Das Ende war, daß Fritz sich kraftlos ergab. Er saß mit blassem Gesicht, das Haar in die Stirn hängend, am Tisch und schrieb den Brief, den Albert ihm diktierte:
„Liebe Dörthe!
Es geht nicht mit uns. Das erkläre ich Dir hiermit zum letztenmal, und damit Du auch weißt, warum nicht, will ich es Dir sagen: nämlich wegen der Quelle. Die Quelle stellt höhere Anforderungen an mich, liebe Dörthe, denen ich nachkommen muß. Willst Du noch mehr darüber wissen, so wende Dich an Albert, der Dir in Ruhe und Freundschaft alles auseinandersetzen wird, liebe Dörthe. Jetzt wollen wir uns beide geduldig unserm Schicksal fügen und uns möglichst wenig zu sehen kriegen. Das ist das beste, und mit der Zeit wirst Du mir auch nicht mehr böse sein, liebe Dörthe, denn Du wirst sicher einen andern guten und lieben Mann bekommen, den Dir von Herzen wünscht
Dein Fritz.“
Die verschiedenfachen „liebe Dörthe“ hatte der Schreiber aus eigner Machtvollkommenheit eingefügt. Gern hätte er am Schlusse gesagt: „Dein Dich immer noch lieb habender Fritz“ –; aber Albert schaute ihm auf die Finger, auf denen die ungewohnte Federarbeit schwarze Tintenstreifen hinterließ.
Ein Junge brachte den Brief zu Klempt. Man wußte, daß Dörthe allabendlich ihren Vater besuchte, und wollte auf dem Baronshof keinen Skandal erregen.
Das Mädchen war noch nicht da, als der Brief abgegeben wurde. Tante Pauline nahm ihn in Empfang und betrachtete ihn mißtrauisch. Dann holte sie ihr Punktierbuch aus der Truhe und setzte sich damit an das Fenster, durch das der letzte Schein des Abendrots fiel. Sie war doch neugierig, was das zu bedeuten hatte: ein Brief gerade am Neumond.
Klempt legte soeben in der Werkstatt sein Arbeitszeug beiseite, reinigte den Hobel, mit dem er hantiert hatte, und fegte dann die Späne zusammen. Er war im Begriff, seine Schürze abzubinden, als es an die Fensterscheiben klopfte und die fröhliche Stimme Dörthes ihm zurief:
„Feierabend machen, Vater!“
Im nächsten Augenblick hörte er den Widerhall ihrer Pantoffeln auf den Steinen des Hausflurs und dann eine Tür schlagen. Dörthe ging in die Wohnstube.