Eben so roh ist die Vorkehrung zum Zermahlen des gepochten Gesteines: Aus der Mitte einer kreisförmigen Unterlage — aus roh behauenen Steinen, die mit einem Kranz eben solcher Steine eingefasst ist, erhebt sich ein dicker Pfahl, oben mit einem eisernen Stift versehn, um welchen ein in der Mitte horizontaler, an beiden Enden abwärts gebogener Baum drehbar befestigt ist; durch zwei vorgespannte Büffel in Bewegung gesetzt, schleift er mehrere schwere Steine, die durch Rotang an ihn fest gebunden sind, im Kreise herum, und mahlt so das mit Wasser gemischte vorher gepochte Gestein zu feinem Schlamm. (Bei den mexicanischen Goldwäschern ist dieselbe Vorrichtung unter dem Namen Rastra in Gebrauch.) Das Auswaschen des Schlammes geschieht durch Frauen. Sie knieen auf einer Seite einer schmalen bis an den Rand mit Wasser gefüllten Holzrinne, an deren entgegengesetzter Seite, jeder Arbeiterin gegenüber, ein schräges nach abwärts geneigtes Brett befestigt wird; die Rinne ist an diesen Stellen entsprechend ausgeschnitten, so dass ein sehr dünner Wasserstreifen ununterbrochen der ganzen Breite nach über das Brett fliesst. Die Arbeiterin vertheilt den goldhaltigen Schlamm mit der Hand über das am untern Rande mit einer Querleiste versehene Brett, der leichte Sand wird fortgewaschen, es bleibt eine dunkle, hauptsächlich aus Eisen-Kiesen und -Erzen bestehende Schicht zurück, die von Zeit zu Zeit mit einem flachen Span aufgenommen, bei Seite gelegt, und zum Schluss des Tagewerks in einer flachen Holzschüssel (batea), zuletzt in einer Kokosschale, ausgewaschen wird, wobei sich im glücklichen Fall ein feines gelbes Pulver am Rande zeigt.[8] Bei der letzten Wäsche wird dem Wasser der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt darin länger schweben als in blossem Wasser und lässt sich somit leichter vom Goldpulver trennen.[9]

Es ist noch zu erwähnen, dass der aus den Gruben kommende Schutt am obern Ende der Wasserrinne gewaschen wird, damit der Sand, der den zum Pochen bestimmten Steinen anhaftet, sein Gold in der Rinne oder auf dem Waschbrett absetzen könne. Um das gewonnene Goldpulver zu einem Klumpen zusammen zu schmelzen, in welcher Form es die Händler kaufen, wird es in die Schale einer kleinen Herzmuschel (Cardium) gespült und von einer Handvoll Holzkohlen umgeben, in einen Topfscherben gestellt. Eine Frau bläst durch ein enges Bambusrohr auf die entzündeten Kohlen; in einer Minute ist die Arbeit vollendet.[10] Nach vielfältigen Erkundigungen soll der Ertrag per Kopf durchschnittlich nicht über 1½ r. täglich betragen. Weiter SO. von hier im Berg Malagúit sieht man die Reste eines zu Grunde gegangenen spanischen Aktienunternehmens, eine Schutthalde, eine 50′ tiefe Grube, ein grosses zerfallenes Haus und einen 4′ breiten 6′ hohen Stollen. Das Gebirge besteht aus sehr zersetztem Gneiss mit Quarzgängen, im Stollen mit Ausnahme der Quarzbänder fast reine Thonerde mit Sand.

⅓ Grösse.

Nester von Collocalia troglodytes.

