„Gott bewahre! Ich weiß schon – erst wenn das Offiziellum da ist.“
Aber noch vor dem „Offiziellum“ wußte man im Souterrain bereits von der Verlobung. Zuerst gratulierte die Guste und dann Dörthe, die dabei in einen Tränenstrom ausbrach. Das blasse Gesicht Dörthes und ihr verändertes Wesen waren Hedda bereits aufgefallen.
„Aber Kind,“ rief sie, „was hast du denn eigentlich?! Ich kenne dich gar nicht wieder. Wo sind deine roten Backen geblieben und deine lustigen Augen?!“
Dörthe hielt die Schürze vor das Gesicht und weinte noch immer; sie war in eine Ecke der Küche getreten und machte sich am Wasserzuber zu schaffen. An ihrer Stelle antwortete Guste halbleise:
„Ach Gott, gnäd’ges Fräulein, das arme Ding! Ihr Fritze hat sie sitzen lassen. Die Verlobung ist zurückgegangen. Da sind aber bloß die alten Möllers dran schuld – und der Albert, das ist ein Kerl!“
Über Heddas Gesicht glitt ein Ausdruck aufrichtiger Anteilnahme. Das arme Mädchen tat ihr von Herzen leid. Sie rief Dörthe heran und sagte ihr ein paar tröstende Worte, aber die Kleine war nicht zu beruhigen.
„Ich überleb’s nicht, gnädiges Fräulein,“ jammerte sie; „er will eine andre heiraten – eine Reiche aus Frankfurt –, und das überleb’ ich nicht.“
Mißgestimmt und mit schwerem Herzen wartete Hedda auf ihren Verlobten.
Am Vormittage fand sich der Pastor ein. Er war auf seinem Bau gewesen und hatte August vorüberfahren sehen. Und trotz des Verbots hatte August den Mund nicht halten können. Dem Pastor konnte man es doch immerhin sagen – so einem alten Freunde des Hauses.
Eycken glaubte die Plötzlichkeit des Entschlusses Heddas zu verstehen. Seelische Gründe sprachen dabei mit. Sie wollte gewaltsam mit jeder Erinnerung an die Vergangenheit brechen.