Eine kletternde, sehr zähe, dünne Art liefert gespalten, allerlei feines Flechtwerk, auch Stricke, sogar Säcke. Ja selbst Jacken machen die Chinesen aus einer kleinen Art, indem sie die Seitentriebe von der Dicke eines Rabenkiels in halbzoll lange Stücke schneiden, wie Schmelzperlen auf Fäden ziehen und zu quadratischen Maschen verknüpfen. Chinesische Stutzer tragen gern dergleichen Jacken auf dem blossen Körper, um ihr weisses baumwollenes Gewand gegen Schweiss zu schützen. Aus Bambusblättern bestehen die Regenmäntel der Armen und die groben Regenschirme der Höker. Die unter dem Namen Pfefferrohr in Deutschland bekannten Stöcke und Regenschirmstiele sind Bambus. Bei den chinesischen und japanischen Schirmen besteht das ganze Gestell aus Bambussplissen, und der Ueberzug aus gefirnisstem Papier.

Geht man in den Wald auf eine Exkursion, so sind die Kulis schwer zu bewegen, Tragkörbe mitzunehmen, da eine Bambuse alles Nöthige liefert, um Körbe, Kiepen, Tragen u. s. w. in kürzester Zeit zu flechten. Zur Bewahrung kleiner oder flüssiger Gegenstände dienen unmittelbar die Internodien. Auch die amtlich geaichten Maasse für Flüssigkeiten und Körner bestehen daraus.

In einem Bambusbusch stecken Musikinstrumente für ein ganzes Orchester. Am naheliegendsten ist die Verwendung zu Flöten und Pfeifen, Wie die Mintras Gitarren daraus machen, ist bereits erwähnt. Auch die abscheuliche chinesische Fidel „hii-ïeng” besteht aus Bambus. (In ein 3–4'' langes, 2'' dickes, an einem Ende mit einer Schlangenhaut trommelartig bespanntes Rohr, welches den Körper der Geige bildet, ist seitlich ein etwa 2' langer Bambusstock eingelassen, an dessen oberem Ende die Wirbel für zwei Saiten angebracht sind; der Steg steht auf der Schlangenhaut.) Ein sehr angenehmes Instrument dagegen ist das Anklong, bestehend aus einer Anzahl Rohre von graduirter Länge, die an einem Gestell hängen und durch Aneinanderstossen in tönende Schwingungen versetzt werden. Logan erwähnt einer Art Aeolsharfe, die er in Naning sah und den Triumph der malayischen Kunst nennt: „Denn was könnte kühner und sinnreicher sein als der Gedanke, einen ganzen Bambus frisch aus dem Walde 30–40' lang durch einfaches Einschneiden einiger Löcher in ein musikalisches Instrument zu verwandeln.”

Für religiöse Zwecke liefert der Bambus auf den Philippinen Kirchen, Kapellen und Kreuze. (Für die Erziehung ist der Rotang beliebter und wird stark benutzt. Das Sprichwort sagt: für jeden Indier, der geboren wird, spriessen im Walde tausend Rotangs auf.) Die Chinesen schneiden aus seinen knorrigen, struppigen Wurzeln phantastische Figuren für den Tempel und den Hausaltar. Aus Bambuswurzeln bestehen auch die eigenthümlichen Wurfhölzer in den Tempeln, durch welche die Chinesen das Schicksal befragen, um aus der Art des Fallens auf den Erfolg einer Unternehmung zu schliessen; in ihrer Zudringlichkeit werfen sie aber die Hölzer so lange, bis sie endlich eine günstige Antwort erhalten.

Auch als Feuerzeug ist der Bambus in Gebrauch, und wohl allen andern bei den Wilden üblichen Feuerzeugen vorzuziehen. Man spaltet einen recht trockenen Halm von 2–3' der Länge nach in der Mitte, schabt aus den inneren Wandungen die silberglänzende weiche Haut und das weiche Holz so fein als möglich und rollt das Geschabsel zu einer losen Kugel zusammen, die auf den Boden gelegt und mit der einen Hälfte des Halms bedeckt wird, so dass sie oben gegen die Wölbung drückt. Von der andern Hälfte spaltet man dann noch einen Streifen ab, so dass ein fast flaches lattenförmiges Stück zurückbleibt, dessen eine Seite zugeschärft wird. Mit dieser Seite geigt man auf dem Bambus, der von einem Begleiter oder durch Pflöcke festgehalten wird, gerade über der Stelle, wo das feine Geschabsel liegt, hin und her, indem man allmälig den Druck und die Geschwindigkeit steigert. So entsteht ein Einschnitt quer durch die Längsfasern, die Wärme wächst bei der starken Reibung sehr schnell, und in dem Augenblick, wo das Gewölbe durchschnitten ist, entzündet sich das verkohlte Holzpulver zu Funken, die in den darunter liegenden Faserballen fallen und durch vorsichtiges Blasen allmälig zu einem Flämmchen genährt werden. Der Versuch ist leicht anzustellen und gelingt jedesmal, wenn alle Vorbereitungen richtig getroffen sind.

