Nun berieten sie, ob man das Telegramm öffnen solle, um dem Freiherrn die Aufregung zu ersparen. August war dafür. „Man kann nicht wissen, was drin steht, gnädiges Fräulein,“ meinte er. „Einer Depesche ist nicht zu trauen. Das kann alles mögliche sein.“ Aber Hedda schüttelte schließlich energisch den Kopf. Das Telegramm war an den Vater gerichtet, und da ging es nicht an, daß man es erbrach.
„Vater,“ sagte sie, von August gefolgt in das Arbeitszimmer des Alten tretend, „erschrick nicht: es ist eine Depesche angekommen.“
„Nanu?!“ erwiderte der Baron, genau so wie vorhin Hedda, und August nickte dazu: dieses „Nanu“ entsprach ganz seiner Auffassung.
Hellstern erbrach das Papier und las erst die Unterschrift.
„Von Axel, Hedda. Und fünf Zeilen lang. Das soll was heißen ...“ Er las vor: „Bitte um die Erlaubnis, Euch auf ein Retourbillet besuchen zu dürfen. Wenn keine Antwort erfolgt, bin ich Sonnabend mittag in Zielenberg. Wagen unnötig, nehme dort Extrapost. Freue mich herzlich darauf, Euch kennen zu lernen, und grüße Dich und die Cousine.
Euer Vetter
Axel Hellstjern.“
Er ließ das Papier sinken. „Was sagst du dazu? – Sonnabend – das ist morgen.“
Hedda hatte einen roten Kopf bekommen.
„Aber, Papa, das ist ja ganz unmöglich,“ antwortete sie. „Morgen schon – und es ist nichts in Ordnung! Telegraphiere zurück, er möchte erst in acht Tagen kommen.“