Von Barcelonéta bis Cabusáo behält der Strand denselben Charakter wie zwischen Daét und Colási. Seine Richtung ist aber NS. Der Boden, sandiger Thon, ist mit einer dicken Schicht zerbrochener Zweischaler bedeckt. Der Weg war sehr beschwerlich, da die hohe Fluth uns zwang zwischen Bäumen und dichtem Unterholz zu klettern. Unterwegs trafen wir eine unternehmende Familie, die von Daét abgefahren, um Kokosnüsse nach Naga zu bringen, hier Schiffbruch gelitten hatte.[1] Von 5 Tinajas Oel hatten sie nur eine, die Nüsse aber alle gerettet. Sie lebten in einer kleinen schnell erbauten Hütte, von Kokosnüssen, Reis, Fischen und Muscheln, auf günstigen Wind zur Rückkehr wartend. Es giebt hier eine grosse Manchfaltigkeit von Strandvögeln, aber meine Flinte ging nicht los, obgleich sie mein Diener, in Aussicht auf die Jagd, mit besonderer Sorgfalt geputzt hatte; die Ladung konnte, da er beim Putzen den Ladestock verloren, erst in Cabusáo herausgezogen werden, wobei sich ergab, dass beide Läufe unten bis über das Zündloch voll Sand waren.

Das Gestade war noch schöner als am vorigen Tage, namentlich an einer Stelle, wo die Brandung gegen einen Wald von Fächerpalmen (Corypha sp.) anprallte. An der dem Meer zugekehrten Seite standen die Bäume, ihrer Kronen beraubt, in Gruppen oder Reihen, oder lagen umgestürzt, wie Säulen gewaltiger Tempelruinen (einige derselben hatten drei Fuss Durchmesser). Der Anblick erinnerte unmittelbar an Pompeji. Ich konnte mir die Ursache der Kahlheit der Stämme nicht erklären, bis ich mitten unter den Palmen eine Hütte entdeckte, in welcher zwei Männer bemüht waren den Wogen in ihrem Zerstörungswerk zuvor zu kommen, durch Bereitung von Zucker (tunguleh). Zu dem Zweck wird nach Entfernung der Blätter, da diese Palme terminal blüht, das obere Ende des Stammes queer abgeschnitten, die Schnittfläche ist ein wenig (etwa 5°) gegen den Horizont geneigt und nach dem untern Rand hin zu einer sehr flachen Rinne ausgetieft. Der Saft quillt aus der ganzen Schnittfläche, mit Ausnahme der durchschnittenen äussern Blattstiele, sammelt sich in der flachen Rinne und wird von da auf einem zwei Zoll breiten, vier Zoll langen Stück Bananenblatt in ein am Stamm hängendes Bambusrohr geleitet. Um den hervorquellenden Saft gegen Regen zu schützen, ist jeder angezapfte Baum mit einer Kappe aus einem dütenförmig zusammengebogenen Palmenblatt bedeckt. Der Saft hat einen schwachen, angenehm aromatischen Beigeschmack von Karamell. Ein Baum liefert täglich im Durchschnitt vier Bambusen voll Tuba, die Bambusen haben gegen 3½ Zoll innern Durchmesser, und sind, wenn sie abgenommen werden, etwa 18 Zoll hoch gefüllt, dies gäbe etwas über 10 Quart täglich.

Der Ertrag der einzelnen Bäume ist indessen sehr ungleich; er lässt allmälig nach und hört nach 2, höchstens 3 Monaten gänzlich und für immer auf[2]; aber das Verhältniss der frisch und vor längerer Zeit angeschnittenen bleibt dasselbe, mithin auch der Durchschnittsertrag. Der Saft von 37 Palmen liefert bei jedem Einsammeln, nachdem er in einer eisernen Pfanne abgedampft, eine, täglich also vier, wöchentlich 28 gantas oder 2⅓ tinájas Zucker, der an Ort und Stelle 2½ Doll. die tinája gilt. Diese, von den Leuten selbst herrührenden Angaben stellen das Verhältniss vielleicht etwas ungünstiger dar, als in der Wirklichkeit; doch kann, nach der Ansicht eines kundigen Mestizen der Unterschied nicht sehr bedeutend sein. Lässt man obige Zahlen gelten, so würde ein jeder dieser herrlichen Bäume etwa 1⅔ Doll., und nach Abrechnung des Arbeiterlohns (1 r. per Tag) etwa 1⅔ Thaler geben, freilich nicht viel, doch mag es zum Troste dienen, dass er ohne die Dazwischenkunft des Menschen bald der Brandung anheim fiele, und selbst gegen alle äussern Feinde geschützt, nach einmaligem Fruchttragen verdorren muss.

Cabusáo liegt im Südwinkel der Bucht von S. Miguél, die fast rings von hohen Bergen umgeben, den Schiffen einen sichern Ankerplatz gewährt. — Von hier begab ich mich über Naga an die Südküste. Vier Leguas von Naga, im Busen von Ragay, am Südrande Luzons, liegt der kleine, aber tiefe Hafen von Pasacáo. In zwei Stunden erreicht man zu Wasser die halbwegs liegende Visita Pamplóna, von wo der Weg zu Lande fortgesetzt wird. Der noch vorhandene Rest der früheren Strasse befand sich in erbärmlichem Zustande, selbst in der damals trocknen Jahreszeit kaum passirbar; die Brücken über die vielen kleinen Gräben waren eingestürzt, an manchen Stellen lagen grosse Steine und Baumstämme queer über den Weg, die, vor Jahren zum Ausbessern der Brücken herbeigeschafft, unbenutzt liegen blieben und seitdem die Strasse sperrten.

