Sie lachte.
„Du bist sozusagen in keine Kategorie einzureihen –“
„Ach nein – in keine des genus homo!“
„Es ist noch ein Glück, daß du nicht aufs Carrieremachen angewiesen bist,“ fuhr Hedda, wieder ernster werdend, fort. „Und bei deinem lebhaften Geiste fürchte ich auch nicht, daß du untätig bleiben und dich langweilen wirst.“
„O du lieber Gott, Hedda – ich kenne das Wort Langeweile überhaupt nicht! Ich habe so hunderterlei Interessen – und wenn ich mich dazu entschloß, zur Diplomatie zu gehen, so geschah es nur – gewissermaßen aus traditionellen Rücksichten; irgend einen Beruf mußte ich doch ergreifen, und der diplomatische gilt bei uns als der vornehmste. Alle Hellstjerns sind Diplomaten gewesen, aber ich glaube, es war nie ein besonders hervorragender darunter. Doch einer, Christiern Hellstjern – der trank um 1500 Sten Sture unter den Tisch und soll dadurch den großen Adelsaufstand beigelegt haben – doch ist es immerhin fraglich, ob man diese Leistung als diplomatische Heldentat betrachten darf ...“
Sie waren nun bereits mitten im Walde und schlugen den Weg nach dem See ein. Er lag in voller Bläue vor ihnen, mit anmutig geschwungenen Ufern, die auf allen Seiten zu Bergrücken aufstiegen. Unten erstreckte sich Laubwald und weiter oben dunklerer Tannenforst. Die Form des Sees erinnerte Axel an den Lago di Como und die eigentümliche Gestaltung einzelner hoher Kiefern an die Pinien Italiens. Aus der Ferne schimmerte wieder, in leichten Dunst gehüllt, der eckige Turm des Döbbernitzer Schlosses in verschwimmenden Umrissen herüber.
Axel fragte nach dem Besitzer des Schlosses. Aber Hedda beschränkte sich auf kurze Mitteilungen. Baron Zernin sei ein entfernter Verwandter; er habe abgewirtschaftet, ein Duell gehabt und sei noch auf der Festung; dieser Tage solle das Gut subhastiert werden – man erzähle sich, Schellheim werde es kaufen.
„Ist der Zernin ein Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten?“ fragte er.
„Ja, Vetter, der einzige.“