An den Wänden hafteten einige essbare Salanganennester, aber nicht von derselben Art wie in den Höhlen der Südküste von Java.[11] Die hiesigen, viel weniger werthvoll als jene, werden nur gelegentlich für chinesische Händler gesammelt, die das Stück angeblich mit 5 Cents bezahlen. Auch von den die Nester bauenden Vögeln, (Collocalia troglodytes Gray) gelang es einige zu fangen.[12] Ringsum liegt eine so grosse Zahl von Indiern bearbeiteter, dann verlassener kleiner Gruben, halb oder ganz zerfallen, mehr oder weniger bewachsen, dass man sich mit Vorsicht dazwischen bewegen muss. Einige Gruben werden noch betrieben, ähnlich wie bei Longos, jedoch mit einigen kleinen Verbesserungen. Die Gruben sind doppelt so gross als jene, das Gestein wird mit einer Winde herauf gefördert, einem walzenförmigen Bambusgerippe, das von einem auf einer höheren Bank sitzenden Jungen mit den Füssen getreten wird.

Zehn Minuten N. vom Dorf Malagúit liegt ein Berg, in welchem Bleiglanz und Rothblei gewonnen worden sind. Das Gestein besteht aus sehr zersetztem glimmerreichem Gneiss. Es ist ein über 100′ langer Stollen vorhanden. Das Gestein scheint sehr arm gewesen zu sein.

Auf der Kuppe dieses selben Hügels, N. 30° W. vom Dorf, sind die berühmten Rothbleierze gefunden worden. Die Grube war eingestürzt, vom Regen zugeschwemmt, so dass nur noch eine flache Vertiefung im Boden zu sehn war; nach langem Suchen gelang es zwischen dem darauf wachsenden Gestrüpp einige kleine Bruchstücke zu finden, auf denen noch Chrombleierz deutlich zu erkennen war. Kapitän Sabino, der ehemalige Gobernadorcillo von Paracáli, ein wohlunterrichteter Indier, der mich auf Veranlassung des Alkalden begleitete, hatte aber vor einigen Jahren graben lassen um Probestücke für einen Spekulanten zu erhalten, der darauf ein neues Aktienunternehmen in Spanien zu gründen beabsichtigte. Die gefundenen Proben wurden indessen nicht abgenommen, da Philippinische Bergwerksaktien inzwischen an der Madrider Börse in Misskredit gerathen waren. Leider war, ausser einigen kleinen Drusen, nur noch ein Kistchen voll Sand vorhanden, bestimmt, zerklopft, als bunter Streusand verkauft zu werden. Durch Aussieben wurde alles Brauchbare gerettet.

Auf diesem Hügel kommt eine besonders schöne Fächerpalme vor; ihr Stamm ist 30 bis 40′ hoch, zylindrisch, dunkelbraun mit ¼ Zoll breiten weissen Ringen in Abständen von 4 Zoll; und in gleichen Zwischenräumen kronenartige Bänder von 2 Zoll langen schwarzen Stacheln; gegen die Blattkrone geht der Stamm in das reiche Braun der gebrannten Sienna über.

Von Paracali führt ein trotz des sehr schlechten Weges angenehmer Ritt abwechselnd am Seestrand und durch schönen Wald in 3½ Stunde nach Mambuláo, das W. b. N. liegt. Ich steige im Tribunal ab und richte mich in dem Raum ein, worin die Munition aufbewahrt wird, dem einzigen verschliessbaren. Zur grössern Sicherheit soll das Pulver in eine Ecke getragen, mit einer Büffelhaut zugedeckt werden. Es geschieht, wie ich angeordnet; mein Diener hält dabei ein brennendes Talglicht, sein Gehülfe eine Pechfackel in der Hand. Als ich den eingeborenen Priester besuche, werde ich von einem jungen Mädchen freundlich begrüsst; ich will ihr die Hand geben, sie dankt mit einem Knicks: »tengo las sarnas« (ich habe die Krätze). Die in den Philippinen sehr verbreitete Krankheit scheint in dieser Gegend ihren Mittelpunkt zu haben. Ich glaube kaum hier eine Indierin ohne Krätzflecke gesehn zu haben. (Vergl. S. 130.)