Am folgenden Morgen wollten wir eine nie zuvor betretene Höhle besuchen, fanden aber zu unserm Erstaunen keine eigentliche Höhle, sondern nur eine wenige Fuss tiefe Höhlenpforte; weithin sichtbar, muss sie den Jägern oft aufgefallen sein, doch hatte sich, wie unsere über die Täuschung erstaunten Begleiter versicherten, aus abergläubischer Scheu bisher Niemand hineingewagt.

Wie mehrfach erwähnt, ist die nördliche Küste von Camarínes im NO. Monsun fast unnahbar, während die durch vorliegende Inseln gedeckte Südküste immer zugänglich bleibt. Die fruchtbarsten Gebiete der östlichen Provinzen, die im Sommer ihre Erzeugnisse durch die nördlichen Häfen ausführen, bleiben im Winter oft Monate lang von allem Verkehr mit der Hauptstadt abgeschlossen, weil kein Weg über den schmalen Landstreifen zur Südküste führt. Wie viel die Natur für die Erleichterung des Verkehrs gethan, wie wenig die Menschen, wird recht deutlich, wenn man den eben geschilderten Zustand der Strasse nach Pasacao, in Zusammenhang mit den östlichen Verhältnissen betrachtet, wie sie die Karte zeigt.

Zwei Flüsse, der eine von NW., der andre von SO. kommend, beide schiffbar, bevor sie die Grenzen der Provinz erreichen, fliessen mitten durch dieselbe, in einer, wenn man die Windungen nicht berücksichtigt, mit den Küsten gleichlaufenden Linie und senden, nachdem sie zusammengetroffen, ihre Wasser gemeinschaftlich durch den Aestuar von Cabusáo in die Bay von S. Miguél. Die ganze Provinz wird also in ihrer Mittellinie von zwei schiffbaren Flüssen durchströmt, die in Bezug auf den Verkehr nur Einen bilden. Von ihrem Vereinigungspunkt, an der schmalsten Stelle der Provinz, beträgt die Entfernung bis zur Südküste nur 3 Leguas.

Der Hafen von Cabusáo im Grunde der Bucht von S. Miguél ist aber im NO. Monsun nicht zugänglich und hat den Nachtheil nur auf dem grossen Umwege um den ganzen östlichen Theil Luzons mit Manila zu verkehren. An der Südküste dagegen liegt der Hafen von Pasacáo, in welchen ein, über eine Meile weit schiffbares Flüsschen mündet, so dass die Entfernung zwischen dieser Wasserstrasse und dem nächsten Punkte des Bicolflusses wenig über eine Meile beträgt. Die 1847 von einem thätigen Alkalden angelegte, bis 1852 erhaltene, beide Meere verbindende Strasse war aber zur Zeit meines Besuches so schlecht, dass der Pico Abacá auf dieser kurzen Strecke in der trocknen Jahrszeit 2 r. Fracht zahlte, in der nassen aber selbst für den doppelten Preis nicht befördert werden konnte.[4]

Es liessen sich viele ähnliche Beispiele anführen: 1861 berichtet der engl. Vize-Konsul, dass in Yloilo der Pico-Zucker um mehr als 2 r. vertheuert wird (so viel als die Fracht von Yloilo nach Manila beträgt) durch den schlechten Zustand der Strasse zwischen zwei Dörfern, die nur 1 Legua auseinander liegen.

Wären die Inseln nicht, abgesehn vom Seetransport, so ausserordentlich begünstigt durch unzählige Flüsse mit schiffbaren Mündungen, so würde ein noch viel grösserer Theil ihrer Produkte nicht zu verwerthen sein. Die Eingeborenen haben kein Verlangen nach Strassen, die sie selbst durch Frohnarbeit bauen, und nachdem sie vollendet, durch Frohnarbeit erhalten müssen, auch die Lokalbehörden nicht, denn wo keine Strassen gebaut werden, sind die Frohnden um so leichter für Privatzwecke zu nützen. Eben so wenig sind die Curas in der Regel der Anlage von Verkehrswegen günstig, durch welche Handel, Wohlstand und Aufklärung in’s Land dringen, ihre Autorität untergraben wird. Ja die Regierung selbst begünstigte bis vor Kurzem solche Zustände, denn schlechte Strassen gehören zum Wesen der alten spanischen Kolonialpolitik, die immer darauf bedacht war, die einzelnen Provinzen ihrer grossen überseeischen Besitzungen zu isoliren, das Gefühl der nationalen Gemeinschaft nicht aufkommen zu lassen, um sie desto leichter vom fernen Mutterlande aus beherrschen zu können.

In Spanien selbst sieht es übrigens nicht viel besser aus; es fehlt dort so sehr an Verkehrswegen, dass z. B. die Waaren von Santandér nach Barcelóna den Seeweg um die ganze iberische Halbinsel dem direkten, zum Theil mit Eisenbahn versehenen Wege vorziehn.[5] In Estremadura wurden die Schweine mit Weizen gefüttert (lebendes Schweinefleisch kann ohne Strassen transportirt werden), während gleichzeitig die Seehäfen fremdes Getreide einführten.[6] Der Grund dieser Zustände liegt auch dort weniger in den zerrütteten Finanzen, als in der Regierungsmaxime, die einzelnen Provinzen zu isoliren.


[1] In Daét galten damals 6 Nüsse 1 cuarto, in Naga, das zu Wasser nur 15 Leguas entfernt, hofften die Leute 2 für 9 c. zu verkaufen (das 27fache); eine Nuss kostete damals in Naga 2 c., 12mal so viel als in Daét. [↑]

[2] Seitlich blühende Palmen können eine lange Reihe von Jahren ununterbrochen oder indem man sie zeitweis Früchte tragen lässt, abgezapft werden. [↑]