Endlich möchte ich noch einer schrecklichen Todesstrafe erwähnen, die früher auf Bali in Gebrauch gewesen sein soll. Die Bambusen wachsen ausserordentlich schnell und dringen mit sehr harten kieselreichen Trieben, die wie Spitzkugeln geformt sind, aus dem Boden. Es wird erzählt, dass man, nachdem die längeren Halme entfernt worden, den Verbrecher horizontal über den Stumpfen aufspannte, um ihn von den jungen Trieben durchwachsen zu lassen.

Manche Bambusarten haben sehr dicke Wände im Verhältniss zu ihrem Durchmesser, andere sehr dünne, bei grossem Umfang. Auf dem Abhang des Semeru (Ost-Java) mass ich sehr dünnwandige Bambusen von 70' Länge und 26'' Umfang an der Basis (Junghuhn giebt deren von 1' Durchmesser an), die bis zur Spitze mit Wasser gefüllt waren. Diesem Wasser wird eine besondere Heilkraft zugeschrieben. In demselben lebt ein kleines krebsartiges Thier, das die Javanen Ikanwadr nennen, ich aber leider nicht auffinden konnte. Noch grössere Heilkraft schreibt man den Kieselkonkretionen zu, die sich in manchen Bambusen bilden und unter dem Namen Tabaschir oder Bambuskampfer in den Handel kommen. Die grosse Rolle, die der Tabaschir in der chinesischen Medizin spielt, verdankt er wohl, wie die Bezoarsteine, seiner spontanen Entstehung. Auch als Polirmittel wird der Tabaschir gebraucht; grosse Quantitäten gehen nach Arabien, ihre dortige Verwendung konnte ich aber nicht ermitteln.

Von der Schönheit einer auf offenem Felde oder auf einer Anhöhe freistehenden Bambuse, deren oben reich befiederte Halme sich bei Windstille nach allen Seiten gleichmässig zur Erde neigen, wie die Wassergarbe eines Springbrunnens, kann man sich nach den verkümmerten Exemplaren in den Ecken unserer engen Treibhäuser unmöglich einen Begriff machen. Sie übertrifft sowohl die Palme als den Baumfarn an landschaftlicher Schönheit. Es wäre ein würdiger Versuch für einen reichen Gartenfreund, seinen Rasenplatz mit einer Bambusgruppe zu schmücken. Ein gemauertes, durch Röhren heizbares Becken, mit einem im Sommer abzunehmenden Glashause würde genügen; vielleicht wären selbst einfachere Vorrichtungen ausreichend. (Im Garten der Fürstin Butera bei Palermo sah ich Bambusen im freien Lande, es war aber keine schöne Art.) Rings um die Mittelgruppe könnte man niedrigere Arten mit goldgelben und gelb und grün gestreiften Halmen setzen, deren es äusserst zierliche giebt. Die Auswahl ist endlos; die Dicke schwankt zwischen 1 Fuss und wenigen Millimetern, die Höhe erreicht 70–80', abgesehen von den kletternden, welche viel länger werden; die Farbe umfasst sehr verschiedene Töne von grün und gelb; es giebt auch gestreifte, gefleckte und schwarze; und es trifft sich glücklich, dass gerade die schönste aller Bambusarten im nördlichen China in einem Klima wächst, das von dem Süd-Europas nicht allzu verschieden ist. R. Fortune, der in diesem Punkt gewiss kompetent ist, glaubt wenigstens, dass sie in Süd-Frankreich, Italien und ähnlichen Gegenden im Freien gedeihen möchte. Er sagt von ihr (Residence among the Chinese pg. 189): „Die Mau-tschok ist die schönste Bambuse der Welt — 60–80' hoch, Stamm gerade, glatt, astlos bis auf 20 oder 30' vom Boden, der obere, belaubte Theil so leicht und gefiedert, dass er die Reinheit des Stammes nicht beeinträchtigt.” Wie alle andre Arten dieser Gruppe wachsen sie sehr schnell und erreichen ihre volle Höhe in wenigen Monaten; man sieht sie fast wachsen, wie man zu sagen pflegt. Fortune, der häufige Messungen in den chinesischen Bambuswäldern anstellte, fand, dass eine gesunde Pflanze 2–21/2' in 24 Stunden wächst, und zwar Nachts am schnellsten. Selbst im Treibhause ist ihr Wachsthum enorm. Hr. Inspektor Bouché berichtet, dass eine im freien Grunde des Palmenhauses im Berliner botanischen Garten stehende Bambusa verticillata vom 22. Juni bis Anfang Oktober 38' emporschoss. Vom 28. Juni bis 4. August wurde sie täglich gemessen und wuchs 10' in 38 Tagen, also durchschnittlich 31/2 Zoll, an einzelnen sehr warmen Tagen aber 7, ja sogar 9 Zoll.

