Es war Eycken lieb, daß er Hedda zunächst allein traf. In ruhigem und liebevollem Tone sagte er ihr seine Glückwünsche, und als er nach ihrem Dankwort ihren unruhig fragenden Blick bemerkte, zog er sie neben sich auf das Sofa.
„Ich habe Ihre Mission von gestern abend erfüllt, Hedda,“ begann er von neuem, „und da mir daran liegt, Ihnen Beruhigung zu geben, will ich noch einmal den Namen dessen nennen, der auch für mich tot sein sollte. Es kam zu einer schlimmen Aussprache zwischen Klaus und mir; ich habe nicht mit starken Worten gespart, und – nun, er gab sie mir zurück. Aber er nahm das Geld; heut ist er in Sicherheit. Die Woydczinska in Seelen hat ihm Pferde gestellt und ihm über die russische Grenze geholfen. Er will nach Amerika.“
Hedda atmete auf.
„Gottlob, er ist in Sicherheit,“ sagte sie leise und lehnte ihr Haupt an die Brust des alten Freundes.
Wieder glitt des Pfarrers Hand lind und zärtlich über ihr Haar.
„Nun aber mutvoll in das neue Leben, Hedda,“ antwortete er. „Sie haben sich frei gemacht und alles abgeschüttelt, was Sie noch an die alte Liebe band. Aber – Sie haben eine neue Verantwortung übernommen. Werden Sie ihr gerecht!“
„Herr Pastor,“ entgegnete Hedda fest, „was ich tat, geschah nach reiflicher Überlegung. Ich habe lange genug mit mir gekämpft. Ich wollte nicht an der Erinnerung zu Grunde gehen – und ich wollte auch etwas Gutes tun. Ich lechzte nach einer Guttat, denn ich fühlte mich erniedrigt und von Scham erdrückt. Fragen Sie mich nicht, wie das möglich gewesen – es war so! Ich empfand jenes Schande wie eine eigne. Und so kam ich zu meiner Entschließung. Sie macht zwei Menschen glücklich: meinen Vater und Axel. Sie kennen Axel noch nicht. Er ist vornehm und edel. Sie selbst mögen ihm in jüngeren Tagen geglichen haben. Alles, was an Gutem in mir ist, will ich ihm geben.“
Segnend legte Eycken seine Rechte auf Heddas Haupt.
„Gott sei mit Ihnen, liebes Kind,“ sagte er.