In Quitang, zwischen Pamplóna und Pasacáo, wo sich zwei Bäche zu einem, bei letztem Orte mündenden Flüsschen vereinigen, hatte ein junger Franzose eine Hacienda gegründet. Er war zufrieden und hoffnungsvoll, und lobte namentlich den Fleiss und guten Willen seiner Leute. Ausländer scheinen in der Regel mit den Eingeborenen besser auszukommen, als Spanier, wohl weil sie weniger Ansprüche machen. Unter letzteren sind namentlich solche aus den untern Klassen sehr geneigt ungerechtfertigte Anforderungen zu stellen und bitter zu klagen, wenn sie nicht für jede Arbeit sofort die nöthigen Hände finden, zu Lohnsätzen, die dem gesteigerten Werthe der Produkte durchaus nicht entsprechen. Ginge es nach ihnen, so müssten die Eingeborenen von Amtswegen gezwungen werden für sie zu arbeiten.[3]

Freilich ist der Indier unabhängiger als der europäische Arbeiter, weil er bedürfnissloser, und als geborener Grundbesitzer nicht gezwungen ist, sich als Tagelöhner eines Anderen sein Brod zu erwerben, dennoch ist es fraglich, ob, in Bezug auf Löhne, irgend eine Kolonie dem Pflanzer günstigere Verhältnisse darbietet, als die Philippinen. In Holländisch Indien, wo Privatindustrie durch das Regierungsmonopol fast ausgeschlossen, erhalten freie Arbeiter ⅓ Gulden, etwas mehr als 1 r., den üblichen Lohn in den wohlhabenden Provinzen der Philippinen (in den ärmeren beträgt er nur die Hälfte) und die Javanen kommen den Filipinos weder an Kraft, noch an Intelligenz und Geschick gleich. Wie hoch der Tagelohn in allen ehemaligen Sklavenstaaten ist, ist bekannt. Mauritius und Ceylon müssen um Zucker und Kaffee zu bauen, fremde Arbeiter mit grossen Unkosten einführen und theuer bezahlen, und stehn sich dennoch gut dabei.

Von Quitang bis Pasacáo ist der Weg noch schlechter als vorher und doch ist dies die wichtigste Strasse der Provinz! Bevor man Pasacáo erreicht, sieht man an den Entblössungen der Kalkwände deutliche Zeichen, dass sie früher vom Meer bespült wurden. Pasacáo liegt malerisch am Ende des vom Itulán durchflossenen Thales, welches sich von Pamplona zwischen bewaldeten Kalkbergen bis an’s Meer erstreckt. Die Ebben sind hier höchst unregelmässig. Von Mittag bis Abend war kein Unterschied wahrzunehmen, und als die Abnahme eben sichtbar wurde, stieg die Fluth schon wieder. Unmittelbar südlich vor der Ortschaft war eine von den Wellen unterwaschene Bergwand von 2000′ Höhe und über 1000′ Breite zwei Jahre vorher herabgerutscht. Der Fels besteht aus einer zähen Kalkbreccie voll Muschel- und Korallenbruchstücken; ich konnte es aber ohne Schuhe auf dem scharfen Gestein nicht lange genug aushalten, um es näher zu untersuchen.

Aus demselben Grunde musste auch von dieser Seite die schon von Libmánan vergeblich versuchte Besteigung des Yamtik unterbleiben. Statt dessen fuhr ich in Begleitung des gefälligen französischen Pflanzers im Boot nordwestlich die Küste entlang. Unser Nachen schwebte über Korallengärten hin, von prachtvoll gefärbten Fischen umschwärmt. Nach zwei Stunden erreichten wir eine Höhle im Kalk »Suminabáng«, so niedrig, dass man sich nur kriechend darin bewegen konnte. Sie enthielt einige Schwalben und Fledermäuse. Am Flusse Calebáyan, jenseits der Punta Tanáun schlugen wir in einem einzeln stehenden Schuppen unser Nachtlager auf. Hier wird das Kalkgebirge durch einen am linken Ufer des Flüsschens isolirt stehenden Felsen aus hornblendereichem krystallinischen Gestein unterbrochen, er ist, ausser an der, dem Wasser zugekehrten Seite, ringsum von Kalk umgeben.

Die umliegenden Berge sollen von Wildschweinen wimmeln: unter dem Strohdach unserer Hütte, die gelegentlichen Jägern zum Obdach dient, waren über 150 Unterkiefer als Jagdtrophäen aufgesteckt. Der Ort, an dem wir uns befanden, erschien wie zur Viehzucht geschaffen, sanfte mit Futtergras und einzelnen Baumgruppen bewachsen, von Bächen durchrieselte Abhänge, ziehn sich vom Meere aus in die Höhe und werden von einer steilen Felsenmauer im Halbkreis eingefasst. Das Vieh würde dort Gras, Wasser, Schatten und den Schutz einer geschlossenen Umwallung finden. Längs der Küste hinfahrend, hatten wir eine Reihe solcher Oertlichkeiten bemerkt, sie sind aber völlig unbenutzt, aus Mangel an Unternehmungsgeist, und aus Furcht vor Seeräubern. Sobald unser Abendbrot bereitet war, löschten wir das Feuer sorgsam aus, damit es den Meerstrolchen nicht als Signal diene, und hielten Nachtwachen.