Bald nach unserer ersten Reise hatte ich das Vergnügen, Hrn. de Vrij nach Tjibodas am Gedeh zu begleiten, wo die bereits mehrmals erwähnte erste Cinchonapflanzung auf Java in 4400' Höhe von Hasskarl und Teysmann angelegt worden war. Bei dem Gärtner in Tjipanas, das an demselben Abhang 1100' tiefer liegt, fanden wir diesmal gute Aufnahme und angenehme Gesellschaft aus Batavia, die sich in der hiesigen Frühlingsluft von den Strapazen der heissen Hafenstadt erholte. Man kann sich kaum einen angenehmem Aufenthalt denken, um Geist und Körper zu erfrischen. Daher würde der Ort von den Bataviern noch viel zahlreicher besucht werden, wenn nicht die sehr hohen Reisekosten und das strenge, lästige Passwesen für sie ein Hinderniss wären.[83]

Die Gärtnerei ist nicht auf die unmittelbare Umgebung von Tjipanas beschränkt, sondern zieht sich mehrere tausend Fuss höher den Berg hinan, wodurch es möglich wird, viele Kultur- und Zierpflanzen aus kälteren Breiten zu bauen. Artischocken, Spargel, Tomaten und andere feine europäische Gemüse, die in Singapore nur als Leckerbissen aus Blechbüchsen auf die Tafel kommen, bildeten den Hauptbestandtheil der Mahlzeiten; Erdbeeren waren in grösster Fülle vorhanden und wurden nach andalusischer Sitte mit Apfelsinensaft gegessen. Europäische Fruchtbäume sind zwar auch höher oben am Berge gepflanzt und tragen das ganze Jahr Blüthen und Früchte, doch bleiben letztere meist ungeniessbar, weil den Bäumen die unsern Wintern entsprechende Ruhezeit fehlt. Am schmackhaftesten sind noch die Aepfel, am ergiebigsten die Pfirsiche, die aber nur gekocht zu geniessen sind; Erdbeeren wachsen so üppig, dass weiter oben grosse Flächen damit bedeckt sind. Nach ihnen ist ein Gehöft in etwa 4000' Höhe Arrebe benannt; so sprechen die Malayen das holländische „Aardbei” aus. Man kommt an mehreren Cinchonapflanzen vorbei, die Junghuhn von Tjibodas aus hierher versetzte, nicht nach dem Malabar, wie Markham irrthümlich angiebt. Schöne, bequeme Reitwege führen nach verschiedenen Richtungen, — auch bis zum Gipfel des ganzen Gebirges, nach Junghuhn Mandellawangi, gewöhnlich aber wohl Pangerango genannt, auf welchem jetzt ein geräumiges, heizbares Bretterhaus steht, wo man die Nacht zubringen kann. Die Reitpferde sind billig und gut und können unterwegs gewechselt werden, so dass selbst Damen diesen 9230' hohen Gipfel fast ohne alle Anstrengung erreichen können. Gruppen riesiger Rasamalas, Baumfarne und Orchideen (die köstliche Vanda suaveolens findet sich nirgends in grösserer Fülle) folgen auf einander, und höher hinauf leuchten schon aus der Ferne die grossen rothen oder gelben Blüthenbüschel des Rhododendron Javanicum, das hier gewöhnlich epiphytisch vorkommt. Vor Kandang-badak überschreitet man auf einer Brücke einen heissen Sturzbach, der dampfend in den Abgrund fällt. Bald darauf kommt man an einem grossen Erdsturz, einer Scene wilder Verwüstung, vorüber: auf einem weiten Raum wächst keine Pflanze, enorme Felsblöcke und Schutt bedecken die Oberfläche, dazwischen liegen grosse zertrümmerte Baumstämme und eine hohe, senkrechte Wand, ohne eine Spur von Pflanzenwuchs, zeigt den Ort, wo sich die Erde abgelöst und dass das Ereigniss vor Kurzem stattgefunden hat. Vom Gipfel des Berges hat man einen ausgezeichnet schönen und weiten Umblick, dessen interessantesten Theil der grosse Gedehkrater bildet, der mit seinen terrassenförmigen Gesteinsbänken wie ein ungeheures antikes Theater vor dem Beschauer liegt.