte jetzt das Gegentheil. Ich liess den bisher Unbelasteten nun zur Strafe einen Theil des Gepäcks tragen, an der nächsten Wendung des Pfades aber warf er es ab und entsprang, so dass wir zur Umkehr gezwungen wurden. In diesen Wäldern sind Hirsche und Wildschweine sehr häufig. Sie bildeten den Hauptbestandtheil unserer Malzeiten, zu denen sich, im Anfang unseres Zuges, bis gegen 30 Personen einfanden, die angeblich in den Zwischenzeiten Schnecken und Insekten mit erfolglosem Eifer für mich suchten.

Bei meiner Abreise aus Darága hatte ich einen muntern kleinen Jungen mitgenommen, der »Beruf zum Naturforscher« fühlte. In Libmánan kam er plötzlich abhanden, mit ihm zugleich ein Bund Schlüssel. Alles Suchen war vergebens. Er war direkt nach Naga gegangen, hatte sich, durchs Vorzeigen der entwendeten Schlüssel legitimirt, vom Mayordomo meines Gastfreundes einen weissen Filzhut ausliefern lassen und war damit verschwunden. Schon einmal hatte ich ihn, mit dem Hut sich im Spiegel bewundernd, stehn sehn. Die Versuchung war zu gross für ihn gewesen.

Anfang März hatte ich das Vergnügen den Administrador von Camarínes und einen spanischen Oberst, die über Daet und Mauban zur Hauptstadt reisten, nach Nord-Camarínes zu begleiten. Um 5 Nachm. verliessen wir Butúngan am Bicolfluss, 2 Leguas unterhalb Naga, in einer Falúa von 12 Rudern, mit einem Sechspfünder und zwei Vierpfündern ausgerüstet, von Bewaffneten begleitet, und erreichten Cabusáo, am Ausfluss des Bícol, bald nach 6, von wo wir gegen 9 in See gingen. Die Falúa gehörte der Steuerverwaltung und hatte im Verein mit einer andern, unter dem Befehl des Alkalden, die Nordküste der Provinz gegen Schmuggler und Seeräuber zu schützen, die in dieser Jahreszeit in den Schlupfwinkeln der Bay von San Miguél herum zu liegen pflegen. Zwei ähnliche Kanonenboote versahn den Dienst an der Südküste der Provinz.

Die Ufer des Bicolflusses sind auf beiden Seiten flach, und dehnen sich zu weiten Reisfeldern aus; im Osten sieht man gleichzeitig die schönen Vulkane Mayon, Yriga, Malinao und Ysarog.

Gebirge Bacacáy von der Barre von Daet.

Mit Tagesanbruch erreichten wir die Barre von Daet und nach zweistündigem Marsche die gleichnamige Hauptstadt der Provinz Nord-Camarínes, wo wir im Hause des Alkalden, eines gebildeten Navarresen, vortreffliche Aufnahme fanden. — Nur der zahme Affe, der auch die Gäste seines Herrn bewillkommnen sollte, wandte ihnen mit angelernter unhöflicher Geberde den Rücken und ging auf die Thür zu. Da stellte der Mayordomo einen Spiritusflakon mit einer kleinen giftlosen Schlange auf die Schwelle, schnell sprang der Affe zurück und verbarg sich zitternd hinter seinem Herrn.